© Gregor Gruber

Roboter
04/21/2011

Test: Staubsaug-Roboter auf Schmutzsuche

Nie mehr selbst staubsaugen: Mit solchen Sprüchen versuchen Elektronik-Hersteller Käufer für ihre robotisierten Staubsauger zu finden. Die futurezone hat fünf aktuelle Modelle getestet und verrät, wieso man seinen Staubsauger-Schlauch nicht voreilig an den Nagel hängen sollte.

Es ist ein Ballett auf dem dreckigen Parkett: Fünf Staubsaug-Roboter rotieren und wirbeln durch die Räumlichkeiten der futurezone. Zugegeben, es ist nicht nur eine ungewöhnliche Tanzaufführung, sondern auch eine nicht besonders elegante. Zwei Staubsaug-Roboter scheinen sich nicht wirklich zu mögen und stoßen einander durch das Büro, ein besonders rabiates Modell fährt mit Vorliebe und voller Geschwindigkeit den an den Computern sitzenden Kollegen gegen die Füße. Ein anderer hat sich am losen Ende eines Ladekabels im Büro des Chefs erhängt und Nummer fünf wurde erst nach gut zehn Minuten Suche aufgespürt, da er fast vollständig unter einer Wandabdeckung verschwand und dort den Betrieb einstellte.

Kandidaten
Die Roboter wurden natürlich auch einzeln getestet – für gewöhnlich hat man keine fünf Stück gleichzeitig im Einsatz. Das Unternehmen iRobot hat die Robosauger salonfähig gemacht, über sechs Millionen Exemplare der „Roomba“-Serie wurden weltweit verkauft. Im Test ist iRobot mit dem Roomba 581 (530 Euro) vertreten. Ihm gegenüber steht das Imitat Klarstein Cleantouch, das mit 200 Euro der günstigste Roboter im Test ist. Das teuerste Modell ist der RC3000 (1500 Euro) des Reinigungsgeräte-Herstellers Kärcher. Mit Samsungs Navibot Silencio (600 Euro) und Philips’ Homerun (700 Euro) sind noch zwei große Elektronik-Unternehmen vertreten.

Testkriterien
Alle Roboter mussten mehrere Tests bestreiten. Die Reinigungsfähigkeiten wurden anhand von verschiedenen Schmutzsorten auf unterschiedlichen Belägen getestet. Dazu wurden Reis, getrocknete Teeblätter, feiner Hausstaub und große Staubflusen, Katzenhaare, Mehl und Chips (Brösel und ganze Chips) auf Laminat, Ausleger und Teppichboden verteilt. Ebenfalls getestet wurde die Reinigungsleistung in Ecken und an Wandkanten. Ein weiteres Kriterium ist die Navigation: Wie gut finden sich die Roboter zurecht, wie kommen sie mit Hindernissen wie Teppichen und Kabeln klar, fahren sie sich selbst in Sackgassen und finden sie auch in verwinkelten Räumlichkeiten zur Docking Station zurück. Kategorie drei ist der Komfort. Hierzu gehört die einfache Handhabung, Programmierung der Saugintervalle, Lautstärke, zusätzliche Modi und die Größe und Entleerung des Staubbehälters.

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iRobot Roomba 581
Der Roomba (539 Euro) konnte mit einer souveränen Reinigungsleistung punkten. So entfernte er sämtlichen Schmutz bis auf die Katzenhaare zuverlässig vom Teppichboden. Sogar Mehl bereitete dem Roboter wenig Probleme. Auch auf glattem Boden überzeugte die Leistung des Gerätes. Die ausgelegten Reiskörner schoss er zwar teilweise mit seinen Bürsten durch den Raum, schlussendlich erwischte der Roboter jedoch sämtlichen Schmutz problemlos.

Bei der Arbeitsgeschwindigkeit reihte sich das Gerät der Firma iRobot dank seiner Größe und der Geschwindigkeit im vorderen Bereich des Testfeldes ein. Ein kleiner Nachteil der hohen Geschwindigkeit: Der Roomba rammt recht lautstark Hindernisse. Die Betriebslautstärke von Sauger und Motor war, verglichen mit den anderen Geräten, durchschnittlich.

Die Navigationsfähigkeit des Roomba entsprach der der anderen Geräte. Als einziger Staubsauger im Testfeld wird der Roomba mit Infrarot-Wegweisern ausgeliefert. Jene können dem Roboter auch den Weg in abgelegene Räume weisen oder etwa als unsichtbare Wand dienen, falls sich das Gerät durchgehend in einem bestimmten Bereich aufhalten soll.

Das Entleeren des Staubbehälters ging beim Roomba um einiges problemloser als bei seinen Kollegen vonstatten. So kann der Behälter entfernt werden, ohne, dass viel Dreck wieder auf dem Boden landet. Auch beim Anheben des Gerätes verliert der Roomba vergleichsweise wenig Dreck.

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Kärcher RC300
Der RC3000 (1500 Euro) ist das teuerste Gerät im Testfeld. Der Preis spiegelt sich in der Reinigungsleistung wider. Hier musste sich die Konkurrenz dem Modell von Kärcher geschlagen geben. Außer die schwierigen Katzenhaare auf Teppichboden wurde sowohl vom Teppich als auch vom glatten Boden alles rückstandslos entfernt. Darüber hinaus erkennt der RC3000 Schmutznester und fährt so lange darüber, bis sie gänzlich entfernt sind. Dadurch bewegt sich der Roboter ökonomischer und zielsicherer als seine Kollegen.

Der Kärcher ist eine Spur kleiner als die anderen Roboter und braucht aus diesem Grund mehr Runden, bis alle Stellen ein Mal abgefahren sind. Dieser Umstand wird jedoch durch die automatische Schmutzerkennung ausgeglichen. Als einziger Roboter bewältigte der RC3000 problemlos den Übergang von Laminat auf den dünnsten Teppichausleger im Test.

Als einziges Gerät im Testfeld wird der Staubbehälter des RC3000 an der Docking Station automatisch in einen konventionellen Staubsaugerbeutel umgefüllt. Sobald jener voll ist, kann er völlig sauber entfernt und ersetzt werden. Beim Anheben des Gerätes verliert der RC3000 kaum Schmutz. Auf eine Fernbedienung muss verzichtet werden. Die Kommandos werden dem Roboter mittels Knöpfen auf der Docking Station übermittelt. Dort kann auch ein Flüstermodus aktiviert werden, der die Lautstärke des RC3000 merklich senkt.

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Samsung Navibot Silencio
Samsungs Navibot (600 Euro) wies im Test eine mittelmäßige Reinigungsleistung auf. Während Chips und gewöhnlicher Hausstaub wenig Probleme machten, kam der Navibot mit Mehl überhaupt nicht zurecht. Reis konnte Samsungs Roboter zwar im ersten Moment einsaugen, jener fiel jedoch beim Anheben des Gerätes sehr schnell wieder heraus. Auf glattem Boden brauchte es für den Schmutz oft  mehrere Versuche, bis tatsächlich alles weggesaugt war.

Bei der Navigiationsleistung präsentierte sich der Navibot souveräner als seine Kollegen. So blieb Samsungs Gerät am seltensten zwischen Möbeln stecken und kam mit seinen Borsten auch am ehesten in Ecken. Die Arbeitsgeschwindigkeit war im Vergleich mit den anderen Geräten durchschnittlich. Dafür ist der Navibot aber auch leiser als etwa der Roombo und Cleantouch.

Minuspunkte gibt es, weil beim Ausleeren des Staubbehälters ein großer Teil des eingesaugten Schmutzes wieder auf den Boden fiel.

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Klarstein Cleantouch
Der günstigste Roboter im Test (200 Euro, www.elektronik-star.de) konnte nicht durch saubere Arbeit überzeugen. Der Cleantouch ist ein Nachbau des Roomba von iRobot, weist jedoch eine weit schwächere Saugleistung auf. Schmutz wurde auf dem Teppichboden zum großen Teil zurück gelassen, Reis mittels seiner Bürsten im ganzen Raum verteilt. Auf glattem Boden war die Leistung zufriedenstellender.

Beim Navigieren ging der Cleantouch trotz eingebauter Sensoren sehr rabiat zur Sache und fraß sich im Test ungebremst in den Teppichausleger. Immer wieder brachte sich der Roboter auch in unauswegbare Situationen zwischen verschiedene Möbelstücke. In den Ecken stellte sich der Staubsauger jedoch wieder geschickter an.

Das Ausleeren war nicht sauber möglich, beim Entnehmen des Staubbehälters landete ein großer Teil des eingesaugten Drecks wieder am Boden.

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Philips Homerun
Das Gerät von Philips (700 Euro) ging im Test sehr zurückhaltend ans Werk. Die Sensoren des Roboters sind so empfindlich, dass sogar vor einem übergroßen Kartoffelchip Halt gemacht wurde. Auch vor der Teppichkante machte der Homerun einen Rückzieher. Als er im Test händisch auf den ausgelegten Teppich gesetzt wurde, konnte er mit den Falten nicht umgehen und gab stattdessen Fehlermeldungen aus. Die empfindlichen Sensoren hielten ihn im Test jedoch nicht davon ab, Teile einer Zimmerpflanze einzusaugen und abzureißen.

Auch die Saugleistung konnte im Test, trotz Turbo-Modus und lauter Betriebsgeräusche, nicht überzeugen. Schmutz wurde zumeist nur durch den Raum geschoben. Um effektiv zu arbeiten, fährt der Homerun Zickzack-Muster. Das ist zwar gründlicher, allerdings auch zeitaufwändig.

Auch das Leeren des Behälters war nicht zufriedenstellend. Beim Entfernen des vollen Staubbehälters landete ein großer Teil des Schmutzes wieder auf dem Boden.

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Fazit
Ein Staubsaug-Roboter kann das Leben erleichtern, allerdings nur, wenn die Räume Robo-sicher sind. Am besten wäre ein Designer-Loft mit Parkett- oder Fliesenboden, das nur mit einer Couch möbliert ist, wo der Flat-TV an der Wand hängt und die Wände rund sind. Aber auch normale Behausungen können einigermaßen Staubsaug-Roboter-tauglich sein. Lose Kabel, herunterhängende Pflanzen und leichte Teppiche/Ausleger sollten tunlichst entfernt werden, um dem Robo freie Fahrt zu ermöglichen. Zudem sollte die Wohnung frei von Türschwellen sein und keine Schrägen enthalten. Tischfüße oder etwa flache Sockel von Stehlampen stellten sich als regelrechte Roboter-Fallen heraus. Auch Heizkörper oder Möbel, die in der Tiefe flacher werden, sorgen für feststeckende Robos. Treppen sind dafür kein Problem. Natürlich können die Roboter diese nicht hinauffahren, jedoch hat jeder der Testteilnehmer vor dem Abgrund halt gemacht und gewendet.

Auch sollte man bedenken, dass die Roboter Zuwendung benötigen. Zwar kommen sie ohne Streicheleinheiten klar, allerdings müssen regelmäßig Bürsten und Filter gereinigt werden. Auch die Staubbehälter sollten mindestens einmal die Woche geleert werden.

Die beste Saugleistung hatte der Kärcher RC3000, abschreckend ist jedoch der hohe Preis und die große Docking Station. Nicht ganz so gut, aber immer noch besser als die restlichen Robos, machte der Roomba 581 sauber – in den Ecken sogar besser als der RC3000. Samsungs Navibot Silencio landet auf Platz Drei. Die Vorzüge sind der geräuscharme Saugvorgang und dass er, im Vergleich zu den anderen Robos, relativ selten stecken blieb. Weniger beeindrucken konnte die Putzleistung. Weniger empfehlenswert sind der Klarstein Cleantouch, der mit 200 Euro aber zumindest das günstigste Gerät ist. Auch der Philips Homerun konnte aufgrund seiner überempfindlichen Sensoren und der Macken auf Teppichen nicht überzeugen.

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