Science
05.08.2013

17.000 Pflanzen kühlen Wiener Fassade

Kühlung geht auch anders als mit Klimaanlage, wie ein Projekt in Wien zeigt. An einem Haus im fünften Wiener Gemeindebezirk wachsen 17.000 Pflanzen an der Fassade. Diese sorgen dafür, dass die Hausmauer um bis zu 15 Grad kühler ist als eine Mauer ohne Begrünung. Dafür, dass die Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt sind, sorgt ein Wiener Start-up.

17.000 Pflanzen sorgen an einer 850 Quadratmeter großen Fassade am Wiener Margaretengürtel, dem Bürogebäude der Wiener Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft und Straßenreinigung (MA48), für eine natürliche Kühlung. Das Mikroklima entspricht dabei einer Kühlleistung von 45 Klimakühlgeräten mit einer Leistung von 3000 Watt und acht Stunden Betriebsdauer.

Die Kühleffekte sind allerdings nur dank eines intelligenten Bewässerungssystems möglich, das von einem Wiener Start-up namens Adaptivia entwickelt wurde. Es besteht aus einer dedizierten Hard- und Software, sowie Mess- und Steuerungseinheiten, deren Datenaustausch drahtlos über das Internet erfolgt. Die Daten werden dabei in einem Hochleistungsrechenzentrum verarbeitet, bevor sie wieder zurückgesendet werden an den "Einsatzort".

So funktioniert das WiseWater-System
Das System, das an der Wiener Fassade zum Einsatz kommt, heißt "WiseWater". Dieses steuert zwölf Gießkreise mit einer Länge von 3,5 Kilometern und verarbeitete in den ersten 18 Monaten der Begrünung allein fünf Millionen Datensätze aus dem Pflanzsubstrat. Das Substrat wird in 2850 Laufmeter Pflanztrögen gehalten, die an der Fassade befestigt wurden. "Aus Gründen der Statik und Optik sind diese Tröge sehr flach. Sie nehmen wenig Wasser auf, trocknen schnell aus bzw. laufen rasch über. Das macht ein ständiges Messen der Bodenfeuchte sowie die Berücksichtigung von Wetterdaten erforderlich, um die aktuell benötigte Wassermenge zu berechnen", erklärt einer der Gründer.

Doch nicht nur die objektive Ökobilanz stimmt für das naturnahe System, auch das subjektive Wohlbefinden der Hausnutzer profitiert. Dazu eine IT-Expertin der MA48: "Mir gefällt die Vielfalt. So viele unterschiedliche Pflanzen und Tiere, Nelken, Kräuter, aber auch Schmetterlinge, Bienen und Vögel. So wie auf der Almwiese." Das Wiener Start-up, das auch vom INiTS, dem Universitäres Gründerservice, gefördert wurde, will die Technologie jetzt weiterentwickeln.

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