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Wunderpanzer gescheitert? Russland „schlachtet” T-14 aus

Der T-14 Armata ist eine der mittlerweile vielen „Wunderwaffen“ Russlands. Tatsächlich bietet der Kampfpanzer innovative Features, die der amerikanische Abrams und deutsche Leopard wohl erst in 5 bis 10 Jahren bekommen werden. Und das, obwohl Armata schon 2015 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Allerdings blieb es bei Auftritten bei Paraden. Nach mehreren Verzögerungen im Zeitplan verbreitete Russland Falschmeldungen über Einsätze des T-14 in der Ukraine. Diese wurden schließlich vom Hersteller Rostec selbst widerlegt, der im März 2024 zugab, der T-14 sei nie im Kampfeinsatz gewesen – weil er zu teuer ist und der T-90, den er eigentlich ablösen soll, die effizientere Option sei.

Vorführung bei einer Rüstungsmesse: Ein T-14 im Hintergrund, ein T-90MS im Vordergrund

Jetzt gibt es neue Berichte aus Russland bezüglich des T-14-Programms. Experten werten dies als möglichen Gnadenstoß für den Armata.

Herausholen, was geht

Die Informationen dazu kommen auf der russischen Rüstungsindustrie, berichtet Army Recognition. Demnach wird der T-14 technologisch „ausgeschlachtet“. Es werde versucht, Technologien, die für den Armata entwickelt wurden, in ältere Panzer einzubauen, wie den T-90M und sogar den T-72.

Staatsnahe russische Medien, die das Thema ebenfalls aufgegriffen haben, nennen das einen pragmatischen Schritt, um die Überlegenheit am Schlachtfeld zu sichern. Durch die Technologie-Adaption würde das gelingen, ohne die hohen Kosten, die die Produktion des T-14 Armata bisher zurückgehalten hätten.

Die betroffene Technologie sind keine kleineren Komponenten, wie etwa eine neue Wärmebildkamera oder ein verbesserter Ballistikcomputer für die Zielerfassung: Es ist von Kanone und Panzerung die Rede. Das heißt: Wenn diese Komponenten jetzt massenweise in alte Panzer eingebaut werden, würden sie bei der Produktion des T-14s fehlen, was die ohnehin langsame und verzögerte Fertigung noch weiter zurückwerfen würde.

Rüstungsexperten interpretieren den Strategiewechsel so, dass der T-14 gescheitert ist und nie in signifikanten Stückzahlen hergestellt werden wird. Deshalb werde jetzt versucht, noch aus dem Projekt herauszuholen, was geht, damit die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten nicht umsonst waren.

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Kanone für T-90M

Einer der Profiteure der T-14-Entwicklung soll der T-90M sein. Der Kampfpanzer ist seit 2019 im Einsatz und die modernste Variante des T-90, der seit 1992 im Dienst ist.

Der T-90M soll die 125-mm-Kanone 2A82-1M des T-14 bekommen, sowie das Feuerkontrollsystem dafür. Die 2A82-1M ermöglicht das Abfeuern von moderner panzerbrechender Munition, die für die Kanone entwickelt wurde. Außerdem wird für die 2A82-1M die Rohr-abgefeuerte Lenkrakete 3UBK21 gebaut, die eine Reichweite von bis zu 12 km haben soll. Vergleichbare Raketen haben üblicherweise nur Reichweiten bis zu 5 km.

Der T-90M könnte mit der 2A82-1M also mehr Schlagkraft gegen feindliche Kampfpanzer bekommen. Außerdem wird für die 2A82-1M ein programmierbares Explosivgeschoss entwickelt. Dieses erlaubt Airburst: Damit zündet die Granate nicht beim Aufschlag, sondern beim Erreichen eines bestimmten Punkts. Sie kann so über dem Ziel detonieren und etwa leicht gepanzerte Fahrzeuge, Geschütze oder Soldaten hinter Deckungen und in Gräben treffen. Auch diese Granate könnte ein T-90M mit 2A82-1M vermutlich nutzen.

Dual-ERA Monolith

In Bezug auf die Panzerung ist vermutlich gemeint, dass der T-90M und T-72 Monolith bekommen könnten. Das ist die neueste Generation von Russlands Reaktivpanzerung (ERA), die für den T-14 entwickelt wurde. ERA explodiert nach außen, wenn sie getroffen wird. Die Wucht soll panzerbrechende Geschoße verformen oder so weit verlangsamen, damit diese nicht die eigentliche Stahlpanzerung durchdringen können.

Monolith wird als Dual-ERA bezeichnet. Sie soll früher zünden und so verhindern, dass das Projektil überhaupt den Panzerstahl erreicht. Wie das technisch funktionieren soll, ist derzeit nicht bekannt.

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Warum der T-14 revolutionär ist

Abgesehen von der 2A82-1M, der speziellen Munition dafür und von Dual-ERA, gibt es etliche andere Eigenschaften, die den T-14 tatsächlich zum modernsten Kampfpanzer der Welt machen – falls er jemals eingesetzt wird. Denn er ist der erste Kampfpanzer überhaupt, der einen unbemannten Turm hat.

Ist der Turm unbemannt, heißt das, dass die gesamte Besatzung in der Wanne sitzt. Alles, was zuvor direkt im Turm gemacht wurde, wird von den anderen Plätzen „ferngesteuert“. Daher wird dieses Konzept in Englisch „Remote Turret“ genannt.

Das hat mehrere Vorteile. Die Besatzung ist in der stärker gepanzerten Wanne besser geschützt. Außerdem ist sie weiter von der Munition entfernt, sollte es durch einen Treffer zu Sekundärexplosionen im Magazin im Turm kommen.

Weil der Turm nicht dauerhaft Menschen beherbergen muss, kann er effizienter gebaut werden. Der Platz kann etwa für mehr Munition genutzt werden oder man baut ihn etwas kleiner und spart so Gewicht ein.

Unbemannte Türme werden als die Zukunft der Kampfpanzer gesehen. Sowohl der M1A3 Abrams als auch der Leopard 3 sollen darauf setzen, beide befinden sich derzeit in Entwicklung. Dass Russland in diesem Punkt den westlichen Ländern 10 bis 20 Jahre voraus ist, liegt auch daran, dass schon der 1973 in Dienst gestellte T-72 einen Autolader hatte.

Der M1A2 Abrams und Leopard 2 haben keine Autolader und benötigen deshalb eine Besatzung von 4 Personen: Kommandant, Schütze, Ladeschütze und Fahrer. Ein Autolader ersetzt den Ladeschützen – das Nachladen der Kanone wird von der Maschine übernommen.

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Dadurch hat ein T-72 und alle Panzer, die darauf basieren (wie der T-90) nur 3 Mann Besatzung. Mit dem Autolader war also schon die technische Grundvoraussetzung gegeben, um die übrigen 2 Mann (Kommandant und Schütze) aus dem Turm in die Wanne zu versetzen.

1 bis 3 sind die Crew-Mitglieder im T-72. 4 ist das Karussell für den Autolader.

Leichterer Stahl

Abgesehen von der werkseitigen Integration von Monolith, soll der T-14 über weitere, innovative Schutzmechanismen verfügen. So kommt 44S-SV-SH zum Einsatz. Der neue Stahl soll 15 Prozent leichter sein als der bisher bei russischen Panzern verwendete Stahl. Dadurch kommt der T-14 auf ein Kampfgewicht von etwa 55 Tonnen.

Das ist weit weniger als moderne westliche Panzer. Der M1A2 in der aktuellen Ausführung SEPv3 und der Leopard 2A7V kommen auf über 66 Tonnen. Weniger Gewicht bedeutet potenziell mehr Geschwindigkeit, Reichweite und einen leichteren Transport zum Einsatzort. Der Armata soll bis zu 90 km/h schnell fahren können. Beim Abrams sind es 67 km/h, beim Leopard 2 ca. 70 km/h.

T-14 bei einer Parade

Aktives Verteidigungssystem Afganit

Mit Afganit ist ein aktives Verteidigungssystem (APS) fix im T-14 integriert. Dieses erkennt anfliegende Projektile und löst eine Ladung aus, die mit Splittern oder Wolframkugeln die Granate oder Rakete zerstört. Afganit ist der Nachfolger des russischen APS Arena.

Auch westliche Länder setzen mittlerweile auf APS bei Kampfpanzern. Diese werden aber nachgerüstet und sind nicht, wie beim T-14, von Anfang an im Design integriert. Die Bundeswehr hat beispielsweise vor einem Jahr den ersten Leopard 2 A7A1 bekommen, der Israels APS Trophy nutzt.

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Status der T-14-Einführung unbekannt

Wie es aktuell um den T-14 steht, ist unklar, da es gerade rund um diesen Kampfpanzer immer wieder Nachrichten aus Russland gab, die sich später als falsch oder widersprüchlich herausgestellt haben. Glaubt man dem Hersteller Rostec, wurde er im März 2024 bei der russischen Armee in Dienst gestellt. Die russische Armee und Regierung haben das bisher weder bestätigt noch dementiert.

Man weiß auch nicht, wie viele einsatzfähige Stück es derzeit gibt, abseits der Prototypen zur Erprobung. Einige Rüstungsexperten zweifeln, dass überhaupt schon ein serienreifes Exemplar gebaut wurde, sondern nur weiterentwickelte Prototypen, die für Tests und Paraden genutzt werden.

Russland wollte zuerst 2.300 T-14 anschaffen, danach waren es nur noch 100, dann 72, dann wieder 100. Der Letztstand von 2020 ist, dass vorerst nur 32 T-14 bestellt wurden, die zwischen 2023 und 2035 geliefert werden sollen.

Abgesehen von den hohen Kosten, ein T-14 soll mit einem Stückpreis von knapp 10 Millionen Euro fast 3-mal so teuer wie ein T-90M sein, dürfte es auch technische Hürden bei der Serienproduktion geben. So wurde mehrfach über Probleme mit dem Motor berichtet, weshalb u. a. der damals geplante Auslieferungstermin im Jahr 2021 geplatzt ist.

Ein T-14 Armata Panzer während einer Parade.

Auch mit den Wärmebildgeräten zur Aufklärung und Zielerfassung soll es Probleme geben. Hier und bei anderen Bauteilen des T-14s sollen westliche Komponenten fehlen.

Mit deren Verfügbarkeit wurde bei der Planung des Panzers noch gerechnet. Aufgrund von Embargos, die mit der Invasion der Krim 2014 begonnen haben und 2022 verschärft wurden, muss sich Russland nach anderen Quellen umsehen, bzw. eine Produktion im eigenen Land aufbauen. Gerade bei Hightech-Teilen, wie Platinen, Chips, Sensoren und Prozessoren, ist das kein einfaches Unterfangen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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