Science
03.10.2018

EU-Kommissarin in Wien: "Sind bei Flugtaxis und Drohnen weit vorne"

Mit den geplanten, europaweiten Regularien zur Drohnennutzung sei man selbst den USA voraus, meint EU-Kommissarin Violeta Bulc.

Die EU-Kommission will die europäischen Fluggastkapazitäten weiter ausbauen. Um Luftraumengpässe wie praktisch den ganzen Sommer hindurch zu vermeiden, müsse die Digitalisierung vorangetrieben und Systeme europaweit harmonisiert werden, sagte EU-Kommissarin Violeta Bulc anlässlich des "European Aviation Summits" im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes am Mittwoch in Wien.

Kommissarin kontert Kritikern

Die immer wieder von europäischen Unternehmen geäußerte Kritik, dass die EU das Zukunftsthema autonom fliegende Taxis verschlafen habe, wies sie entschieden zurück. "Europa ist ganz weit vorne, was die Tests und den gesetzlichen Rahmen von Drohnen und Flugtaxis betrifft. Selbst die USA hinkt uns hinterher, was definierte Standards und Regularien betrifft", erklärte Bulc auf Nachfrage der futurezone.

Eine Stadt wie Dubai, die immer wieder als Vorzeigebeispiel für Test-Flüge angeführt wird, könne man nicht mit dem EU-Luftraum vergleichen, da dieser viel größer und komplexer sei. "Unsere Standards, die jetzt ausgearbeitet werden und gerade auch für den städtischen europäischen Luftraum wichtig sind, berücksichtigen Umwelt- und Lärmfragen, aber auch die Sicherheit und Privatsphäre von Bürgern. Wir regulieren nicht die Technologie, sondern die Nutzung der Technologie", sagte Bulc.

"Grünes Fliegen ist eine Illusion"

Während der Pressekonferenz, an der auch Verkehrsminister Norbert Hofer teilnahm, sorgte eine Protestrede von Aktivisten der Organisation "System Change Not Climate Change" für kurze Aufregung. "Grünes Fliegen ist eine Illusion. Wer den Flugverkehr nicht einschränken, sondern ausbauen wolle, trage aktiv zum Klimawandel bei", kritisierte die Sprecherin der Organisation das zuvor von EU-Kommissarin Bulc abgegebene Bekenntnis zu einer "grüneren Luftfahrt". Dieses Ziel sei mit einem Ausbau der Kapazitäten nicht vereinbar.

Während Bulc die Wichtigkeit des Themas hervorstrich und eine Reihe von Maßnahmen wie umweltfreundlicheren Treibstoff, Elektroflugzeuge, klimaneutrale Flughäfen, aber auch enorme Investitionen in das europäische Bahnnetz anführte, ließ sich Minister Hofer nicht auf eine längere Diskussion ein. Das Anliegen der Aktivisten sei in Ordnung. "Ihr dürft dann aber auch kein einziges Mal mehr mit dem Flugzeug fliegen und Produkte kaufen, die mit dem Flugzeug geliefert werden", richtete der Minister den Aktivistinnen aus.

Diese fürchten, dass die EU auf Druck der Luftfahrtlobby auf weitreichende klimaschützende Maßnahmen verzichten wird und auch weiterhin von vielfältigen Subventionen und steuerlichen Privilegien profitieren werden. "Die derzeit stattfindenden Streiks bei Ryanair sind ein Beweis für die prekären Arbeitsbedingungen, die mit dazu beitragen, dass Flüge billiger als Züge sind. Das kann angesichts der Klimakrise so nicht weitergehen", sagt Magdalena Heuwieser von der Umwelt-NGO.

EU will soziale Frage lösen

Bei der Frage der sozialen Standards sieht allerdings auch EU-Kommissarin Bulc großen Handlungsbedarf. Man befinde sich in regem Austausch mit Gewerkschaften und werde mit entsprechenden Vorgaben reagieren, um die in Europa herrschenden hohen sozialen Mindeststandards auch in der europäischen Luftfahrt garantieren zu können.

Sie führte die aktuellen sozialen Spannungen auch darauf zurück, dass der europäische Luftraum in den vergangenen Jahrzehnten so enorm gewachsen sei. In diesem Jahr wird der europäische Luftraum erstmals über eine Milliarde Passagiere zählen. Die Flüge werden in diesem Jahr auf über 10,6 Millionen ansteigen. Das entspricht einem Drittel der globalen Fluggäste, wie die EU-Komissarin betonte.