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Störfunk LTE-Netz stört Funkschlüssel bei Autos.

Verträgt sich nicht mit LTE
Verträgt sich nicht mit LTE - Foto: KURIER/Rudolf Semotan
Wenn sich das Auto nicht per Schlüsselfernbedienung ver- oder entsperren lässt, könnte das an Störungen durch Mobilfunk in LTE-Netzen liegen.

Viele neuere Automobilhersteller verwenden Funksignale mit 868 Megahertz für die Ver- beziehungsweise Entriegelung des Fahrzeugs per Schlüsselfernbedienung. Während ältere Modelle im 433-Megahertz-Bereich operieren, sind viele neuere Autos, etwa von Audi oder BMW, im 868-Megahertz-Bereich angesiedelt. Weil die 800 Megahertz LTE-Frequenzen, die in Österreich von A1 und T-Mobile verwendet werden, sich in direkter Nachbarschaft befinden, kann es hier zu Problemen kommen. Das kann so weit gehen, dass ein Fahrzeug nicht reagiert, wenn die Schlüsselfernbedienung betätigt wird. "Es handelt sich um ein Funk-System, hier gibt es immer Störungen. Die Frage ist nur, ob man sie bemerkt", sagt André Volkmar von der IK-Elektronik, der die LTE-Störungen untersucht hat.

Störungen treten vor allem in der Nähe von LTE-Funkmasten und mobilfunkfähigen Geräten auf, die gerade senden. "Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings relativ gering. LTE-Signale sind gepulst und stören deshalb nicht kontinuierlich", sagt Volkmar. Die Störwahrscheinlichkeit in der Umgebung von LTE-Masten hängt zudem von der Ausrichtung der Antennen ab. Diese strahlen üblicherweise eher horizontal ab. Der Umkreis, in dem ein Funkmast zu Komplikationen führen kann, ist zudem von der Signalstärke des Schließsystems im Auto und vom Abstand abhängig, aus dem die Verriegelung aktiviert werden soll. "Störungen können im Umkreis von 50 bis zu mehreren hundert Metern auftreten, das hängt aber von vielen Faktoren ab, etwa von der Sendeleistung", sagt Volkmar. Ein LTE-Gerät, etwa ein Tablet, Laptop oder Mobiltelefon, das in unmittelbarer Umgebung der Empfängereinheit im Auto sendet, ist im Normalfall die wahrscheinlichere Quelle. Hier ist der Störradius aber deutlich geringer, von wenigen Zentimetern bis zu maximal zehn Metern.

Störsender an Bord

Da SIM-Karten immer häufiger auch in Autos verwendet werden, etwa als Teil von Entertainment- oder Notruf-Systemen, kann die Quelle auch in der Bordelektronik selbst liegen. Häufiger sind die Störungen in ländlichen Gebieten, da das 800-MHz-LTE-Band in urbanen Gebieten weniger häufig eingesetzt wird, weil es leicht von Bauwerken blockiert wird. Dass ein Auto nicht auf Knopfdruck reagiert, kann in Einzelfällen durchaus vorkommen. Dass die Verriegelung dauerhaft blockiert ist, ist aber unwahrscheinlich. Experten raten, immer die akustischen und Lichtsignale zu kontrollieren, wenn das Auto versperrt wird, um sicher zu gehen, dass das Signal auch angekommen ist. "In Österreich sind mit noch keine Fälle von Störungen durch LTE-Anlagen bekannt". sagt Arbö-Cheftechniker Gottfried Moser der futurezone.

Genutzt wird die 868-Megahertz-Frequenz, weil hier keine Lizenzen nötig sind. Die Hersteller müssen sich lediglich an gewisse Normen halten. Neben Autoschlüsseln verwenden auch andere industrielle, wissenschaftliche und medizinische Anwendungen diesen Frequenzbereich. "Auch von Hausautomatisierungsanlagen gibt es Berichte über Störungen durch LTE-Mobilfunk", sagt Volkmar. Probleme gibt es erst, seit LTE zunehmend Verbreitung findet. Dass die Autohersteller sich mit den Mobilfunkern auf eine Lösung einigen, ist eher unwahrscheinlich. Andere Frequenzen sind ebenfalls nicht frei von Störsignalen. Wetterstationen, Industriesteuerungen, oder Amateurfunk können die Übertragung überlagern. Allerdings kann die Störanfälligkeit technisch reduziert werden. Die Zahl der Automodelle, die auf 868 Megahertz setzen, ist derzeit steigend. "Hier müssen die Hersteller Maßnahmen setzen, denn die LTE-Verbreitung nimmt zu", so Volkmar.

(futurezone) Erstellt am 30.10.2015, 13:49

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