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US Navy feuert nach Jahren wieder Railgun ab

Die US Navy hat ein 27-seitiges PDF-Dokument veröffentlicht, um das Jahr 2025 Revue passieren zu lassen. So ganz beiläufig wird auf Seite 12 erwähnt, dass eine Railgun abgefeuert wurde. Illustriert ist das Ganze mit einem Foto der Railgun, die in einem hohen Winkel abgefeuert wird.

Seite 12 des Year-in-Review-Berichts der US Navy

Dass die Navy Waffen testet, ist nicht sonderlich überraschend. Dass aber nebenbei veröffentlicht wird, dass ein System reaktiviert wurde, das 2021 offiziell aufgegeben wurde, schon.

Die Informationen zu dem Test sind spärlich. Es wurden „wichtige Daten während eines Railgun-Tests gesammelt“, sagt die Navy. Der Test fand an 3 Tagen im Februar 2025 am Raketentestgelände White Sands in New Mexiko statt.

Warum gerade jetzt?

Die Frage ist: Warum reaktiviert die Navy die Railgun und berichtet erst ein Jahr später darüber? Am wahrscheinlichsten ist eine von 2 möglichen Antworten, die unterschiedlicher nicht sein können: A) Zu langweilig, um darüber zu berichten oder B) Zu geheim, um darüber zu berichten.

Ein Hinweis auf Option A könnte sein, dass der Test gemeinsam mit dem Joint Hypersonics Transition Office durchgeführt wurde. Diese Abteilung der Navy wurde 2020 gegründet, um Hyperschalltechnologien zu erforschen.

Die Railgun der US Navy wird abgefeuert.

Die Railgun könnte also lediglich genutzt worden sein, um eine kleine Nutzlast auf Hyperschallgeschwindigkeit (mindestens Mach 5 = 6.174 km/h) zu beschleunigen. So könnte man etwa rausfinden, wie sich ein bestimmtes Material oder elektronische Komponenten bei so hohen Geschwindigkeiten verhalten.

Allerdings würde es für solche Tests andere Systeme geben, die derzeit genutzt werden und nicht 4 Jahre eingemottet waren. Eines davon ist etwa ein Raketenschlitten in der Air-Force-Basis in Holloman, New Mexiko, mit dem schon Mach 8,6 erreicht wurde.

Die Trump-Klasse

Option B ist die Trump-Klasse. Im Dezember 2025 hat der US-Präsident angekündigt, die Schiffsklasse der Schlachtschiffe zurückzubringen und diese nach ihm zu benennen. Die Trump-Klasse soll laut der Ankündigung eine Railgun mit 32 Megajoule Leistung an Bord haben.

➤ Mehr lesen: Trumps „tödlichstes Kriegsschiff der Welt” hat eine Railgun

Grafische Darstellung der USS Defiant, dem ersten Schiff der geplanten Trump-Klasse.

Die 32 MJ sind interessant, weil das genau die Leistung des Navy-Prototyps war, der jetzt wieder reaktiviert wurde. Zwischen Februar 2025 (dem Test) und Dezember 2025 (Ankündigung der Trump-Klasse) ist aber ein großer zeitlicher Abstand.

Das könnte damit erklärt werden, dass erst die Railgun abgestaubt und nochmal getestet wurde, um festzustellen, ob es überhaupt Sinn macht das Konzept erneut aufzugreifen – bevor es ins Design der Trump-Klasse einfließt. Und weil die Pläne für das Schlachtschiff erst im Dezember 2025 offiziell veröffentlicht wurden, musste der Test bis dahin geheim bleiben.

Was ist eine Railgun?

Die Railgun funktioniert ähnlich wie ein Katapult. Ein Schlitten läuft zwischen 2 Schienen – daher auch der Name Railgun (rail = Schiene). Eine Schiene ist positiv, die andere negativ geladen. Durch den stromleitenden Schlitten wird der Kreislauf zwischen den beiden Schienen geschlossen.

Dadurch entsteht ein Magnetfeld. Dies erzeugt Lorentzkraft, bei der ein Magnetfeld Kraft auf bewegte Ladungen ausübt. Der Schlitten wird dadurch beschleunigt, entgegen der Richtung der Energiequelle, also hin zur Mündung der Railgun. Das Projektil auf dem Schlitten wird dadurch mit extrem hoher Geschwindigkeit weggeschossen.

Vorteile von Railguns:

  • Mehr als die 10-fache Reichweite eines normalen Geschützes möglich
  • Gelenktes Railgun-Projektil kostet weniger als 20 Prozent einer Rakete
  • Platz- und Gewichtsersparnis bei der Munition: Treibladungen für Granaten/Geschosse sind nicht mehr notwendig

Nachteile von Railguns:

  • Hohe Hitze beim Schießen beschädigt Schienen und andere Bauteile und reduziert so die Haltbarkeit
  • Hoher Anspruch an die elektrischen Systeme von Schiffen/Fahrzeugen, wegen des Energiebedarfs

➤ Mehr lesen: Was ist eine Railgun?

Schwächen von Railguns beseitigt

Nicht bekannt ist, ob der Prototyp überhaupt als Vorlage für die Schlachtschiff-Railgun dienen wird. Dieser wurde damals von BAE Systems gebaut. In der Zwischenzeit hat der US-Konzern General Atomics an Railguns weitergearbeitet und hat vor, diese in 3 Größen anzubieten: mit 3 MJ, 10 MJ und, wohl nicht ganz zufällig, mit 32 MJ.

General Atomics will Railguns in 3 Größen anbieten

General Atomics behauptet, die größte Schwachstelle von Railguns beseitigt zu haben: die Verlässlichkeit. Die hohe Abnutzung, die ein häufiges Tauschen von Kernkomponenten erfordere, sei mit den neuen Railguns kein Thema mehr.

Nachdem die US Navy und Army ihre Railgun-Projekte 2021 und 2022, aufgrund der geringeren Lebensdauer der Systeme, eingestellt haben, habe man weiter daran geforscht. Die technischen Hürden seien genommen, man könne Railguns jetzt so bauen, dass sie „von Soldaten genutzt werden können und nicht nur von Forschern im Labor“.

Kritik am Schlachtschiff-Plan

General Atomics hat jedenfalls Interesse daran bekundet, an der Trump-Klasse beteiligt zu sein. Jetzt beginnt aber gerade erst die Planungsphase für das Schlachtschiff, danach folgt die Designphase. Der Baubeginn des ersten Schiffs wird laut der Navy frühestens Anfang der 2030er-Jahre stattfinden. Es ist aber nicht auszuschließen, dass das Projekt bis dahin eingestellt wird.

Denn viele sehen darin kein benötigtes Kriegsgerät, sondern lediglich einen weiteren Versuch von Trump sich zu verewigen, nachdem seine Präsidentschaft im Jänner 2029 enden wird. Traditionell erhalten nämlich nur Flugzeugträger die Namen von US-Präsidenten, die beim Militär waren. Trump hat aber nie gedient, weshalb er aus Trotz jetzt eine neue Schiffsklasse schaffen will, die nach ihm benannt ist.

Offizielle Konzeptgrafik der Trump-Klasse von der US Navy

Unabhängig davon halten Rüstungsexperten die Rückkehr von Schlachtschiffen für keine gute Idee. Ein großes, teures Ziel sei auf den aktuellen Schlachtfeldern nicht angebracht. Hyperschallraketen, Marschflugkörper mit Stealth-Eigenschaften, Drohnenboote, Drohnenschwärme, Stealth-Fighter mit Gleitbomben und unbemannte U-Boote gehören zum aktuellen Bedrohungsszenario für Kriegsschiffe. Und je größer das Schiff, desto lukrativer ist es als Ziel für den Feind.

Kein echtes Schlachtschiff

Zudem wird kritisiert, dass die Trump-Klasse kein echtes Schlachtschiff sei, sondern lediglich ein zu groß geratener Lenkwaffen-Zerstörer. Denn Schlachtschiffe wurden im Zweiten Weltkrieg durch ihre imposanten Hauptgeschütze definiert. Die Trump-Klasse soll mit der 32-MJ-Railgun nur eine weitreichende Kanone haben, statt 9 Stück, wie damals die Schlachtschiffe der Iowa-Klasse.

Das Schlachtschiff USS Iowa feuert eine volle Breitseite ihrer 406mm-Kanonen ab. Die Aufnahme entstand bei einer Übung im Jahr 1984

Durch Antischiffsraketen haben Schlachtschiffe ihre Relevanz verloren, weil die eine viel höhere Reichweite als die Geschütze haben. Ein Schlachtschiff konnte damit schon abgeschossen werden, bevor es ansatzweise nah genug am Ziel ist, um die Kanonen einzusetzen.

Auch mit der Railgun könnte das der Fall sein. Die Navy hat damals eine Reichweite bis zu 360 km für ein 10 kg schweres Projektil angestrebt. Sowohl Russland als auch China haben mehrere Modelle von Antischiffsraketen, die über 800 km Reichweite haben.

Vorteile einer defensiven Railgun

Sinnvoller wäre es, die Railgun für defensive Aufgaben einzusetzen, so wie es schon zuvor von General Atomics beworben wurde. Durch die hohe Geschwindigkeit der Railgun-Projektile und deren Reichweite könnten damit anfliegende Raketen, Marschflugkörper und Hyperschallraketen abgefangen werden.

Das hat 2 Vorteile. Erstens, die Railgun-Projektile nehmen auf dem Schiff viel weniger Platz ein als eine Hochleistungs-Luftabwehrrakete. Es können also mehr Abwehraktionen vorgenommen werden, bevor das Schiff einen verbündeten Hafen ansteuern muss, um die Vertikalstarter mit neuen Raketen bestücken zu lassen.

Der zweite Vorteil: Eine moderne Luftabwehrrakete, wie die SM-6, kostet knapp 5 Millionen US-Dollar. Für das gelenkte Railgun-Projektil hat die Navy damals Stückkosten von 50.000 US-Dollar angestrebt. Selbst wenn sich der Preis bis zur Einführung verdreifacht, könnte man immer noch 33 Stück davon zum Preis einer SM-6 verschießen.

Ein Modell des Railgun-Projektils der US Navy

Billiger als Antischiffsraketen

Die Projektile könnten auch gegen Seeziele eingesetzt werden. Sollte sich wirklich ein feindliches Schiff in Reichweite wagen, wäre der Beschuss mit der Railgun günstiger als mit modernen Antischiffsraketen. Eine NSM RGM-184A (250 km Reichweite) kostet beispielsweise um die 2,5 Millionen US-Dollar.

Ähnliches gilt für Drohnenboote. Da die aufgrund ihrer kleinen Größe aber schaffen könnten, unbemerkt relativ nahe zu kommen, würden dafür vermutlich eher konventionelle Waffen eingesetzt werden. Im Falle der Trump-Klasse wären das etwa die 2 Mk45 127-mm-Geschütze (36 km Reichweite) und die 4 Mk38 30mm-Maschinenkanonen (5 km). Die Geschosse dafür wären weit günstiger als ein Railgun-Projektil.

Railguns andere Länder

Während die USA ihr Railgun-Projekt auf Eis gelegt hatten, haben andere Nationen weiter daran gearbeitet. Japan hat etwa ein kleineres Modell gebaut und auf dem Versuchsschiff JS Asuka montiert. Im Herbst 2025 wurde damit erstmals auf ein Seeziel geschossen. Japan hat zudem schon mehrfach angekündigt, dass die Railgun ebenso zur Luft- und Raketenabwehr genutzt werden soll.

➤ Mehr lesen: Diesen Schaden richtete eine Railgun an

Japan (hier die japanische Railgun im Bild) und China forschen aktiv an der Railgun-Technologie.

Japans Erfahrungen sollen in ein gemeinsames Railgun-Projekt mit Deutschland und Frankreich einfließen. Japan will dadurch die Entwicklung und Einführung seiner Railgun beschleunigen und Deutschland und Frankreich wollen eine Alternative zur raketenbasierten Luftabwehr bekommen. Das Bedrohungsszenario ist in diesem Fall Russland, das seit Jahren militärische und zivile Ziele in der Ukraine mit Raketen und Kamikazedrohnen angreift.

➤ Mehr lesen: Railgun gegen Russland: Deutschland und Frankreich kooperieren mit Japan

China experimentiert schon länger mit Railguns. Erstmals wurde ein Prototyp 2018 auf einem Schiff gesichtet.

Chinas Railgun Prototyp wurde bereits auf einem Schiff installiert und getestet.

Anhand der Größe ist davon auszugehen, dass damit ähnliche Leistungswerte wie beim Navy-Prototypen erreicht werden sollen, also mindestens 32 MJ. Wie weit das chinesische Railgun-Projekt fortgeschritten ist, oder ob es überhaupt noch aktiv weiterverfolgt wird, ist derzeit nicht bekannt.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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