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02/14/2020

Soll ich einen Router mit WiFi 6 kaufen?

Immer mehr Router-Hersteller werben mit Geräten, die mit dem neuen WLAN-Standard Wi-Fi 6 kompatibel sind. Lohnt sich der Kauf?

von Thomas Prenner

Wer sich mit Router und Netzwerktechnik beschäftigt, stößt recht schnell auf das Schlagwort Wi-Fi 6. Auch Endgeräte, die die Technik unterstützen, sind immer stärker am Markt vertreten. Darunter etwa Smartphones wie das aktuelle Apple iPhone 11, Samsung Galaxy S10 und andere Handys. 

Verwendet man einen älteren Router, drängt sich also die Frage auf, ob man jetzt auf ein neues Modell mit Wi-Fi 6 umsteigen soll. Um das zu beantworten, muss man zuerst verstehen, was an Wi-Fi 6 neu ist. 

Was bedeutet Wi-Fi 6 überhaupt?

Mit dem neuen Standard wurde auch ein neues Namensschema für die verschiedenen WLAN-Standards eingeführt. Verantwortlich dafür ist der Industriezusammenschluss Wi-Fi Alliance. Dort wurde bestimmt, dass man von den gewohnten Bezeichnungen 802.11 mit anschließendem Buchstaben weggeht. Die Wi-Fi-Standards werden nun wie folgt bezeichnet:

  • 802.11b wird zu Wi-Fi 1
  • 802.11a wird zu Wi-Fi 2
  • 802.11g wird zu Wi-Fi 3
  • 802.11n wird zu Wi-Fi 4
  • 802.11ac wird zu Wi-Fi 5
  • 802.11ax ist das aktuelle Wi-Fi 6

Ist Wi-Fi 6 schneller?

Ja, einer der Hauptvorteile ist die potenziell höhere Geschwindigkeit. Während der Vorgänger 802.11ac bzw. Wi-Fi 5 Daten mit maximal 7 Gbps überträgt, sind bei Wi-Fi 6 theoretisch bis zu 10 Gbps möglich. 

Derartige Zahlen sind aber grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, da sie in der Regel unter Laborbedingungen mit lediglich zwei verbundenen Geräten und ohne jegliche störende andere Signale gemessen werden. Aber auch unter Realbedingungen dürfte Wi-Fi 6 ein deutlich höheres Geschwindigkeitspotential haben als seine Vorgänger. 

Für den WLAN-Router zu Hause ist diese Steigerung der Geschwindigkeit aber nur in Extremfällen wirklich merkbar. Wer nicht regelmäßig große Datenmengen (im Gigabyte-Bereich) über das Netzwerk transferiert, braucht derartige Bandbreiten heute kaum.

Wenn man per WLAN nichts anderes macht, als online zu gehen, braucht man die höhere Datenrate vermutlich nicht - es sei denn, man nutzt ein Angebot eines österreichischen Internet-Providers mit bis zu einem Gbps Geschwindigkeit und will dies voll ausnutzen. Dann benötigt man einen WiFi-6-Router und ein entsprechendes Endgerät, falls Surf-Geschwindigkeiten jenseits der 700-Mbps-Marke erreicht werden sollen.

Der Videostreaming-Dienst Netflix empfiehlt für Streaming in Ultra-HD-Qualität eine Bandbreite von 25 Mbps, das entspricht 0,025 Gbps. 

Und welche Vorteile gibt es sonst?

Eine weitere wichtige Neuerung bei Wi-Fi 6 ist, dass der Standard besser mit mehr Geräten im Netzwerk umgehen kann. Möglich wird das unter anderem durch ein erweitertes Kanalmanagement. Wenn mehrere Geräte am selben Ort auf dem gleichen WLAN-Kanal funken, kann das zu Problemen führen. Das Rezept von Wi-Fi 6 dagegen heißt "Orthogonal Frequency Division Multiple Access" bzw. OFDMA. Das ermöglicht, jeden Kanal in zusätzliche Subkanäle aufzuteilen, um so gleichzeitig mit mehreren verbundenen Geräten kommunizieren zu können.

Eine weitere Neuerung für Netzwerke mit vielen Clients ist eine verbesserte Variante von MU-MIMO, dabei geht es um die Kommunikation mittels mehrerer Antennen.

Ist Wi-Fi 6 stromsparender?

Grundsätzlich bietet der neue Standard auch neue Möglichkeiten Energie zu sparen. Router können sich mit Geräten besser abstimmen, wann Informationen fließen sollen. Dadurch muss eine stromintensive Verbindung nicht durchgehend gehalten werden.

Im Alltagsgebrauch mit Smartphones, Tablets oder Notebooks dürfte das aber wenig Unterschied machen, da derartige Geräte in der Regel permanent Daten empfangen oder versenden müssen. Gerade im Bereich Internet der Dinge könnte der Stromsparmodus von Wi-Fi 6 aber durchaus interessante Anwendungsfälle bringen.

Und die Sicherheit?

Unabhängig von Wi-Fi 6 hat die Wi-Fi Alliance 2018 den Sicherheitsstandard WPA3 finalisiert. Jener bringt einige Neuerungen, wie etwa sichere Netzwerke trotz kurzer Passphrasen sowie einfachere Verbindungen von Geräten ohne Display. 

Jedes Wi-Fi-6-zertifizierte Gerät muss laut Vorgaben des Standards auch WPA3 unterstützen, allerdings können auch ältere Router damit ausgestattet werden. Für die Verschlüsselung ist keine neue Hardware notwendig, theoretisch könnte sie auch per Software-Update nachgeliefert werden. Für bessere Sicherheit ist also nicht zwingend Wi-Fi 6 notwendig.

Soll ich mir jetzt einen Wi-Fi 6 Router kaufen?

Die kurze Antwort: Wahrscheinlich nicht. Wer sein WLAN-Netzwerk zu Hause vorwiegend zum Surfen nutzt und nicht gerade 30 Wi-Fi-6-fähige Smartphones, Tablets oder Laptops gleichzeitig damit verbunden hat, kann noch bei seinem alten Router bleiben, sofern jener funktioniert. 

Wer sich ohnehin demnächst einen neuen Router anschaffen muss, kann sich hingegen im Sinne der Zukunftssicherheit durchaus überlegen, in Wi-Fi 6 zu investieren. 

Hier gilt es allerdings aufzupassen und nur solche zu kaufen, die tatsächlich für den Standard zertifiziert sind. Nur dann ist flächendeckende Kompatibilität zwischen allen entsprechend gekennzeichneten Geräten garantiert. Das entsprechende Programm der Wi-Fi-Alliance ist im September gestartet, im Laufe des Jahres werden immer mehr entsprechende Geräte auf den Markt kommen.