Whoop im Test: 400 Euro für einen Fitness-Tracker ohne Display
Wer sich mit Sport oder Fitness beschäftigt, dem dürfte Whoop wohl schon zumindest als Werbung auf Instagram eingeblendet worden sein.
Dass Fitness-Tracker mit kostenpflichtigem Abo angeboten werden, ist an sich nichts Besonderes. Fitbit, Apple oder Garmin bieten zu ihren Geräten jeweils Zusatz-Features gegen monatliche oder jährliche Zahlung an. Whoop hingegen setzt voll und ganz auf das Abo-Modell. Das heißt, man muss in jedem Fall eines abschließen.
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Wie hoch diese Gebühr ausfällt, richtet sich nach dem gewünschten Funktionsumfang. Je mehr oder detailliertere Daten man möchte, desto mehr muss man auch zahlen. Das teuerste Abo für rund 400 Euro im Jahr kommt mit medizinischen Daten wie EKG und Blutdruck. Das Gerät selbst gibt es im Abo quasi “gratis” dazu. Ohne aktives Abo ist der Whoop-Tracker hingegen nur ein funktionsloser Plastikwürfel.
Ich habe das Whoop MG 2 Monate lang Tag und Nacht getragen.
Whoop-Abos
WHOOP One
- Preis: ca. 199 € pro Jahr
- Hardware: WHOOP 5.0 (Standard-Ladegerät & CoreKnit-Band).
- Fokus: Essential Fitness & Recovery.
- Features: Schlafanalyse, Belastung (Strain), Erholung, Stress-Monitor, Frauen-Gesundheit und KI-Coach.
WHOOP Peak
- Preis: ca. 264 € pro Jahr (entspricht ca. 22 €/Monat)
- Hardware: WHOOP 5.0 (inkl. kabellosem PowerPack & SuperKnit-Band).
- Fokus: Langlebigkeit & Performance.
- Features: Alles aus „One“ + Healthspan-Insights (biologisches Alter, Alterungstempo) und detaillierte Trends.
WHOOP Life
- Preis: ca. 399 € pro Jahr (entspricht ca. 34 €/Monat)
- Hardware: WHOOP MG (Medizinischer Sensor, Titan-Finish, 14+ Tage Akku).
- Fokus: Medizinische Überwachung.
- Features: Alles aus „Peak“ + EKG auf Abruf (Vorhofflimmern-Screening) und tägliche Blutdruck-Einblicke.
Äußeres und wie trägt man Whoop?
Der technische “Kern” des Whoop ist ein briefmarkengroßes schwarzes Gerät mit Plastikgehäuse, das alle Sensoren enthält. Ein Display ist nicht vorhanden, man muss sämtliche Daten bis hin zum Akkustand über die dazugehörige App einsehen.
Das Gerät muss man dann am Körper befestigen, um Daten aufzuzeichnen. Standardmäßig wird Whoop mit einem Armband ausgeliefert, um es am Handgelenk zu tragen, genauso wie eine klassische Smartwatch. Alternativ und ebenfalls bei Sportlern beliebt ist das Bizeps-Band.
Am Oberarm ist die Pulsmessung bei hoher Belastung oft genauer als am Handgelenk, vor allem bei viel Bewegung. Viele „Hardcore-User“ tragen Whoop daher ausschließlich am Oberarm. Mittlerweile kann man den Tracker aber nicht mehr nur am Handgelenk oder Bizeps, sondern auch in spezieller Kleidung (Unterwäsche, Kompressionsshirts) tragen.
Im Test habe ich Whoop zuerst ausschließlich am Arm getragen und bin dann auf das Bizeps-Band gewechselt. Die Pulsmessung am Handgelenk war zwar nicht katastrophal schlecht, es gab aber gelegentlich Ausreißer und Ungenauigkeiten beim Vergleich mit einem Pulsgurt und/oder einer Smartwatch.
Seit dem Wechsel auf den Bizeps waren die Werte immer konsistent. Beim Radfahren lag die Abweichung zwischen Brustgurt und Whoop am Bizeps im Schnitt bei maximal 2 bis 3 Schlägen bei Durchschnittspulsbereichen zwischen 130 und 150.
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Die App und das Tracken von Aktivitäten
Alle gesammelten medizinischen Informationen laufen in der Whoop-App zusammen. Im Vergleich zu anderen Apps ist diese eher “flashy” mit vielen großen Anzeigen und Grafiken.
Die prominentesten Werte, die Whoop an oberster Stelle listet, sind Schlaf, Erholung und Belastung. Die ersten beiden Werte werden auf einer Skala von 0 bis 100 eingestuft. Der Belastungswert funktioniert etwas anders: Er kombiniert Schritte und Aktivitäten, denen er jeweils einen eigenen Wert zuteilt.
Das Whoop-Band selbst verfügt über kein GPS. Das heißt, wenn man zum Beispiel beim Laufen oder Radfahren seine Strecke aufzeichnen möchte, muss man sein Smartphone dabeihaben und das Tracking in der App manuell starten.
Alternativ kann man Whoop seine Aktivitäten auch automatisch erkennen und aufzeichnen lassen. Gerade zu Beginn der Nutzung muss man hier allerdings manuell ein bisschen mithelfen. Die App lernt dann aber selbstständig und wird immer besser.
Wenn die App etwa jeden Morgen anhand eines gestiegenen Pulses eine Aktivität registriert und man ein paar Mal angibt, dass es sich um die morgendliche Fahrrad-Pendelstrecke ins Büro handelt, begreift sie das recht schnell von selbst. Oder dass der 90-minütige Pulsanstieg gegen 18:30 Uhr die abendliche Spinning-Einheit ist. Bei den automatisch aufgezeichneten Aktivitäten hat man allerdings nie GPS-Daten dabei, das sollte man bedenken.
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Welche Daten zeichnet Whoop auf?
Bei den Gesundheitsdaten bekommt man bei Whoop im Grunde genau das, was man auch bei den meisten anderen Fitnesstrackern bekommt. Aufgezeichnet werden Puls, Herzfrequenzvariabilität (HRV), Atemfrequenz, Blut-Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur. Auch Schritte werden gezählt, zudem werden im Schlaf Bewegungen registriert, um die Schlafphasen zu bestimmen.
Aus diesen Daten werden dann allerlei andere Werte berechnet, wie etwa Stress. Dieser wirkt sich dann wiederum auf die oben erwähnten Dinge Schlaf, Erholung und Belastung aus. In den teureren Abos bekommt auch sein "Whoop Age" berechnet, auch das kenne ich bereits zum Beispiel von Garmin.
KI-Trainer
Whoop hat zudem Künstliche Intelligenz in Form eines Chatbots integriert, um sich Informationen zu den Daten liefern zu lassen. Der KI-Trainer hat Zugriff auf die per Whoop aufgezeichneten Werte und kann so entsprechend passgenaue Infos dazu geben. Technische Basis dieses Assistenten ist OpenAIs GPT. Zum Zeitpunkt des Tests Mitte Februar war es GPT-5.1.
In der Praxis sieht das so aus, dass man die jeweilige Seite in der App aufmacht (z. B. Belastung) und dann auf den Chatbot-Button klickt. Im ersten Schritt spuckt die App dann einen Überblick über die letzten Aktivitäten aus und schlägt vor, was man am heutigen Tag tun könnte. Anschließend kann man nachfragen. Etwa: “Ich plane morgen eine 100km Radfahrt, welche Aktivitäten würdest du mir heute mit Blick darauf vorschlagen?” Oder: “Habe ich in den vergangenen 7 Tagen produktiv trainiert, welches Feedback gibst du mir?”
Der Fantasie, was man alles fragen kann, sind dank des LLMs keine Grenzen gesetzt. Ich habe mir etwa gezielt Workout-Files für Zwift generieren lassen, die ich anschließend in die App importiert habe. Wenn einem das zu langweilig ist, kann man die App auch bitten, einem ein Workout auf Basis von Bierkrugschleppen vorzuschlagen. Es wird eine Antwort kommen.
© Screenshot
Die Chatbot-Integration ist durchaus originell und auch an vielen Stellen praktisch und sinnvoll. Man kann das Tool tatsächlich wie einen persönlichen Trainer oder sogar Ernährungsberater betrachten und nutzen – natürlich immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass KI immer auch Fehler machen kann.
Die Integration ist insgesamt jedenfalls eine sehr gute Idee. Vereinzelt könnte sie manchmal aber noch runder laufen. Nachdem ich etwa schon 3 Stunden Rad gefahren bin, fragt mich der Bot manchmal immer noch, ob ich heute Sport machen oder einen Ruhetag einlegen möchte. Auch vergisst er manchmal Dinge, die ich ihm an anderer Stelle schon gesagt habe. Allerdings ist das Feature auch noch als “Beta” gekennzeichnet.
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EKG und Blutdruck im Whoop MG
In der teuersten Variante kann Whoop auch ein EKG durchführen, Vorhofflimmern erkennen und den Blutdruck messen. Letzteres wird nicht auf “klassische” Art und Weise durch eine Manschette ermöglicht, die sich zusammenzieht.
Stattdessen kommt ein optischer Sensor zum Einsatz, der über die Pulswellenanalyse (PWA) Veränderungen im Blutfluss erkennt und daraus den Blutdruck schätzt. Damit das funktioniert, muss man allerdings ein “richtiges” Blutdruckmessgerät haben, mit dem man den Whoop sozusagen kalibriert.
Das EKG hat für mich problemlos funktioniert. Beim Blutdruck, das noch ein Beta-Feature ist, war eindeutig noch Luft nach oben. So schätzte Whoop den Blutdruck im Grunde immer (mit leichten Abweichungen) so ein, wie es bei der letzten Kalibrierung eingetragen wurde.
Größere Änderungen über längere Zeiträume, die ich mit einer richtigen Blutdruckmessung nachweisen konnte, registrierte Whoop von alleine nicht, bis ich eben manuell neue Werte eingetragen habe. So war die Blutdruckmessung für mich im Alltag eigentlich keine Hilfe.
Akku und Aufladen
Der Akku des getesteten Whoop MG hält laut Herstellerangaben rund 2 Wochen durch. Diesen Wert kann ich auch im Test ziemlich exakt bestätigen.
Um das Band zu laden, befestigt man ein Induktions-Ladegerät daran, das man dann per USB-C an die Stromquelle anschließt. Bei den teureren “Peak” oder “Life”-Abos ist ein (auch optional erhältliches) Akkupack dabei. Diesen Akku kann man einfach während des Tragens auf das Whoop-Band stecken und es lädt, während es weiterhin Daten aufzeichnet.
© Whoop
Fazit
Das Whoop-Band ist ein solides Fitness- und Gesundheitstracking-Gerät. Die in einem Zeitraum von 2 Monaten aufgezeichneten Daten waren bei meinem Test stimmig und haben sich auch mit der permanent parallel getragenen Garmin-Uhr gedeckt.
Die Frage, die sich mir aber stellt, ist: Liefert mir Whoop irgendetwas fundamental besser als andere Smartwatches von Garmin, Apple, Samsung oder Huawei? Und die Antwort darauf ist eher Nein.
Die aufgezeichneten Daten sind nicht besser oder umfassender als bei der Konkurrenz. All das, was ich aus meinen Whoop-Daten lesen kann, kann ich auch aus den Werten, die ich von meiner Garmin-Smartwatch geliefert bekomme, ablesen.
Immerhin sind die Daten von Whoop konsistent gut und gefühlt mit weniger Ausreißern als bei klassischen Smartwatches. Zumindest dann, wenn man das Bizeps-Band verwendet. Davon ausgenommen ist der Blutdruck, was sich beim Test aber ohnehin nur als eingeschränkt hilfreich erwiesen hat. Das fehlende GPS ist sogar etwas, das Whoop im Vergleich zu klassischen Sportuhren fehlt.
Dort, wo sich Whoop aber trotzdem deutlich von der Konkurrenz abhebt, ist bei der KI-Integration. Dass man einen vollwertigen Chatbot in der App hat, der Zugriff auf die eigenen Werte hat und daraus Empfehlungen oder dergleichen ableiten kann, ist ein wirklich sinnvoller Usecase von LLMs. Der Whoop-Bot könnte zwar teilweise etwas runder laufen, es ist allerdings noch ein Beta-Feature.
Ob dieser KI-Trainer wirklich 200 bis 400 Euro pro Jahr wert ist, wo man um einen vergleichbaren Betrag schon die ein oder andere Smartwatch bekommt, ist zumindest fraglich. Wer es gerne so minimalistisch und ohne Display hat, bekommt mit dem Amazfit Helio um 100 Euro ein Gerät, bei dem kein Abo notwendig ist. Auf Blutdruck oder EKG muss man dabei allerdings verzichten. Außerdem kann man dann nicht von sich sagen, dass man den gleichen Fitnesstracker wie Cristiano Ronaldo verwendet.
Welches Whoop-Abo soll ich nehmen?
Da das Blutdruck-Feature derzeit nur eingeschränkt sinnvoll funktioniert, lohnt sich das teuerste Life-Abo derzeit nur dann, wenn man aus medizinischen Gründen auf EKG und Vorhofflimmern-Screening angewiesen ist. Wenn nicht, ist die solide Wahl das Mittelklasse-Abo "Peak". Dort hat man alle Daten und man kommt mit 264 Euro im Jahr noch vergleichsweise "günstig" weg.
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