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Spielestudio: Linzer erobern Facebook-Kosmos

Es klingt wie die Verwirklichung eines Bubentraums: Man entwirft ein eigenes Paralleluniversum, das an den Science-Fiction-Klassikern der Jugend angelehnt ist, und erweckt es zum Leben. Raumschiffe, Weltallschlachten und exotische Spezies von fremden Planeten tummeln sich nun nicht mehr nur in den Köpfen der Schöpfer, sondern seit einigen Monaten auf den Computerschirmen von 3000 Facebook-Nutzern. Mit dem Spiel Delta Strike feiert das junge Entwickler-Studio Pro3 Games aus Linz sein Debüt in der österreichischen Spiele-Branche.

"Wir haben ein eigenes Buch geschrieben, in dem wir alle Details zur Welt festhalten. Es erzählt die Geschichte und Hintergründe unseres Universums", sagt Michael Plank von Pro3 Games. Die Fibel ist zentraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses und sorgt für Kontinuität. Neben Plank, der die Rolle des CTO inne hat, besteht das Gründerteam noch aus Andrzej Kozlowski (Art Director) und Alexander Seifert (CEO).

Alte Bekannte und gute Freunde
Das Trio kennt sich seit 2003, aus der Zeit an der FH Hagenberg. Dort haben sie zusammen  Medientechnik und Design studiert, ihren Master absolviert und den Grundstein für Delta Strike gelegt. "Der erste Prototyp, der damals noch als Echtzeit-Strategie funktionierte, war Teil der Abschlussarbeit", sagt Plank. Im Laufe des Studiums hat auch jenes Paralleluniversum, in dem Delta Strike nun spielt, erste Züge angenommen.

Dass einige Jahre zwischen Studienabschluss und dem Erscheinen des Spiels vergingen, liegt daran, dass sich die drei Freunde erst wieder finden mussten. "Nach dem Studium haben sich unsere Wege getrennt. Jeder arbeitete woanders, in Deutschland, Polen, den USA", sagt Plank. Bei Firmen habe man wichtige Erfahrungen gesammelt, allerdings nie an eigenen Ideen gearbeitet.

Durch losen Kontakt über Skype hat sich dann das Vorhaben entwickelt, es mit einem eigenen Spiel zu probieren. Den Anstoß zur Firmengründung im November 2010 gab dann das Interesse des deutschen Investors HackFwd, der bis dato 290.000 Euro Seed Funding beisteuerte. "Mit dem Einsteig ist viel weitergegangen", sagt Plank. Seitdem arbeitet Pro3 Games unter Hochdruck an der Fertigstellung des ersten Spiels. Ihr Team ist mittlerweile auf acht Leute angewachsen (vier Entwickler, ein 3D Artist, jeweils ein Mitarbeiter für Storytelling, 3D Modelling und Soundtrack).

Fans von Star Trek
"Wir sind Fans von Star Trek und Star Wars und haben uns davon sicherlich inspirieren lassen", gibt Plank zu. Wie es sich für ein Science-Fiction-Spiel gehört, fehlt es daher nicht an Action-Elementen. "Wir wollten das erste gute Action-Spiel in 3D für Facebook schaffen. Leute haben die lieblichen Farmville-Ableger einfach satt und sind gelangweilt", glaubt der 28-Jährige. Mit dem Weltraum-Setting sowie den Action-Elementen soll neuer Schwung in die rundenbasierten Facebook-Games kommen. Laut Plank wolle man so auch echte Spieler, die sonst eher Abstand von Facebook-Titeln nehmen, erreichen.

Um die Zielgruppe anzusprechen, wurde sehr viel Wert auf Grafik und optische Präsentation gelegt. Kernstück von Delta Strike ist die 3D-Darstellung, auf die das Team besonders stolz ist. "Wir waren die ersten, die Flash 11 verwendet haben. Adobe war von unserer Leistung so beeindruckt, dass sie uns als Showcase auf ihre Hausmesse eingeladen haben", sagt Plank.  Dadurch habe man nicht nur bei Adobe, sondern auch bei anderen Entwicklern in den USA für Aufsehen gesorgt. "Wir haben gezeigt, was mit Flash 11 alles möglich ist. Die Reaktionen waren durchwegs positiv. Viele haben gar nicht geglaubt, dass da Flash läuft."

Flash-Wurzeln an der FH Hagenberg
Der Fokus auf Flash kommt Plank zufolge aus der Zeit des Studiums. "Hagenberg ist in Sachen Flash extrem gut, wir haben dort vieles gelernt", so der Welser. Das Wissen habe man schon vor Delta Strike in praktische Erfahrung umgesetzt, weshalb in Flash "ihr zu Hause ist". Bevor sich das Trio dann an das Spiel gewagt hat, wurden zudem diverse 3D-Technologien für den Browser analysiert. Laut Plank habe sich Flash als beste Option für das Unterfangen dargestellt.

Dass Apple-Geräte kein Flash unterstützen, viele Entwickler auf HTML5 umschwenken und ältere PCs mit dem aufwendigen 3D-Flash nicht klarkommen, sieht Plank als kein Problem. 99 Prozent aller Computernutzer hätten Flash installiert und würden binnen weniger Monate auf die aktuellste Version updaten. Zudem hätte mittlerweile jeder PC eine rudimentäre 3D-Grafikkarte, die für Delta Strike durchaus reicht. Für Facebook-Spiele, die im Browser am PC laufen, sei Flash laut Plank daher die beste Wahl.

Abhängig von Facebook
Differenzierter sieht man hingegen die enge Verbindung mit Facebook. Dem CTO zufolge erreicht man dort zwar die meisten Leute, man begibt sich jedoch in eine Abhängigkeit. Im aktuellen Entwicklungsstadium fokussiert man noch auf Facebook, sobald das Spiel finalen Status erreicht hat, wird man sich anderen Plattformen widmen.

"Das Spiel ist so konzipiert, dass man es auf andere soziale Plattformen übertragen kann. Auch der Betrieb auf einer eigenen Homepage ist möglich. Wir verfolgen ganz klar einen Multiplattform-Zugang", sagt Plank. Für eine einfache Portierung setzt das Studio übrigens auf des Know-How von Studienkollegen: Für eine reibungslose Anbindung an Online-Netzwerke kommt die Middleware von Platogo zum Einsatz.

Kostenlos, Umsatz mit Kleinstbeträgen
Der Aufbau weiterer Säulen sei essenziell, da Delta Strike – wie so viele andere Social Games auch – auf Micropayments als Einnahmequelle setzt. Das Grundspiel ist kostenlos, für Boni, Upgrades oder neue Items werden geringe Geldbeträge fällig. "Das Facebook-Creditsystem ist ein gutes Ökosystem. Die Technik funktioniert und ist einfach einzubinden. Dass man 30 Prozent an Facebook abgeben muss, ist hingegen bitter", sagt Plank.

Daher streckt man die Fühler nach anderen Portalen aus. "Jede Plattform braucht eine eigene Version, da muss man genau abwägen, wo man Zeit und Geld investiert", sagt Plank. Google+ steht aber ganz oben auf der Agenda, Orkut sei aufgrund der Dominanz in Südamerika auch eine Option.

Start im März, Google+ und weitere Games am Horizont
Seit Ende vergangenen Jahres ist Delta Strike auf Facebook in einer Beta-Version verfügbar. Dass man absichtlich ein unfertiges Spiel online gestellt hat, war geplant. "Wir wollten eine offene Beta, um den Spielern die Chance der Mitgestaltung zu geben. Wir nehmen Feedback sehr ernst und wollen es ins Spiel einbauen", sagt Plank. Österreichische Entwickler-Kollegen etwa kritisieren, dass der Fokus auf Technik und Grafik zu Lasten des Gameplay und Game Design geht.

Das Team versucht, Input zu beherzigen, weshalb sich das Spiel seit dem Start immer wieder verändert hat. Rollenspielelemente kamen ebenso dazu wie neue Raumschiffe und Items – was die Nutzer scheinbar freut. "Es war ein Risiko, so früh mit einer Version online zu gehen, aber bislang fühlen wir uns bestätigt. Es gibt nur positives Feedback und keine Verrisse", sagt Plank. Für März rechnet das Team nun mit der finalen Version. Danach soll eine Version für Apples iPad folgen. Langfristig will das Team ihr selbst entworfenes Universum schließlich verwenden, um  andere Spiele und Genres damit zu verweben.

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Benjamin Sterbenz

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