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Videoüberwachung Facebook-Debatte: "Wiener Linien, sind eure Kameras Fakes?".

In der Station Volkstheater kam es zu einem tragischen Vorfall im Aufzug: Ein Mann erlitt einen Herzinfarkt, keiner half.
In der Station Volkstheater kam es zu einem tragischen Vorfall im Aufzug: Ein Mann erlitt einen Herzinfarkt, keiner half. - Foto: Reinhard Vogel
Auf Facebook fordern Nutzer nach Bekanntwerden des tragischen Todesfalls im Aufzug der Wiener Linien mehr Videoüberwachung, damit kontrolliert wird, ob jemand Hilfe holt.

Am Freitag wurde ein trauriger Vorfall bekannt: In der Nacht des Stefanitags ist ein Mann verstorben, nachdem er im Aufzug der Wiener-Linien-Station Volkstheater einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der Mann brach zusammen und lag fünf Stunden im Lift, ohne dass jemand den Notruf betätigte. Mehrere Personen stiegen ein und wieder aus, ohne sich um den Mann zu kümmern. Die Wiener Linien teilten dieses tragische vor sozialer Kälte triefende Ereignis am Freitag via Facebook mit – und wurden von erzürnten Nutzern mit einer Flut von wütenden Postings überhäuft. Die Postings beschäftigen sich aber nicht etwa mit der sozialen Kälte und der schockierenden Tatsache, dass dem Mann nicht geholfen wurde, sondern waren fast ausschließlich Rufe nach „mehr Videokameras“.

Thema: Überwachungskameras

„Sind eure Kameras nur Fakes“? „Sind die Überwachungskameras nur Deko“? „Was ist mit den Überwachungskameras passiert?“ Diese Fragen haben die Facebook-Nutzer am meisten beschäftigt. Tatsächlich wurden an dem Abend die Bilder des Aufzugs auf den lokalen Split-Screen der Stationsaufsicht übertragen, wie Dominik Gries, Pressesprecher der Wiener Linien, gegenüber der futurezone erklärt. Da sind allerdings auf einigen kleinen Bildschirmen insgesamt drei Lifte, mehrere Bahnsteige, Rolltreppen, Gänge und Korridore zu sehen. Hätte jemand die Stationsaufsicht benachrichtigt, hätte der Mitarbeiter sich die Szene heranzoomen und einschreiten können. Hätte bedeutet freilich, dass es nicht geschehen ist.

Doch gibt es zu dem Vorfall keine Video-Aufzeichnungen, wollten weitere Facebook-Nutzer wissen. Auf Facebook antworteten die Wiener Linien den Nutzern dazu: „Die Kameras übertragen ein Live-Bild in die Leitstelle, wenn die Notrufeinrichtungen betätigt wurden. Das war nicht der Fall.“ Ergo: Es gibt in so einem Fall in der Regel keine Aufzeichnungen von Kameras.

Aufzeichnungen sind erfolgt

Doch im Fall des im Aufzug verunglückten Mannes, der im Aufzug einen Herzinfarkt erlitt, gab es tatsächlich Aufzeichnungen – weil es in der Station Volkstheater die technischen Möglichkeiten dazu gibt. Diese Aufnahmen landeten bei der Polizei, die jetzt gegen die Personen, die ein- und ausgestiegen sind, ohne zu helfen, wegen unterlassender Hilfeleistung ermittelt. „Gleich nachdem der Mann entdeckt wurde, wurde ein Merker gesetzt und die Daten wurden von der Löschung, die binnen 48 Stunden erfolgen muss, ausgenommen. Die Aufzeichnungen wurden am 29. Dezember der Polizei übergeben“, so Gries.

Eine Ausweitung der Videokameras ist nach diesem Vorfall bei den Wiener Linien nicht geplant, auch wenn es von zahlreichen Social-Media-Nutzern gefordert wird. „Der Hauptzweck der Kameras in den Aufzügen ist es, Notfälle einschätzen zu können“, erklärt Gries.  So gab es etwa im Fall des geprügelten Hundes „Bubi“ keine Aufzeichnungen, weil die Besitzerin den Notruf nicht betätigt habe, wie der Pressesprecher erzählt.

„Es wäre unmöglich, jede Ecke in den Stationen auf Dauer lückenlos zu überwachen. Dazu haben wir die Manpower nicht und es ist außerdem fraglich, ob wir das aus gesellschaftlicher Sicht wollen.“ Die Wiener Linien appellieren stattdessen auf die menschliche Kontrolle durch Mitarbeiter (die in diesem Fall allerdings auch versagt hat, wie Medienberichte zeigen) und die aktive Mithilfe der Fahrgäste. Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen.

Aktuelle Entwicklungen rund um diesen Vorfall betreuen übrigens unsere Kollegen von kurier.at.

(futurezone) Erstellt am 02.01.2015, 15:41

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