Sowjetische Mondsonde Luna 9 mit geöffneten Landeklappen in einer Ausstellung.

Eine Replik der Luna 9 im Kosmonautenmuseum in Moskau

© Музей Космонавтики from Россия - FP2A3144, CC0 Wikimedia Commons
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Science

Verlorener sowjetischer Mondlander wohl gefunden

Mitte der 1960er Jahre war das „Space Race“ voll im Gange. Die USA und die Sowjetunion lieferten sich einen intensiven Wettstreit um die Vormacht im All: Wer würde zuerst Menschen auf den Mond bringen?

Zunächst ging es allerdings um unbemannte Missionen zum Erdtrabanten, und hierbei hatte die Sowjetunion die Nase vorn: Ihre Luna 9 war am 3. Februar 1966 das erste Raumfahrzeug, das weich auf der Mondoberfläche aufsetzte. 

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Wie der deutsche Südwestfunk an diesem Tag berichtete, konnte die Landung mit einem Superteleskop in der Nähe von Sankt Petersburg (damals Leningrad) beobachtet und fotografiert werden. Die Sonde selbst fotografierte ihre Umgebung und „faxte“ die Bilder zurück auf die Erde.

Doch der genaue Landeplatz war nie mit Sicherheit bestimmt worden. 2 Forschungsteams wollen den Verbleib von Luna 9 nun geklärt haben, wie die New York Times (NYT) berichtet.

So klein wie ein Strandball

Luna 9 wiegt rund 100 kg und ist mit 58 Zentimetern Durchmesser nur etwa so groß wie ein Strandball. Das macht es auch mithilfe neuerer Raumfahrzeuge in der Mondumlaufbahn enorm schwierig, den Mondlander zu entdecken.

Selbst die Lunar Reconnaissance Orbiter Camera (LROC), die seit 2009 den Mond umkreist und die mit am besten aufgelösten Bildern von dessen Oberfläche liefert, erreicht nicht die nötige Detailtiefe. „Du kannst auf ein Bild starren, und vielleicht ist es das, aber du kannst dir nicht sicher sein“, erklärt Mark Robinson, der mit der LROC arbeitet, gegenüber der New York Times.

Maschinelles Lernen vs. Crowdsourcing im Live-Stream

Vor kurzem veröffentlichte ein Team des University College London im Fachjournal npj Space Exploration einen Artikel, in dem es argumentiert, den Landeplatz von Luna 9 mit großer Wahrscheinlichkeit gefunden zu haben. Dafür hat es einen neuartigen Machine-Learning-Algorithmus entwickelt, der menschengemachte Objekte in Bildmaterial der Lunar Reconaissance Orbiter Camera (LROC) erkennen kann.

Vitaly Egorov, ein russischer Wissenschaftskommunikator und Blogger hinter Zelenyikot, hat mithilfe von Crowdsourcing versucht, die verschollene sowjetische Mondsonde zu entdecken. Er übertrug Daten von LROC per Livestream und forderte seine Follower auf, Pixel zu suchen, die fehl am Platz scheinen.

Zusätzlich hat er die Panoramafotos analysiert, die Luna 9 vor 60 Jahren aufgenommen hatte. So versuchte er die Charakteristika des Horizonts mit jenen Details in Zusammenhang zu setzen, die LROC aus dem Orbit erfasst.

Forschungsteams uneinig

Allerdings sind sich die beiden Forschungsteams uneinig. Der Landeort, den die Forscherinnen und Forscher des University College London vermuten, liegt rund 5 Kilometer von der bisher angenommenen Stelle, wie Russian Space Web berichtet

Egorov hat auf einer Fläche von fast 100 km um die angenommene Stelle herumgesucht. Er vermutet die verschollene Sonde in etwa 25 Kilometern Entfernung von der bisher angenommenen Stelle.

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Weitere Mondsonde soll Klärung bringen

Egorovs Theorie soll im März mithilfe von Chandrayaan-2 überprüft werden. Der indische Orbiter umkreist den Mond seit 2019 und hat eine Kamera, die ein bisschen besser aufgelöst ist als die LROC.

Zukünftige Suchmissionen könnten nebenbei auch die Überreste anderer historischer Mondsonden finden. So ist Luna 13, ein Nachfolger von Luna 9, ebenso verschollen wie manche Komponenten des NASA-Surveyor- und Apollo-Programms.

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