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12.09.2016

Regel-Wirrwarr und Brexit-Sorgen beim Crowdfunding

Länderübergreifendes Crowdinvestment scheitert in der EU häufig am fragmentierten Markt. Experten fordern einheitliche Regeln. Britischen Plattformen macht der Brexit Sorgen.

In Österreich wurde im vergangenen Jahr ein Alternativfinanzierungsgesetz verabschiedet, mit dem Investments auf Crowdfunding-Plattformen geregelt wurden. Zwar gilt das Regelwerk unter Experten als vorbildlich und durchaus gelungen. Im internationalen Vergleich nehmen sich die investierten Summen - 2015 waren es zehn Millionen Euro - aber bescheiden aus. Spitzenreiter in der EU ist Großbritannien, wo im vergangenen Jahr 4,3 Milliarden Euro mit alternativen Finanzierungsinstrumenten gesammelt wurden, wie Alexis Lui vom Cambridge Center vor Alternative Finance, das eine Studie zum Thema erstellt hat, am Donnerstag bei der Konferenz CrowdDialog Europe in Graz vorrechnete.

Brexit-Sorgen

Die Regierung habe nach der Finanzkrise im Jahr 2008 Alternativen zu den Banken gefördert, erzählte Julia Groves von der UK Crowdfunding Association. Crowdfunding sei in Großbritannien längst Mainstream. Der Brexit bereitet der Crowdfunding-Experten allerdings Sorgen. Wie es weitergehe wisse niemand, sagt Grove: "Es wird wohl bei vielen Unternehmen zu Einsparungen kommen."

Am Kontinent kämpfen Crowdfunding-Plattformen unterdessen mit regulatorischen Tücken. Experten bemängeln das Fehlen einheitlicher Regeln in der EU. Länderübergreifendes Crowdfunding sei kaum zu bewerkstelligen, kritisierte Lasse Mäkela von der finnischen Investmentfirma Invesdor.

Lokale Regeln

Zwar gebe es mit der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) EU-weite Vorgaben. Unternehmen müssten sich aber dennoch an lokale Gesetze halten und die seien in jedem Land anders, sagte Mäkela. So gebe es etwa große Unterschiede bei der Prospektpflicht. Während die volle Prospektpflicht in Finnland bei 2,5 Millionen Euro zum Tragen komme, gelte diese in Norwegen bereits ab einer Million Euro und in Estland gar bei 100.000 Euro. Unternehmen aus kleinen Ländern hätten es dadurch unnötig schwer, kritisierte der Investor. "Wenn wir wollen, dass Investition länderübergreifend fließen, müssen die Regelungen vereinfacht werden."

Die EU-Kommission sei zu dem Schluss gekommen, dass die Märkte für Crowdinvesting hauptsächlich lokal seien, und deshalb keine europäische Regelung notwendig sei, kritisierte die Rechtsexpertin Tanja Aschenbeck-Florance: "Das ist eine Fehleinschätzung." Crowdfunding-Plattformen bräuchten einheitliche Regeln, damit sich der Markt entwickeln könne.

Generell rechnet die Expertin damit, dass sich der Crowdfunding-Markt konsolidieren und diversifizieren wird. Die Anzahl auf bestimmte Themen spezialisierter Plattformen, etwa Technologie, Gesundheit oder Immobilien, werde zunehmen. Auch Aschenbeck-Florance erwartet durch den Brexit Änderungen. Viele Plattformen werden nach Paris oder Frankfurt ziehen, sagte sie: "Der Brexit wird das ganze System verändern."