Neue Riesen-Boeing der Lufthansa ist erstmals abgehoben
7 Jahre liegt das 777X-Programm von Boeing hinter dem Zeitplan. Eigentlich hätte das erste Modell der neuen Langstreckenmaschine bereits 2020 ausgeliefert werden sollen. Als Erstkunde soll die Lufthansa nun die erste Boeing 777-9 im kommenden Jahr erhalten. Und genau diese Maschine hat nun ihren Erstflug absolviert.
➤ Mehr lesen: Passagiermaschine startet senkrecht in den Himmel
3,5 Stunden in der Luft
Abgehoben ist die riesige Boeing am Seattle Paine Field. Rund 3,5 Stunden hat sie ihre Runden über den US-Bundesstaaten Washington und Oregon gedreht, bevor sie wieder zum Werksflughafen zurückgekehrt ist. Damit ist das erste Modell der neuen 777X-Serie, das auch als kommerzielle Maschine ausgeliefert wird, zum ersten Mal geflogen.
➤ Mehr lesen: Hier bremst die Boeing 777-9X brutal ab
Eckdaten der Boeing 777-9
- Erstflug: 25. Januar 2020
- Produktion: seit 2017 (Vorserie/Testflotten, laufend)
- Indienststellung: voraussichtlich 2027 (Erstkunde wahrscheinlich Lufthansa)
- Besatzung: 2 Piloten
- Kabinencrew: 10–14 Flugbegleiter (abhängig von Konfiguration)
- Passagierkapazität:
- Standard: ungefähr 426 Passagiere (typische 2-Klassen-Bestuhlung)
- Maximal: bis zu 495 Passagiere (zertifiziertes Limit)
- Länge: 76,73 Meter (Längstes Passagierflugzeug der Welt)
- Spannweite:
- Ausgeklappt im Flug: 71,75 Meter
- Eingeklappt am Boden: 64,85 Meter
- Höhe: 19,7 Meter
- Flügelfläche: ca. 517 Quadratmeter
- Max. Startgewicht (MTOW): 351,5 Tonnen Max.
- Landegewicht: 266,3 Tonnen
- Leergewicht: ca. 188 Tonnen (Operating Empty Weight)
- Treibstoffkapazität: ca. 197.977 Liter
- Reichweite: 13.500 Kilometer (7.285 nm)
- Maximale Geschwindigkeit: Mach 0,89 (≈ 1.062 km/h)
- Reiseflughöhe: 13.100 Meter (43.100 ft)
- Triebwerke: 2 × General Electric GE9X (Größtes Triebwerk der Welt)
- Schub pro Triebwerk: ca. 105.000 lbf (470 kN)
- Fahrwerk: 14 Räder (2 Bugräder + 12 Haupträder auf 2 Fahrwerksbeinen mit je 6 Rädern)
Alles gut gegangen
Die Boeing 777-9 trägt die Rumpfnummer 1781. Das künftige Lufthansa-Kennzeichen D-ABTG war angeblich ebenso bereits an der Maschine zu sehen. Noch ist sie unlackiert und ist mit dem Test-Kennzeichen WH128 unterwegs gewesen. Die Kabine soll aber bereits voll ausgestattet sein. "Das Flugzeug hat sich beim Testflug wie erwartet verhalten", sagte der Chefpilot des 777X-Programms laut einer Aussendung# von Boeing.
➤ Mehr lesen: Boeing will Telefonzellen in Flugzeuge einbauen
Das Cockpit der Boeing 777-9 der Lufthansa
© Tim Stake photo / Boeing
777 statt 747
Die 777-9 soll bei der Lufthansa einerseits die Boeing 747-400 und andererseits den Airbus A340-300 ersetzen. Die älteren 747-Modelle könnten bereits mit Beginn der Wintersaison ausgemustert werden. Spätestens Ende 2027 soll keine 747-400 noch bei der Lufthansa fliegen. Einen ähnlichen Zeitplan sieht die Airline für die A340 vor.
➤ Mehr lesen: Warum jedes Boeing-Flugzeug mit einer 7 beginnt und wo die 797 bleibt
Längste Passagiermaschine
Der Airbus A380 weist eine Länge von 73 Metern auf. Die kommende Boeing 777-9 ist mit 77 Metern deutlich länger als der Superjumbo. Die riesige 777, die im kommenden Jahr in den Dienst gestellt werden soll, ist damit das längste jemals gebaute Passagierflugzeug.
➤ Mehr lesen: Warum der riesige A380 nicht als Frachtmaschine taugt
Der Trick mit dem Flügeln der 777X
Ein Hindernis für den A380 war seine enorme Flügelspannweite von fast 80 Metern. Dafür musste für den Superjumbo eine neue Gate-Kategorie geschaffen werden. Zahlreiche Flughäfen mussten für Gates mit dem "Code F" aufwendig und kostspielig umgebaut werden.
Code E geht bis zu einer Spannweite von 65 Metern und ist deutlich weiter verbreitet. Diese Gates sind unter anderem für die Boeing 747, den Airbus A350 oder frühere Boeing-777-Modelle ausgelegt. Bei der 777-9 wollten die Boeing-Ingenieure den Code-F-Fehler von Airbus nicht wiederholen und griffen dafür in die Trickkiste.
➤ Mehr lesen: 10 kuriose Dinge über den Airbus A380, die ihr noch nicht wusstet
Die Lösung: Durch das Hochklappen der jeweils 3,5 Meter langen Flügelspitzen verkürzt sich die Spannweite am Boden auf genau 64,85 Meter. Damit schlüpft die 777-9 genau unter die 65-Meter-Grenze und kann an jedem Standard-Gate parken, an dem auch eine normale Boeing 777 steht.
➤ Mehr lesen: MD-12: Der Airbus A380 Konkurrent, der nie geflogen ist