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Business Angel Summit "Viele Start-ups überschätzen sich maßlos".

"Food is the new tech": Investor Heinrich Prokop
"Food is the new tech": Investor Heinrich Prokop - Foto: Puls 4, Heinrich Prokop
Der Investor und "2 Minuten, 2 Millionen"-Juror Heinrich Prokop über die österreichische Szene, Trends in der Lebensmittelbranche und die Selbstüberschätzung vieler Start-ups.

"Im Lebensmittelbereich werden in den nächsten Jahren unglaubliche Dinge passieren", sagt Heinrich Prokop. Der Investor baute den Familienbetrieb Gutschermühle von einem Mühlenbetrieb zu einem Müsli-Hersteller um, und verkaufte ihn schließlich 2009 an die Schweizer Haco-Gruppe. Heute investiert Prokop, der in der Puls4-Start-up-Show "2 Minuten, 2 Millionen" als strenger Juror fungiert, mit seiner Beteiligungsfirma Clever Cover in Start-ups. Anfang Juli wird er auch beim Business Angel Summit in Kitzbühel anzutreffen sein, bei dem ausgewählte Start-ups internationalen Investoren gegenüberstehen. "Das Netzwerken funktioniert dort sehr gut", sagt Prokop der futurezone.

Heinrich Prokop
Foto: Puls 4, Heinrich Prokop
futurezone: Sie investieren in App-Entwickler ebenso wie in einen Hersteller von Kartonmöbeln und Energy-Drinks. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Start-ups aus?
Heinrich Prokop:
Wir sind derzeit dabei, unseren zweiten Investmentfonds zu starten. Dabei sind wir ganz fokussiert auf sogenannte fast moving consumer goods, also Lebensmittel und Handel im weitesten Sinne. Dort müssen die Start-ups hineinpassen. Es müssen auch schon Umsätze da sein.

Sie kommen aus der Lebensmittelbranche. Was tut sich da in Bezug auf Start-ups?
Ich vertrete einen plakativen Ansatz: Food is the new tech. Was ich da auf europäischer Ebene sehe, sind unglaubliche Dinge und Ideen, die in den nächsten Jahren passieren werden. Von personalisierten Lebensmittel (personalized food) bis zu Clean-Meat-Technologien (Anm.: Fleisch, das im Labor hergestellt wird, Tiere kommen dabei nicht zu Schaden). Wir werden auch ein Innovationszentrum für Cerealien aufbauen. Dort können Start-ups mit uns arbeiten. Es wird sich ganz viel tun.

Haben Sie bestimmte Start-ups im Auge?
Ich könnte Ihnen einige nennen, aber dann müsste ich sie töten. Wir sind an einigen Themen dran und werden in zwei bis drei hochinnovative Firmen investieren.

Worauf achten Sie bei den Start-ups, in die Sie investieren?
Ganz entscheidend ist, dass wesentliche Kernkompetenzen schon im Team abgebildet sind. Es macht wenig Sinn, ein Lebensmittel-Start-up zu starten, wenn keiner der Beteiligten von der Produktentwicklung Ahnung hat, also ein reiner Marketing-Ansatz verfolgt wird und Kernkompetenzen erst zugekauft werden müssen. Das Team ist wie immer entscheidend. Ein schlechtes Team kann eine gute Idee umbringen.

Sie waren bei der Puls4-Show "2 Minuten, 2 Millionen" Juror und haben sehr harte Kriterien angelegt. Werden Start-ups zu hoch bewertet, bzw. überschätzen Sie sich selber?
Viele von den Start-ups werden schlecht beraten. Ich bin jetzt das dritte Jahr dabei und erlebe immer, dass sich viele Start-ups maßlos selbst überschätzen. Viele werden auch schlecht beraten.  Ich plädiere für etwas mehr Objektivität und vernünftige Ansätze.

Sind Start-ups in Österreich hauptabendtauglich?
Offensichtlich ja. Der Erfolg der Sendung hat mich absolut überrascht, sie hat Quoten von bis zu 18 Prozent erreicht. Jeder fünfte Österreicher hat zugesehen. "2 Minuten, 2 Millionen" hat einen interessanten Impuls gegeben. In Handelsschulen wird das Format im Unterricht nachgespielt.

Wie hat sich die österreichische Start-up-Szene in den vergangenen Jahren entwickelt?
Vor sieben Jahren war das Thema in Österreich nicht existent, das ist auch der Grund, warum wir Clever Cover in Amsterdam gestartet haben. Das hat sich geändert. Die Szene ist professioneller geworden. Es gibt mehr Angebote, es ist auch genügend Geld auf Investorenseite vorhanden.

Was braucht es noch?
Es hängt auch an der österreichischen Mentalität, das man sich auf Investorenseite mit dem Thema weniger auseinandersetzen will. Aber es müssen auch steuerliche Rahmenbedingungen gegeben sein. Da sind wir noch weit weg vom internationalen Standard.

Sie sind heuer auch wieder beim Business Angel Summit in Kitzbühel dabei. Welche Erwartungen haben Sie an den Event?
Mir gefällt die Internationalität dort. Kitzbühel hat genügend Anziehungskraft, um internationale Investoren anzulocken. Das Netzwerken funktioniert sehr gut. Für mich ist es auch eine Gelegenheit, um mit Kollegen aus Frankreich, England und Deutschland auf informeller Basis zusammenzukommen. Ich habe viele Kontakte, die ich in Kitzbühel gemacht habe, weitergepflegt und auch ein ganz konkretes Investmentprojekt realisiert.

Ist die Szene in Österreich zu stark auf Wien konzentriert?
Es gibt auch anderswo gute Ansätze. Etwa das Startup 300-Projekt in der Linzer Tabakfabrik, auch in anderen Bundesländern tut sich einiges.

Investoren-Angeln in Kitzbühel

Business Angels Summit bringt Start-ups und Investoren zusammen

Am 6. und 7. Juli findet im Tiroler Kitzbühel die bereits dritte Auflage des Business Angel Summit statt, bei dem ausgewählte Start-ups internationalen Investoren gegenüberstehen. Noch bis zum 24. Juni können sich Investoren für den Event anmelden.

Business Angel Summit
Foto: Standortagentur Tirol
Neben internationalen Keynotes zählt das sogenannte "Angel Catching" traditionell zu den Höhepunkten des Programms. Dabei gehen die teilnehmenden Start-ups auf die Jagd nach Business Angels und versuchen sie mit ihrer Geschäftsidee zu "fangen". Detaillierte Informationen zum Programm des Start-up-Events finden sich unter: businessangelsummit.at

 

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Business Angel Summit Kitzbühel entstanden.

(futurezone) Erstellt am 16.06.2017, 12:32

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