Unternehmerische Unis: Mehr als Patente und Start-ups

Margarete Schramböck, Bundesministerin für Wirtschaft und Digitales, Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation der TU Wien und Arno Meermann, CEO University Industry Innovation Network, gemeinsam mit anderen Gästen beim i2c Summit 2018 in der Technischen Universität Wien

Beim TU Wien Innovation Summit wurden die Chancen der Kollaboration von Universitäten und Unternehmen aufgezeigt. Die Regierung will sich stark dafür einsetzen.

Die Zusammenarbeit von Forschung und Privatwirtschaft stand im Fokus des i2c Summit 2018 (a.k.a. TU Wien Innovation Summit) der Technischen Universität Wien. Das Innovation Incubation Center (i2c) lud dabei zum Gespräch über die "Entrepreneurial University" und zum Networking zwischen Start-ups, die an der TU Wien entstanden, und innovationsfreudigen Unternehmen. Die Keynote der Veranstaltung hielt Arno Meermann, der CEO des University Industry Innovation Network.

Er legte anhand eines Beispieles klar, wie einträglich die ökonomische Nutzung von universitär generiertem Wissen sein kann: Im Jahr 1991 erhielten US-Universitäten insgesamt 130 Millionen Dollar aus der Verwertung von Patenten in Form von Lizenzgebühren. Im Jahr 2015 betrug die Gesamtsumme 2,4 Milliarden Dollar, Tendenz steigend.

Entwicklung der Gesellschaft

"Unternehmerische Universitäten sind aber mehr als Patente und Start-ups", meint Meermann. "Sie sind keine Start-up-Schmieden, keine Gelderzeugungsmaschinen, keine Unternehmen. Aber sie sollen die Attraktivität ihrer Studenten für den Arbeitsmarkt erhöhen, sie sollen sicherstellen, dass Forschung ihren Weg in die Gesellschaft findet, sie soll zum Wachstum des Arbeitsmarktes und zur Weiterentwicklung der Gesellschaft beitragen."

Diese hohen Ziele seien oftmals schwierig zu erreichen. Gerade Personen, die lange Zeit an einer Universität gearbeitet haben, wollen ungern mit Institutionen außerhalb zusammenarbeiten, zeige die Erfahrung. Kulturell gebe es einige Unterschiede zwischen Universitäten und Unternehmen: Risikoaversion vs. Profitdenken, Langzeitorientierung vs. kurzfristigem Horizont, wissenschaftliche Orientierung vs. Praxistauglichkeit. Von einer Zusammenarbeit könnten aber alle Beteiligten profitieren, ist Meermann überzeugt. Universitäten erhielten Finanzierungsbeiträge, Forscher erhielten Einblicke in Unternehmen und die Chance, ihre Forschung in die Gesellschaft zu übertragen, Unternehmen wiederum erhielten neue Erkenntnisse und Innovationen.

Arno Meermann, CEO University Industry Innovation Network, beim i2c Summit 2018 in der Technischen Universität Wien

Kultur des Scheiterns

Laut einer großen europäischen Studie werde die Valorisierung von universitären Tätigkeiten in der EU derzeit nicht als besonders wichtig wahrgenommen. In den USA herrsche dagegen eine andere Ansicht vor, meint Meermann. Entscheidend dabei sei unternehmerisches Denken, das bereits in der Schule vermittelt werde. Außerdem gebe es außerhalb Europas eine andere Einstellung zum Umgang mit Risiken. Die vielbesagte "Kultur des Scheiterns" sei in Europa nicht sehr ausgeprägt. Dennoch gebe es auch in Europa positive Beispiele, wie Universitäten und Privatunternehmen von der Zusammenarbeit profitieren.

Die Universität von Twente (Niederlande) bemühe sich seit einiger Zeit etwa stark um Kooperationen. Das Engagement verlaufe höchst erfolgreich, die Universität habe eine Reihe aussichtsreicher Start-ups hervorgebracht, die seit ihrer Gründungsphase stark gewachsen seien, meint Meermann. Andererseits hebt der Keynote-Sprecher Siemens hervor. Der Konzern habe Wissenstransferzentren geschaffen und schicke Mitarbeiter aus, um Verbindungen mit Forschern aufzubauen und mögliche Kollaborationen herzustellen. "Es geht um Beziehungen, um Vertrauen, um Einsatz für die Erreichung gemeinsamer Ziele", meint Meermann. "Die Kultur und die Regulierung muss solche Verhältnisse stärken."

Ganz vorne dabei sein

Margarete Schramböck, die Bundesministerin für Wirtschaft und Digitales der neuen österreichischen Regierung, stimmt dieser Aussage zu. "Die globale Innovationsgeografie verändert sich stark. Es ist wichtig, hier Impulse zu setzen und Österreich zu einem attraktiven Standort zu machen. Die Leistungen der Universitäten müssen stärker bekannt werden. Wir müssen zeigen, dass wir ganz vorne dabei sind." Innovationen würden neue Jobs und neue Perspektiven schaffen, meint Schramböck.

Die Bundesministerin sieht Zeichen einer Reindustrialisierung, die Europa nutzen könne. Während der kommenden EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 wolle sich Schramböck u.a. für ein Vorantreiben der Forschung zu Künstlicher Intelligenz einsetzen. In Österreich sei es derzeit so, dass 57 Prozent der Großunternehmen und 30 Prozent der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) mit Universitäten kooperieren. Dabei liege man bereits über dem europäischen Durchschnitt.

Margarete Schramböck, Bundesministerin für Wirtschaft und Digitales, beim i2c Summit 2018 in der Technischen Universität Wien

"Wollen in einem coolen Land leben"

Auf diesen Zahlen ausruhen könne man sich aber nicht. "Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen. Wir können noch nicht sagen, dass Wien so ein Start-up-Zentrum ist wie etwa London oder Barcelona. Aber wir sorgen dafür, dass das in Zukunft so werden kann." Die Regierung biete Start-ups mehrere Fördermöglichkeiten an, die sie nutzen sollten. Es gäbe etwa einen Fonds für Seed-Finanzierung, einen Fördertopf für Gründungs-Fellowships und Wissensverwertungszentren.

Wer im Dschungel der Fördermöglichkeiten keinen Überblick behalte, könne genauso gut den "kurzen Weg" gehen und Schramböck eine E-Mail schicken. Der Appell der Ministerin: "Nutzen Sie diese Gelegenheit. Wir wollen in einem coolen und innovativen Land leben, wo wir alle etwas zur Entwicklung beitragen."

David Kotrba 16.02.2018