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Kartografie OpenStreetMap: Freie Karte statt Google Maps.

Foto: openstreetmap.org
Das "Wikipedia der Karten" wird für Google Maps seit der Einhebung von Lizenzgebühren zunehmend zum Konkurrenten. Nach Foursquare und Apple setzt jetzt auch Wikipedia bei seinen Apps auf OpenStreetMap. Doch der Kostenfaktor ist nicht der einzige Auslöser für Anbieter, auf den freien Kartendienst umzusteigen.

In den vergangenen Jahren hat sich Google Maps mit einem weltweiten Marktanteil von rund 64 Prozent zum führenden Kartendienst im Internet entwickelt. Das Geheimnis des Erfolgs: Google Maps ist übersichtlich, sauber programmiert und fördert die Einbindung von Kartenmaterial über diverse Schnittstellen. Doch nun gibt es, wie bereits berichtet , einen ernsthaften Herausforderer: den freien Kartendienst OpenStreetMap.

Große US-Unternehmen wie der ortsbezogene Dienst Foursquare, der kalifornische iPhone-Hersteller Apple sowie die beliebte Online-Enzyklopädie Wikipedia setzen seit kurzem bei einzelnen Services auf den freien Kartendienst. So hat Foursquare seine Karten im Web auf OpenStreetMap umgestellt, während die mobilen Apps weiterhin mit Kartenmaterial von Google bestückt sind. Apple ist zudem bisher lediglich bei seiner iPhoto-App auf allen iOS-Geräten zum freien Kartendienst gewechselt.

"Wikipedia der Karten"
Dieser wird auch häufig als "Wikipedia der Karten" bezeichnet. Mit gutem Grund: Rund 585.000 Nutzer haben bis dato am Crowdsourcing-Projekt mitgewirkt und Kartenmaterial eingepflegt. "Das ist die große Stärke von OpenStreetMap, dass jeder bei der Einpflege des Materials mithelfen kann. Es lässt sich sehr schnell etwas ausbessern, wenn etwas nicht korrekt dargestellt wird", sagt Ed Freyfogle, Mitgründer von Nestoria, einer internationalen Suchmaschine für Immobilien.

Nestoria ist ebenso wie der US-Konkurrent Streeteasy auf das Kartenmaterial von OpenStreetMap umgestiegen. "2012 wird das Jahr der freien Karten", prognostiziert auch Sebastian Delmont des Immobiliensuchdienstes Streeteasy. In westlichen Ländern gibt es trotz der Freiwilligkeit der Beteiligung nicht mehr viele Lücken im Kartenmaterial. "Unsere Karten sind nur so gut wie unsere Volontäre. Wo es viele Freiwillige gibt, gibt es gute Karten", erklärt Steve Coast, Gründer von OpenStreetMap, bei seinem Besuch in Wien .

Google Maps führt Gebühren ein
Doch warum steigen derart viele Unternehmen von Google Maps auf den freien Kartendienst um? Google hat mit Jahresbeginn das Lizenzmodell für seinen Kartendienst geändert und damit die kostenlose Nutzung eingeschränkt. Ab 25.000 Klicks pro Tag wird seit Jahresbeginn, oder spätestens seit dem Ablaufen der 90-tägigen "Gnadenfrist", eine Gebühr verrechnet. Das betrifft 0,35 Prozent der Nutzer, das sind rund 4000 Kunden.

Der Immosuchdienst StreetEasy hat berechnet, dass dadurch pro Jahr Extra-Kosten von rund 200.000 bis 300.000 US-Dollar entstehen würden. Freyfogle von Nestoria erklärte, dass die Summe, die Google vom Unternehmen verlangt hätte, das Unternehmen in den Bankrott getrieben hätte. Seit dem Umstieg vor drei Monaten habe es bisher kaum Feedback von den Kunden gegeben, erklärte Freyfogle auf Anfrage der futurezone. "Das zeigt uns, das das OpenStreetMap-Kartenmaterial gut funktioniert." Es habe bisher lediglich den Wunsch gegeben, die U-Bahn-Stationen in London sichtbarer zu machen. Hier sei man gerade dabei, diesen Wunsch umzusetzen.

Mehr Individualität bei Karten
Doch die neuen Lizenzkosten bei Google Maps sind nicht der einzige Anreiz für manche Unternehmen, auf das freie Kartenmaterial zurückzugreifen. "Google Maps hat auch Schattenseiten", meint Delmont von Streeteasy. So würde jede Kartenseite, die Google Maps integriert habe, im Netz nahezu gleich aussehen. Wenn das Kartenmaterial in bestimmten Gebieten unvollständig sei, könne man zudem nichts tun, außer warten, sagt Delmont.

Gerade bei Unternehmen wie Apple und Foursquare spielen sicherlich nicht nur die Kosten eine Rolle für den Teil-Umstieg, sondern auch Googles Rolle als Konkurrent bei der Generierung von Werbeeinnahmen aus ortsbezogenen Angeboten. Apple hat nicht umsonst in den vergangenen Jahren mit Poly9 und Placebase Unternehmen übernommen, die sich mit Karten beschäftigen.

OpenStreetMap
Die Anzahl der aktiven Mapper in Österreich wächst kontinuierlich. Credit: Pascal Neis - Foto: Pascal Neis

Während sich auf internationaler Ebene sicher noch viele weitere Dienste für die Integration von OpenStreetMap-Kartenmaterial entscheiden werden, bemerkt man in Österreich bisher kaum etwas von dem Boom. "In Österreich ist die Situation sehr unterschiedlich: Wien hatte traditionell immer schon gute Web-Karten und die Stadt war ja letztes Jahr auch Vorreiter in Sachen Open Government Data, von dem wir als OpenStreetMap-Community auch immer wieder profitieren. Diese Karten kann aber auch jeder andere jetzt kostenlos nutzen, darum ist hier wohl der "Leidensdruck" gering", erklärte Andreas Labres vom Verein OpenStreetMap Austria. Die Zahl der aktiven "Mapper" wächst allerdings kontinuierlich (siehe Grafik).

Lizenzwechsel "kein Problem"
Bei OpenStreetMap ist zudem derzeit ein Lizenzwechsel im Gange. Es soll von der Creative Commons-Lizenz CC-BY-SA 2.0 auf die Open Database-Lizenz umgestiegen werden. Die Karte wird auch danach weiterhin für Nutzer gegen Namensnennung der Urheber frei verwendbar bleiben. Das Material von Nutzern, die dem Lizenzwechsel nicht zustimmen, wird allerdings von der Karte entfernt.

Labres glaubt nicht, dass dies in Österreich gravierende Auswirkungen haben wird. "Natürlich gibt es Nutzer, die dem Wechsel nicht zustimmen wollten. So wurden z.B. die Wege im Belvedere-Garten zu einem Gutteil von einem `Nichtzustimmer` gemappt. Diese müssen wir nun nachzeichnen. Bis zum Sommer werden wir wieder auf dem heutigen Stand sein." Auch Freyfogle von Nestoria sieht kein Problem beim Lizenzwechsel. "Die entstehenden Lücken werden relativ schnell geschlossen werden und OpenStreetMap wird weiter wachsen."

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(futurezone) Erstellt am 12.04.2012, 06:00

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