Science
12.12.2017

Was Trumps Mond-Pläne für die Forschung bedeuten

Wie seine Vorgänger hat US-Präsident Trump große Weltraumpläne angekündigt. Für die Wissenschaft wären Mond- und Marslandungen hochinteressant, aber noch fehlt das Budget.

US-Präsident Donald Trump hat eine Direktive unterzeichnet, in der die Raumfahrtagentur NASA beauftragt wird, bemannte Missionen zum Mond und später auch zum Mars zu verfolgen. Dass die US-Regierung 45 Jahre nach der letzten Mondlandung gerne wieder Amerikaner auf einem anderen Himmelskörper sehen möchte, war bereits zuvor klar. Anfang Oktober kündigte Vizepräsident Michael Pence entsprechende Bestrebungen an. Mit großem Pomp hat Trump nun das Vorhaben bestätigt. Kritiker sehen den Auftritt Trumps am Montag im Kreise hochrangiger NASA-Vertreter und ehemaliger Astronauten als reines Ablenkungsmanöver angesichts innenpolitischer Schwierigkeiten.

Budgetfrage ungeklärt

Das letzte Wort in der Angelegenheit Mondlandung hat der Kongress, der im Februar die Pläne für das US-Budget vorlegen wird. Erst dann wird man erkennen können, wie sich Trumps Einsatz für bemannte Weltraummissionen auswirken wird. In Zeiten des Apollo-Programms (1963 bis 1972) erhielt die NASA bis zu fünf Prozent des gesamten Staatsbudgets, heute sind es etwa 0,5 Prozent (2017 etwa 19,5 Mrd. Dollar).

An den budgetären Einschränkungen der NASA sind die Ambitionen der letzten US-Präsidenten regelmäßig gescheitert. George W. Bush plante eine Mondlandung im Jahr 2020, Barack Obama beendete dieses Vorhaben und beauftragte die NASA, sich stattdessen auf eine Landung auf einem Asteroiden ab 2020 und eine Landung am Mars ab 2030 zu stürzen. Trump stampfte letzteres Programm nun durch seine eigene Vision ein.

Was tun am Mond

"Aus politischer Sicht hat eine Mondlandung enormen Symbolcharakter", meint Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraumforum. Das ÖWF simuliert seit Jahren gemeinsam mit Wissenschaftlern aus aller Welt - auch mit der NASA - bemannte Raumflüge zu anderen Himmelskörpern. "Beim Mond geht es etwa darum, eine Vormachtstellung gegenüber China aufzuzeigen." Der aktuell größte US-Rivale arbeitet seit Jahren daran, Taikonauten (das chinesische Pendant zu Astronauten) auf den Mond zu schicken.

Aber nicht nur aus Prestigegründen seien bemannte Mondmissionen hochinteressant, meint Grömer. "Der Mond könnte der Menschheit als Tor zum Sonnensystem dienen." Auf dem Erdtrabanten könnte etwa eine Basis errichtet werden, von der aus Missionen zu weiter entfernten Zielen gestartet werden.

Ressourcen in Erdnähe

Der Mond biete eine Reihe wertvoller Ressourcen. Aus Wassereis an den Polkappen könnte etwa durch Elektrolyse Wasserstoff gewonnen und als Raketentreibstoff verwendet werden. Am Mond gibt es außerdem reichlich Helium-3. Das Isotop könnte künftig in Kernfusionsreaktoren zur Stromerzeugung eingesetzt werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht bietet der Mond immer noch enormes Potenzial. „Er ist wie ein ausgelagertes geologisches Archiv der Erde“, meint Grömer. Die Erforschung von kilometerhohen Bergen, Lava-Röhren und Kratern könnte dabei helfen, grundlegende Fragen zur Geschichte von Erde, Mond, Sonnensystem und Universum zu beantworten. Die erdabgewandte Seite des Mondes könnte außerdem als idealer Standort für Radioteleskope dienen. "Auf der Erde wird es für die Radioastronomie immer enger. Das ist jetzt schon ein wirkliches Problem", meint Grömer. Am Mond herrsche dafür eine wesentlich bessere Ausgangslage.

Der Mond biete eine Reihe von Annehmlichkeiten für Menschen, die es am Mars nicht gebe, meint Grömer, etwa die Nähe zur Erde, weniger gesundheitsschädliche Strahlung und mehr Sonnenlicht. "Am Mond könnte die Menschheit einen Außenposten betreiben, ähnlich wie eine Forschungsstation in der Antarktis. Für die Erforschung des tieferen Weltalls kann man dort dafür nur bedingt etwas lernen. Von Null auf Raumstation lernt man sicherlich mehr als von Raumstation auf Mond."

Konkurrenz

Das wahre Abenteuer erwarte die Menschheit am Mars, ist Grömer überzeugt. Die Ankündigung, den Mond als Trittbrett zum Mars zu verwenden, sei das begrüßenswerteste Signal von Trump. "Dieses Signal sollten wir in Europa hören", meint der ÖWF-Obmann. Die europäische Raumfahrtagentur ESA wälzt selbst Pläne, um den Mond zu einer Zwischenstation am Weg zum Mars zu machen. Nach dem voraussichtlichen Ende der Internationalen Raumstation im Jahr 2024 soll ein "Moon Village" errichtet werden, das wie die ISS permanent von Menschen bewohnt sein soll.

Zum Mond strebt unterdessen auch das private Weltraumunternehmen SpaceX. Dessen Gründer Elon Musk kündigte im Februar an, im Jahr 2018 zwei Weltraumtouristen in einer Kapsel rund um den Mond und zurück zur Erde befördern zu wollen.