Digital Life

“Replikator in wenigen Jahrzehnten möglich”

Adrian Bowyer hat ein großes Ziel: Er möchte mit seinem RepRap-Projekt 3D-Drucker erschaffen, die in der Lage sein sollen, sich selbst zu reproduzieren. Deshalb auch der Name RepRap (Replicating Rapid Prototyper). So will Bowyer es schaffen, die Produktionsmittel in die Hände der Allgemeinheit zu legen. Am Donnerstag gastiert der Brite bei der PRINT3Dfuture-Konferenz in Wien und hält einen Vortrag über sein Schaffen (Tickets gibt es hier). Die futurezone hat Bowyer vorab zum Kurzinterview gebeten.

futurezone: Ist das Gerede von einer neuen industriellen Revolution durch 3D-Drucker übertrieben?
Bowyer: Das weiß derzeit niemand. Die Frage ist, ob 3D-Druck heute sich eher mit dem Mikroprozessor 1979 oder mit immersiver virtueller Realität 1986 vergleichen lässt. Im Falle des Mikroprozessors sind beinahe alle wilden Spekulationen von damals wahr geworden, im Falle der virtuellen Realität nicht. Ich vermute, dass 3D-Druck eher wie der Mikroprozessor ist. Warum, werde ich in meinem Vortrag in Wien ausführlich erklären.

Wird der Tag kommen, an dem in jedem Haushalt ein 3D-Drucker steht?
Nein - genausowenig wie in jedem Haushalt heute ein Computer steht. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn die 3D-Drucker einen ähnlichen Verbreitungsgrad wie PCs erreichen.

Wie stehen Sie zu Firmen, die sich an der technischen Open-Source-Basis, die sie geschaffen haben, bedienen und Geld damit verdienen?
Naja, auch ich verdiene ja Geld damit. Aber ich und meine Firma achten penibel darauf, dass all unsere Arbeit quelloffen bleibt, was bei anderen Firmen, die auf unsere Technologie aufbauen, nicht mehr so ist. Meiner Ansucht nach wird sich unser Ansatz durchsetzen, weil wir den Vorteil haben, dass jeder Mensch mit einem 3D-Drucker, egal welcher Bauart, einen RepRap bauen kann. Unsere Geräte können sich exponentiell vermehren.

Wird es je gelingen, eine sich vollständig selbst replizierende Maschine zu bauen?
Wenn Sie damit eine Maschine meinen, die 100 Prozent ihrer eigenen Teile herstellen kann, dann vermutlich nicht. Aber ich wäre nicht überrascht, wenn ein Wert von 95 Prozent innerhalb einer Dekade erreicht würde. Vergessen Sie nicht, dass Sie und ich nur 60 Prozent unserer Teile - die nicht-essentiellen Aminosäuren - selbst herstellen können. Die anderen 40 Prozent - die essentiellen Aminosäuren - müssen wir zu uns nehmen.

Wie sieht es mit dem sich selbst Zusammensetzen aus?
Auf ein Gerät, das seine eigenen Teile ausdruckt und selbst zusammensetzt, werden wir noch eine längere Zeit warten müssen. Den Grund dafür sehe ich schlicht darin, dass die besten Entwürfe aus einer kleinen Zahl sehr komplexer Teile aus verschiedensten Materialien bestehen, die jeweils in einem Zug gedruckt werden sollen. Da ist es einfacher, die fertigen Teile in einer Minute oder zwei von Hand zusammenzustecken, um einen funktionierenden Drucker zu schaffen.

Was ist die derzeit beeindruckendste Entwicklung im 3D-Druck?
Das Drucken von Teilen, die aus verschiedenen Materialien bestehen.

Wo sehen Sie derzeit das größte Potenzial für die Technologie?
Bei großen, kollaborativen Bauprojekten. Ich mag die Idee, dass hunderte von Mitgliedern einer Gemeinschaft, die alle einen 3D-Drucker besitzen, die Einzelteile für eine Brücke über einen Fluss oder ein Monument produzieren und so ein riesiges Objekt schaffen können.

Wird es jemals ein Gerät geben, das wie ein Replikator aus Star-Trek alles produzieren kann, das ein Nutzer haben will?
Naja, wir können uns Dinge vorstellen, die nicht mit den Gesetzen der Physik in Einklang zu bringen sind, solche Objekte werden wir nie produzieren können, also nein. Für Objekte, die den Naturgesetzen gehorchen, halte ich einen "Replikator" allerdings schon in wenigen Jahrzehnten für möglich. Allerdings wird es Einschränkungen geben: Man wird mit so einer Maschine zwar Objekte produzieren können, die jede beliebige Funktion gut erfüllen, sehr exakte Maße werden aber nicht möglich sein. Ein Gegenstand wird zudem nicht zu hundert Prozent genau ein zweites Mal gedruckt werden können und die Produktion wird immer eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Wie kommen SIe auf diese Einschränkungen?
Die ergeben sich, weil das nur biologisch durch genetisch veränderte, synthetische Zellen erreicht werden kann, die spezifisch und automatisch für jedes Objekt hergestellt werden müssen. Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, die erforderliche Vielfältigkeit zu erreichen.

Was ist Ihrer Meinung nach die größten Hürden, die 3D-Drucker überwinden müssen, um massentauglich zu werden?
Die Kosten sind schon fast da, wo sie hinmüssen, auch wenn sie noch etwas fallen sollten. Das einzige richtige Hindernis sehe ich in der Einfachheit der Bedienung, die noch deutlich besser werden muss.

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Markus Keßler

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