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Wie der Renault Zoe Europas erfolgreichstes E-Auto wurde

„Wir haben gesehen, dass sich der Automarkt in Richtung emissionsfreier Mobilität entwickelt und haben bereits vor mehreren Jahren darauf reagiert“, sagt Gilles Normand, Senior Vice President für Elektrofahrzeuge bei Renault bei einem Werksbesuch in Paris. So hat der französische Autobauer bereits seit 2012 den vollelektrischen Kompaktwagen Zoe im Portfolio, der sich in diesem Segment zum Verkaufsschlager entwickelt hat. Fünf bis zehn Prozent der in Europa verkauften E-Autos stammen von Renault, Zoe macht dabei den Löwenanteil aus. 2017 war Zoe mit 90.000 verkauften Einheiten das meistverkaufte Elektroauto in Europa.

„Eine Milliarde Euro haben wir in vier französische Produktionsstandorte investiert“, erklärt . Am Standort Flins nahe Paris werden damit die Produktionskapazitäten für den Zoe verdoppelt. Derzeit werden dort jeden Tag rund 220 E-Autos gebaut, künftig sollen also gut 440 Zoe pro Tag das Werk verlassen.

Schreitet voran

„Zwanzig bis 25 Prozent der Kunden überlegen ein E-Auto zu kaufen, landen aber dann doch bei einem Auto mit Verbrennungsmotor“, sagt Normand. Nun gehe es daran, den Autofahrern die Vorteile der E-Mobilität aufzuzeigen. Kunden würden sich mehr Reichweite, billigere Autos und eine bessere Infrastruktur erwarten. „Diese Probleme werden sich aber von selbst lösen“, ist Normand überzeugt. Denn die Entwicklung von effizienteren Motoren und Batterien schreitet rasch voran, die zunehmende Konkurrenz wird die Preise drücken und auch die Infrastruktur wird sich mit steigender Anzahl an E-Autos schnell verbessern.

Man sehe auch, dass - neben den Kommunen und Autoherstellern - auch die Tankstellenbetreiber auf den elektrischen Zug aufspringen würden. „Die Tankstelle der Zukunft wird sich massiv verändern. Während dem Ladevorgang wollen die Leute beispielsweise einen Kaffee trinken, etwas essen oder unterhalten werden. Darauf müssen sich die Tankstellenbetreiber einstellen und dementsprechend umrüsten“, erklärt der Renault-Manager.

Wie die Entwicklung der E-Fahrzeuge voranschreitet, macht David , bei Renault zuständig für Elektromotor und Batterie, am Beispiel des Renault Zoe fest: „Als wir das Auto 2012 auf den Markt gebracht haben, hatte der Akku eine Kapazität von 22 kWh und eine Reichweite von gut 150 Kilometern. Die Leistungsfähigkeit konnten wir im Laufe der vergangenen vier Jahre wesentlich steigern, sodass der im Februar präsentierte neue Zoe R110 mit einer Akku-Ladung mehr als 300 Kilometern schafft, bei gleichbleibenden Bauraum der Batterie.“

Akku mieten  

Die Batterien entwickelt Renault in Zusammenarbeit mit LG. Im Werk in Flins werden die Akku-Module dann zum entsprechenden Akku zusammengesetzt und im Auto verbaut. „Bei unseren E-Autos haben die Kunden die Wahl den Akku ihres Fahrzeugs zu mieten oder zu kaufen“, erklärt . Entscheiden sich Kunden dafür die Akkus zu mieten, tauscht Renault die Batterie aus, sobald ihre Leistungsfähigkeit auf 75 Prozent gesunken ist.   

„Wir gehen davon aus, dass eine Batterie in einem Zoe ungefähr zehn Jahre durchhält“, sagt Yasmine Assef, die bei Renault den Bereich Wiederverwertung von Akkus und das Thema Smart Charging verantwortet. Die Lebensdauer der Batterien hänge aber entscheidend von Temperatur, Fahrweise, Anzahl der Ladezyklen und Fahrweise ab. Die alten Akkus aus den E-Autos werden nicht einfach entsorgt, sondern möglichst sinnvoll wiederverwertet.

„In einem zweiten Leben kann der Akku etwa zu Hause als Stromspeicher für Solaranlage verwendet werden“, sagt Assef. „Derzeit haben wir beispielsweise auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira, wo viel Strom mit Sonnenenergie und Windkraft erzeug wird, ein Pilotprojekt laufen, bei dem diese Akkus dabei helfen, das dortige Stromnetz zu stabilisieren.“ Dies sei natürlich auch in größerem Ausmaß vorstellbar. Vor allem wenn man bedenke, dass durch immer mehr E-Autos in Zukunft für unzählige derartiger Akkus nach einem sinnvollen Zweitleben gesucht werden wird.

Intelligentes Laden

Mit dem so genannte Smart Charging will Renault sicherstellen, dass die Akkus so lange wie möglich durchhalten. Dafür arbeitet der Hersteller gemeinsam mit Energieversorgern und Stromnetzbetreibern an praktikablen Lösungen. „Ein Beispiel: Der Kunde kommt nach Hause und hängt sein E-Auto an die Ladestation an. Mittels Smartphone-App gibt er an, wann er das Auto wieder benötigt. Unter Einbeziehung von Strompreisen, Auslastung des Stromnetzes und Stehzeit des Fahrzeugs wird berechnet, wann der effizienteste Zeitpunkt zum Laden ist und mit welcher Stromstärke geladen wird“, erklärt die Renault-Managerin.  

Die Fabrik in Flins an der Seine befindet sich gut 40 Kilometer außerhalb von Paris. Seit 1952 werden dort Autos gebaut. Das Werk erstreckt sich über eine Fläche von 237 Hektar, das ist mehr als die Fläche des Fürstenstums Monaco.

Vincent Carre, bei Renault für den Verkauf von E-Fahrzeugen und neue Mobilitätsformen zuständig, meint: „Die Umstellung von Verbrennern auf elektrisch betriebene Fahrzeuge ist ein tiefgreifender Umbruch, der nicht nur die Autoindustrie betrifft, sondern auch unsere Kultur und Lebensstil vereinnahmt. Man müsse Mobilität völlig neu denken, dann kommt am Ende auch etwas Positives dabei heraus.“

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