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Forschung Studie: Klarnamen verhindern keine Hasspostings.

Hassposter verfassen die Beiträge oft unter ihrem echten Namen, weil sie dann glaubwürdiger sind in ihrer Social-Media-Bubble.
Hassposter verfassen die Beiträge oft unter ihrem echten Namen, weil sie dann glaubwürdiger sind in ihrer Social-Media-Bubble. - Foto: Kurier/Gruber
Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass Hassposter im Netz zu einem großen Teil unter ihrem Klarnamen posten, um sich so Vertrauen zu erarbeiten.

Bei all den Debatten rund um Hasspostings und Hass im Netz kommt immer wieder eine Forderung: Lasst uns doch die Anonymität abschaffen, dann ist das Problem gelöst. Weil: Unter seinem echten Namen trauen sich die Menschen doch nichts Gemeines, Hasserfülltes schreiben.

Experten warnen allerdings seit langem, dass die Abschaffung der Anonymität nichts bringt. Autoren einer aktuellen Studie der Universität Zürich gehen nun noch einen Schritt weiter. Sie sind der Meinung, dass die Abschaffung der Anonymität nicht nur nichts bringt, sondern gar zu einer Zunahme von sogenannten „Shitstorms“ führen würde.

500.000 Kommentare untersucht

Im Zuge der aktuellen Studie der Universität Zürich, die der futurezone vorliegt, wurden mehr als 500.000 Kommentare aus 1600 Online-Petitionen auf der deutschen Plattform openpetition.de ausgewertet. Darunter befanden sich auch Petitionen und dazugehörige Diskussionen aus Österreich, wie etwa eine Forderung des Rücktritts des FPÖ-Politikers H.C. Strache. Die Untersuchung fand zwischen 2010 und 2013 statt und dauerte somit mehrere Jahre an.

Von den untersuchten Postings enthielten 20,62 Prozent – also 197.410 von mehr als 500.000 - eine „minimal aggressive Ausdrucksweise“. In neun Prozent aller Kommentare waren mindestens zwei und bis zu 15 aggressive Ausdrücke.

Mehr Klarnamen-Hasser als anonyme

Die Studienautoren kamen dabei zu folgendem Schluss: Nicht anonym auftretende Personen, die Hasskommentare posten, sind im Netz zunehmend die Regel statt die Ausnahme. Doch wieso verzichten viele Hasskommentatoren im Netz trotzdem darauf, anonym aufzutreten?

Wer im Netz seine Identität preisgibt, sei glaubwürdiger und beliebter, so die Studienautoren. Hassposter, die unter ihrem Klarnamen posten würden, können die Mitmenschen in ihren sozialen Netzwerken leichter überzeugen, so die Studienautoren.

Vertrauen und Likes

Dadurch würden sie sich einen Vertrauensbonus erarbeiten und im Idealfall den sozialen Status erhöhen, heißt es. Im eigenen Freundeskreis werden die Beiträge dann mit vielen Likes versehen und die Postings verbreiten sich im eigenen Dunstkreis. Wer anonym postet, muss hingegen auf eine Weiterverbreitung seiner Meinung via Social Media weitgehend verzichten.

Zudem würden viele Menschen, die Hasskommentare abgeben, nicht damit rechnen, dass sie für ihre Worte jemals bestraft werden könnten, so die Autoren. Die meisten Hassposter würden davon ausgehen, dass ihr verbales Verhalten nicht geahndet werde, so Lea Stahel, Co-Studienautorin vom Soziologischen Institut der Universität Zürich. „Wieso sollten sich Verfasser von Hasspostings, die ihren Protest als moralische Pflicht rechtfertigen und sich für eine gerechte Sache einsetzen, verstecken?“

kurier.at und futurezone.at widmen sich der Thematik bereits seit einigen Wochen mit der Initiative #GegenHassimNetz.

(futurezone) Erstellt am 26.07.2016, 13:25

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