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Wie Mobilfunker das Internet der Dinge vorantreiben wollen

Ein Fahrrad, das seine Nutzer über den Verschleiß von Teilen informiert und bei Unfällen ein Hilfesignal ausschickt, Kaffeemaschinen oder Getränkeautomaten, die kommunizieren, wann sie nachgefüllt werden müssen, oder Mistkübel, die der Müllabfuhr ihren Füllstand mitteilen. Das Internet der Dinge und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation bieten Unternehmen viele Möglichkeiten Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Marktforscher sagen dem Bereich rasante Wachstumszahlen voraus, so richtig angekommen ist das Internet der Dinge bei österreichischen Unternehmen aber noch nicht.

"Heimische Unternehmen sind noch sehr zögerlich", sagt Maria Zesch von T-Mobile Austria. Beim M2M/iOT-Forum CEE 2016, das Montag und Dienstag im Wiener Rathaus stattfand, präsentierten die österreichischen Mobilfunker Lösungen, mit denen sie Firmen die neuen technischen Möglichkeiten schmackhaft machen wollen.

Plug and Play

T-Mobile und Drei setzen dabei auf eine IoT-Box. Mit der mit SIM-Karte, Antenne und Sensoren versehenen Platine können IoT-Anwendungen ohne großen Aufwand ausprobiert werden. So können beispielsweise Objekte geortet oder die Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Räumen gemessen werden. Die Daten stehen in einem Online-Portal zum Abruf bereit. Mit der IoT-Box wolle man Unternehmen die Möglichkeit geben, Anwendungsfälle für das Internet der Dinge zu erkunden, sagt Zesch: "Man ist mitten drinnen."

Ein Anwendungsbeispiel zeigte der Mobilfunker Drei gemeinsam mit der Kärntner Firma sticklett bei dem Branchentreff. Ein Sticker in Form eines Marienkäfers, der auf Babykleidung angebracht werden kann, misst Körperdaten von Kleinkindern. Werden Schwellenwerte überschritten, wird am Handy der Eltern Alarm geschlagen.

Mobilfunknetz für Maschinen

Große Hoffnungen setzen die Mobilfunker auch in den neuen Standard Narrowband IoT (NB IoT) - quasi ein eigenes Mobilfunknetz für Dinge. Die Funktechnik, die auf die Übertragung kleiner Datenmengen zugeschnitten ist, zeichnet sich durch geringen Energieverbrauch und gute Durchdringung auch in Innenräumen aus und kann über die bestehende Mobilfunkinfrastruktur genutzt werden.

Die Telekom Austria demonstrierte NB IoT gemeinsam mit dem Netzwerkausrüster Nokia bereits beim M2M-Kongress im Wiener Rathaus. Durch ein Software-Update der Netzinfrastruktur werde die Technologie ohne zusätzlichen Netzausbau verfügbar sein und landesweit IoT-Dienste und Anwendungen ermöglichen, heißt es aus dem Unternehmen. Sensoren mit langer Batterielebensdauer könnten etwa freie Parkplätze und Stromtankstellen anzeigen, aber auch in der Hochwasser-Frühwarnung zum Einsatz kommen.

Neue Geschäftsfelder

"Es können neue Geschäftsfelder erschlossen werden, die vorher wegen des hohen Energieverbrauchs nicht bedienen konnte", sagt Alexander Lautz von der Deutschen Telekom. Auch bei T-Mobile Austria wird das Schmalband-Netz intern bereits getestet. Erste Anwendungen werde es 2017 oder 2018 geben, sagt Geschäftsführerin Zesch. Die Deutsche Telekom-Tochter, die im M2M-Bereich international tätig ist, rechnet damit, noch heuer die Millionste SIM-Karte für Anwendungen im Internet der Dinge auszuliefern.

"Wir wachsen international stärker als in Österreich", sagt Zesch. Der Anteil des Geschäfts belaufe sich hierzulande noch auf einen "sehr kleinen Prozentchenbereich", langfristig solle er aber zweistellig werden. Michael Reutterer, der bei dem Unternehmen für M2M Services zuständig ist, spricht von einem "Tanzparkett-Effekt": "Jeder wartet bis die anderen zu tanzen beginnen, bevor er auch mitmacht."

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem M2M/IOT Forum CEE enstanden.

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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