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Azio Retro Classic im Test: Edel-Tastatur mit Schreibmaschinen-Flair

Warum sind Tasten beim Keyboard eigentlich eckig? Wären runde Tasten nicht ästhetischer – so wie damals bei Schreibmaschinen? Diese Fragen, die sich bisher vermutlich kaum jemand gestellt hat, beantwortet Azio mit seinen „Retro Classic“-Tastaturen.

Die Keyboards gibt es kabelgebunden (190 Euro) oder als Bluetooth-Variante (226 Euro), die bei Bedarf ebenfalls per Kabel genutzt werden können. Ich habe die Bluetooth-Version im Holz-Design getestet. Alternativ gibt es die Tastatur mit Leder-Oberfläche in Schwarz oder Weiß.

Massiv & Hübsch

Auch wenn ich von Leder sehr angetan bin, spricht mich in diesem Fall die Holz-Azio mehr an. Die Holz-Oberfläche in Kombination mit den runden Tasten und der massiven Metallrahmung, verleiht dem Keyboard eine Steampunk-Ausstrahlung. Das recht hohe Gewicht von 1,6 kg trägt ebenfalls zum Retro-Feeling bei.

Die Holz-Oberfläche ist tatsächlich Holz und nicht nur Holz-Look. Allerdings ist es eine Mini-Mini-Schicht Holz, die wie ein überdimensionaler Sticker auf das eigentliche Gehäuse geklebt wurde. Beim genaueren Hinsehen konnte ich drei Stellen entdecken, an denen der Holz-Sticker eine kleine Falte geschlagen hat. Auch wenn man nach solchen Fehlern schon sehr genau suchen muss, sollte man bei einer 226 Euro teuren Designer-Tastatur nicht fündig werden.

Für Mac und Windows

Die Tastatur wird mit Mac- und Windows-Tasten ausgeliefert. Da die Abstände zwischen den runden Tasten groß genug sind, braucht man kein spezielles Tool zum Tauschen: Einfach mit den Fingern die Mac-Taste rausziehen und die Windows-Taste einsetzen. Danach wird auf der Rückseite per Schiebeschalter gewählt, ob das Keyboard im Mac- oder PC-Modus arbeiten soll.

Positiver Nebeneffekt: Falls man in Zukunft von einem Mac zu einem Windows-Rechner wechselt – oder umgekehrt – muss man kein neues Keyboard kaufen. Hoffentlich erinnert man sich dann noch, wo man die entsprechenden Wechseltasten aufbewahrt hat.

Mit und ohne Kabel

Ebenfalls an der Rückseite ist der Anschluss für das USB-C-Kabel. Ein entsprechendes, geflochtenes USB-C zu USB-A-Kabel ist im Lieferumfang enthalten. Per Schieberegler wird gewählt, ob man das Keyboard im Bluetooth- oder USB-Modus nutzen will.

In der Tastatur befindet sich ein 6.000 mAh großer Akku. Sollte es wirklich nötig sein, kann der getauscht werden. Die Zugangsklappe befindet sich an der Rückseite und ist mit zwei Kreuzschrauben gesichert. Der Akku liefert laut dem Hersteller Energie für bis zu vier Monate Laufzeit. Aufgeladen wird er entweder mit einem USB-C-Ladestecker oder mit dem mitgelieferten USB-C-Kabel, wenn man es an Computer oder Mac ansteckt.

Beleuchtung und Bauhöhe

Der Switch jeder Taste hat eine LED in der Mitte. Dadurch werden die Tasten von unten angeleuchtet und die semi-transparente Beschriftung so beleuchtet. Durch die mittige Beleuchtung ist das Licht sehr gleichmäßig. Die Helligkeit kann in drei Stufen reguliert werden. Wer will kann die Beleuchtung auch ganz ausschalten.

Das Keyboard steht auf dicken Gummifüßen, was in Verbindung mit dem hohen Gewicht sehr gut das Verrutschen verhindert. Die hinteren zwei Füße sind mit einem Drehmechanismus in zwei Stufen höhenverstellbar, um den Winkel anzupassen.

Das Azio Retro Classic ist deutlich höher als andere Tastaturen. Im Vergleich zur exzellenten Logitech G513 Carbon, die ich derzeit nutze, ist sie 1,2 cm höher. Wer sehr viel tippt oder vielleicht ohnehin schon Probleme mit seinen Handgelenken hat, sollte deshalb eine Handballenauflage nutzen. Azio bietet passende Auflagen um 65 Euro an. Auflagen anderer Hersteller gibt es ab 10 Euro – die passen aber optisch nicht unbedingt zum edlen Azio-Design.

Tippgefühl

Wer noch nie auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt hat, sollte sich von der romantischen Vorstellung verabschieden: Das Tippen war nämlich alles andere als angenehm. Zum Glück ist bei dem Azio-Keyboard kein Gewaltakt nötig, um die Tasten zu drücken.

Die mechanischen Switches der Tastatur sind angenehm. Sie sind weniger laut als die der Logitech G513 und haben einen dumpferen Klang. Die Kollegen im Großraumbüro oder der Lebenspartner werden dankbar dafür sein. Hubweg und Widerstand sind gut. Lediglich das letzte bisschen Widerstand, bevor die Taste auslöst, könnte für meinen Geschmack geringer ausfallen. In dieser Beziehung kann die Azio Retro Classic nicht mit dem Tippgefühl der GX-Blue-Switches der Logitech G513 mithalten.

Lernkurve

Durch die runde Form der Azio-Tasten liegen die Ränder dichter beieinander. Das erhöht die Gefahr, dass man unabsichtlich eine zweite Taste erwischt oder sich vertippt. Die Tasten sind auch nicht ganz so ausprägt konkav wie bei mechanischen Gaming-Tastaturen, weshalb die Finger weniger stark in die Mitte der Taste geleitet werden. Das, in Verbindung mit der ungewöhnlich großen Bauhöhe, sorgt für eine gewisse Lernkurve bei der Retro Classic Tastatur. Wer sauber tippt, ist hier im Vorteil.

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist, dass die Tastatur das ANSI- statt ISO-Format hat. Dabei ist die Enter-Taste kleiner, weil darüber die Raute-Taste liegt. Üblicherweise wird dieses Format bei Notebooks verwendet um Platz zu sparen, aber nicht bei vollwertigen Tastaturen. Beim Tippen habe ich deshalb die ersten Tage immer wieder aufs Keyboard geschaut, um die Raute-Taste zu erwischen.

Fazit

Die Azio Retro Classic sieht zwar wie eine Spielerei aus, ist aber eine durchaus gute Tastatur. Wer sich den Luxus gönnen will, muss keine Angst haben, für viel Geld nur ein hübsches Design auf mäßiger Technik zu bekommen. Die Bluetooth-Option ist ein willkommener Bonus. Für eine mechanische Tastatur halten sich die Tippgeräusche in Grenzen, was ebenfalls positiv ist.

Am meisten stört mich die Bauhöhe der Tastatur. Sie trägt zwar zum Retro-Look bei, hilft aber nicht beim ergonomischen Tippen. Wer sich die Azio Retro Classic zulegt, sollte auch in eine Handballenauflage investieren. Wer einfach nur ein Keyboard mit dem besten Tippgefühl sucht und kein Problem mit dem Design von Gaming-Keyboards hat, kriegt für weniger als 226 Euro bessere Tastaturen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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