Science
03.11.2014

"Durch diese Phase müssen alle"

Cygnus explodiert, Spaceship Two abgestürzt: Andy Aldrin, Raketenexperte und Sohn des US-Austronauten Buzz Aldrin, über die Krise der privaten Raumfahrt.

Anlässlich des Pioneers Festival gastierte vergangene Woche Andy Aldrin in Wien. Der Raketenexperte und Raumfahrt-Unternehmer ist mit der Raumfahrt groß geworden. Sein Vater Buzz Aldrin betrat am 21. Juli 1969 als zweiter Mensch nach Neil Armstrong den Mond. Die futurezone interviewte Aldrin nur wenige Stunden nach der Zerstörung des Raumfrachters Cygnus.

Herr Aldrin, Sie haben jahrelang für die Raketenhersteller Boeing und United Launch Alliance gearbeitet und haben einigen Einblick in die Raketentechnik. Was sagen Sie zum Absturz des Raumfrachters Cygnus?
Andy Aldrin:
Ich habe tieferen Einblick in die Raketentechnik, ich habe das Absturzvideo auch einige Male gesehen, aber ich weiß nicht, was bei diesem spezifischen Start passiert ist. Raumfahrt ist hart. Raketenstarts sind hart. Wenn es einen Fehlschlag gibt, dann untersucht man alle möglichen Fehlermöglichkeiten. Das ist ein intensiver Prozess, bei dem man eine Fehlerquelle nach der anderen ausschließt, bis eine kleine Sammlung an möglichen Begründungen übrig bleibt, und am Ende die Wurzel des Unglücks. Ich bin sicher, Orbital Sciences wird das sehr gründlich machen - und sie werden keinerlei Informationen darüber preisgeben, bis sie sich ganz sicher sind. Dann aber werden sie damit an die Öffentlichkeit gehen, weil man Kunden in der Start-Industrie vermitteln muss, dass man die Gründe für den Fehler genau versteht.

Haben Sie während Ihrer Zeit bei ULA und Boeing jemals selbst so eine Untersuchung durchführen müssen?
Ich habe glücklicherweise niemals selbst einen Start-Misserfolg erlebt. Wir erlebten jahrelang keinen Fehlschlag. Das ist absolut bemerkenswert. Wenn man in die Geschichte der US-Start-Industrie zurückblickt - und in Europa wird es ähnlich sein: Wenn neue Vehikel entworfen werden, absolvieren sie ihre ersten paar Starts, dann kommt es zu einem Fehler, dann behebt man die, hat ein paar weitere Starts, weitere Fehler. Das ist eine Erfolgskurve, in deren Verlauf man immer mehr Starts durchführt. Bei United Launch Alliance hatten wir hunderte Starts ohne Fehler. Der letzte Fehler geschah irgendwann in den späten 90er-Jahren. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, aber es ist hart. Das ist auch der Grund dafür, warum ein Start so viel kostet.

Denken Sie, dass jedes neue Raumfahrtunternehmen diese Phase durchmachen muss?
Ja, durch diese Phase müssen alle durch. Jedes Mal, wenn man etwas an einem Vehikel verändert, geht man ein Risiko ein. Daraus ergibt sich eine relativ langsame Einführung neuer Technologien im Raketenbau. Denn am Ende des Tages geht es nur um eines: Die erfolgreiche Lieferung einer Fracht ins All für einen Kunden.

Jetzt, wo Sie in der privaten Raumfahrtindustrie arbeiten, erleben Sie da dieselben Anfangsprobleme bei der Entwicklung neuer Vehikel?
Ja, natürlich erleben wir die, aber wir fliegen ja noch nicht mal. Aber wir haben auch eine sehr andersartige Entwicklungsphilosophie als ein traditionelles Luft- und Raumfahrtunternehmen. Dieses würde zuerst ein Raumschiff planen, dann bauen und dann fliegen. Wir bei Moon Express testen dagegen von Anfang an einzelne Komponenten und bauen das endgültige Raumschiff schichtweise auf.

Ihr Raumschiff MX-1 soll ein Allroundgerät sein, das Satelliten transportieren und bis zum Mond fliegen soll. Wann wird es erstmals ins All abheben?
2016. Wir haben bereits einige Kunden.