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Kriminalitätsstatistik Cybercrime: Polizei muss "stark aufrüsten".

Foto: REUTERS
Die aktuelle Kriminalitätsstatistik der Polizei zeigt eine massive Zunahme bei der Internet-Kriminalität auf. Im Vergleich zum Vorjahr wurden im 1.Halbjahr 2013 63,1 Prozent mehr Fälle gemeldet. Vor allem Internet-Betrugsfälle haben stark zugenommen.

„Hier müssen wir stark aufrüsten", sagt Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts, wenn es um Internetkriminalität geht. Größtes Problemfeld sei der Betrug durch Missbrauch des Internets, wo die Zahl der Anzeigen mit plus 77 Prozent von 2.516 im ersten Halbjahr 2012 auf 4.445 Delikte in den ersten sechs Monaten 2013 förmlich explodiert ist. Zum Vergleich: 2005 wurden österreichweit gerade einmal 584 einschlägige Fälle angezeigt.

Internet-Betrug
Unter Missbrauch des Internets subsumieren die Sicherheitsbehörden vor allem Massenbetrugsfälle mithilfe von gefakten Webshops: Der Kunde bestellt, bezahlt, und sieht weder die Ware noch sein Geld wieder. Die Täter dahinter seien vielschichtig: von hoch spezialisierten und organisierten Gruppen bis hin zum Einzeltäter mit „einer Spontanidee im Internetcafe", erläuterte Lang. Fast alle Fälle wiesen eine starke internationale Vernetzung auf. Viele Urheber betrügerischer Webshops sitzen in der Karibik, im südostasiatischen Raum, im Mittleren Osten und in Südosteuropa.

63,1 Prozent Zunahme
Insgesamt sind im ersten Halbjahr 6.413 Anzeigen wegen Internetkriminalität eingegangen, eine Zunahme von 63,1 Prozent (1. Halbjahr 2012: 3.933 Anzeigen). Die Aufklärungsquote liegt bei 40,4 Prozent. Als Gegenmaßnahme wird das Cybercrime-Competence-Center (C4) im Bundeskriminalamt bis 2014 von derzeit 23 auf 50 Mitarbeiter aufgestockt. Bis Ende 2013 werden weitere 100 Bezirks-IT-Ermittler als unmittelbare Ansprechpartner ausgebildet, denn „Internetkriminalität gibt es auch im Kinderzimmer", sagte Lang. Ab Anfang nächsten Jahres wird mit der Universität Wien das Präventionsprojekt „Cyber.Sicher" erarbeitet.

Sicherheitsgefühl
Ein Problem der Ballungsräume, vor allem Wiens, sind laut dem BK-Chef sogenannte Mobile Organised Crime Groups, organisierte Gruppen Kleinkrimineller ohne feste „Heimatbasis", die europaweit agieren und sich auf Wohnungs- und Autoeinbruchsdiebstähle sowie kleinere Straftaten wie Kellereinbrüche, Ladendiebstahl, Taschen- und Trickdiebstahl („Neffentrick"), Buntmetalldiebstahl und Skimming (das Ausspähen von Bankomat- und Kreditkartencodes) spezialisieren. Solche aus fünf, sechs bis zu 20 oder 25 Tätern bestehenden Banden setzen tausende kleine Einzeldelikte mit aufgrund der Anzahl relativ hohem Gesamtschaden.

Die Streifzüge beeinträchtigen auch empfindlich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, weil es viele Opfer gibt.
„Wien hat derzeit stark damit zu kämpfen", sagte Lang. Weil Kleindelikte lokal bearbeitet werden, dauere es oft recht lange, bis klar wird, dass es sich nicht um Einzeltäter handelt. Das Bundeskriminalamt beteiligt sich nunmehr am Europol-Projekt MOCG, das solche Umtriebe aufs Korn nimmt. Außerdem sollen verdeckte Maßnahmen stärker zum Einsatz kommen.

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(apa) Erstellt am 28.08.2013, 16:50

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