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Vivo X80 Pro im Test: Die Riesen-Kamera ist nicht das Killer-Feature

Sich auf dem gesättigten Smartphone-Markt einen Namen zu machen, ist nicht so einfach und braucht Zeit. Vor allem aber braucht es hochwertige Geräte, mit denen man sich diesen Namen machen kann.

Genau an dieser Stelle steht Vivo derzeit. Der chinesische Smartphone-Hersteller spielt mit einem Marktanteil im einstelligen Prozentbereich in Österreich noch eine untergeordnete Rolle. Kooperationen mit Mobilfunkanbietern und großangelegte Werbeaktionen sollen das ändern.

Die Qualität der Vivo-Smartphones muss sich allerdings nirgendwo unterordnen und spielt in der obersten Liga mit. So auch das aktuelle Spitzengerät Vivo X80 Pro: Es kommt mit absoluten Flaggschiff-Spezifikationen: Ein extra-helles AMOLED; eine bemerkenswerte Zeiss-Kamera; einen leistungsstarken Snapdragon 8 Gen 1; einem Akku, der sich rasch laden lässt und einem Highlight, das sich als heimliches Spitzen-Feature herausstellt.

Aber nur weil die technischen Spezifikationen am Papier nach High-End aussehen, muss das Smartphone noch lange kein absolutes Top-Gerät sein. Ich habe getestet, ob das Vivo X80 Pro das hält, was das Datenblatt verspricht.

Pro & Contra

Pro

  • Hervorragende Kamera
  • Hochwertiges Display
  • Akku ist schnell aufgeladen
  • Bester Fingerabdrucksensor überhaupt

Contra

  • Videoqualität könnte besser sein
  • Akku könnte länger durchhalten
  • Keine eSIM
  • Relativ hoher Preis

Design und Handhabung

Auf den ersten Blick fällt natürlich das übergroße Kamera-Modul auf der Rückseite auf, das etwas unruhig wirkt. Vor allem deswegen, weil die einzelnen Linsen etwas chaotisch angeordnet sind. Geschuldet dürfte das dem mangelnden Platz sein.

Das rechteckige Modul hebt sich nicht allzu sehr vom restlichen Gehäuse ab. Besonders praktisch ist, dass das riesige Modul mittig angebracht ist, sodass das Gerät nicht wackelt, wenn es flach auf einem Tisch liegt.

Außerdem ist das Kamera-Modul verspiegelt. So kann man die Hauptkamera als Selfie-Kamera nutzen. Abgesehen davon ist die Rückseite in mattem Schwarz gehalten, das zwar schick aussieht, sich aber als ziemlich rutschig herausstellt.

Trotz des riesigen Kamera-Moduls ist das Gerät perfekt ausbalanciert und droht nicht nach vorne zu kippen, wenn man es in der Hand hält. Das X80 Pro liegt trotz seiner Größe generell gut in der Hand.

Vivo X80 Pro

Technische Spezifikationen

Vivo X80 Pro

  • Maße und Gewicht: 164,6 x 75,3 x 9,1 Millimeter, 219 Gramm
  • Display: 6,79 Zoll, LTPO3-AMOLED, 120 Hz, 1.440 x 3.200 Pixel, 500 nits (typ), 1.000 nits (HBM), 1.500 nits (peak)
  • Kamera:
    • 50 MP Hauptkamera: f/1,57, 1/1,31", PDAF, Laser AF, OIS (GVN-Sensor, Samsung)
    • 8 MP Periscope-Teleobjektiv: 5-facher optischer Zoom, f/3,4, 1/4,4", 1,0µm, PDAF, OIS
    • 12 MP Teleobjektiv: 2-facher optischer Zoom, f/1,9, 1/2,93", 1,22µm, Dual Pixel PDAF, Gimbal-OIS (IMX663-Sensor, Sony)
    • 48 MP Weitwinkel: f/2,2, 1/2,0", AF (IMX598-Sensor, Sony)
    • Video: 8K@30fps, 4K@60fps
  • Selfie-Kamera: 32 MP, f/2,45, 1/2,8", 0,8µm; Videos mit 4K@30fps
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1 (4 nm)
  • Speicher: 12/256 GB / UFS 3.1
  • Akku: 4.700 mAh, 80 Watt Charging, 50 Watt Wireless-Charging
  • Software: Android 12, Funtouch 12
  • Sonstiges: 5G, NFC, Wlan 802.11 a/b/g/n/ac/6, Bluetooth 5.2, kein Kopfhöreranschluss, Wasserschutz gemäß IP68, keine eSIM, Stereo-Lautsprecher, aptX HD
  • Farbe: Cosmic Black
  • Preis: 1.099 Euro (UVP) / gesehen ab 973 Euro

Was kann die riesige Kamera?

Vivo zeigt sich so derart stolz auf die Zusammenarbeit mit Zeiss, dass die Erwartungen an die Kamera-Qualität extrem in die Höhe geschraubt werden. Ein riskantes Spiel: Wird das X80 Pro den hohen Erwartungen nicht gerecht, kann sich schnell Enttäuschung breit machen.

Das Fotografieren mit dem neuen Vivo-Flaggschiff macht allerdings von Anfang an richtig Spaß. Die Qualität der Bilder im Standardmodus ist auf den ersten Blick richtig gut. Die Aufnahmen sind detailreich, besonders klar und von satten, natürlichen Farben sowie von einem hohen Dynamikumfang geprägt.

Weitwinkel und Zoom

Das setzt sich auch bei der Weitwinkelkamera fort. Zwar gibt es hier die üblichen kleineren Einbußen in Sachen Schärfe - vor allem im Bereich der Ränder. Allerdings können auch die Weitwinkelbilder mit einer exzellenten Qualität überzeugen.

Die Zoom-Objektive liefern ebenso Fotos, die nicht nur passabel, sondern mehr als brauchbar sind. Bei guten Lichtverhältnissen, ist der 2-fach optische Zoom eine wahre Alternative zur Hauptkamera. Auch die Qualität des 5-fach optischen Zooms kann sich sehen lassen.

Porträtmodus

Auch am Porträtmodus gibt es kaum etwas zum Aussetzen. Die Software schafft es den Vorder- vom Hintergrund korrekt zu unterscheiden und entsprechend darzustellen. Besonders gelungen wirken die Porträtbilder mit 2-fach optischen Zoom und bei Gegenlichtaufnahmen.

Dass mit dem 2-fach optischen Zoom derart hochwertige Bilder entstehen, dürfte auch an der Gimbal-Stabilisierung liegen. Anders als bei den Vorgängergeräten ist diese beim X80 Pro nämlich von der Hauptkamera zum Porträt-Teleobjektiv gewandert. 

Nachtmodus

Die Lobeshymne auf die Kamera des Vivo X80 Pro setzt sich beim Nachtmodus fort - allerdings mit einer kleinen Kritik. Denn der Night-Mode übertreibt es manchmal ziemlich. Dabei werden die Bilder zu stark aufgehellt, sodass ihnen die Natürlichkeit komplett genommen wird und die nächtliche Stimmung abhandenkommt.

Das ist allerdings halb so schlimm. Es gibt nämlich genügend Möglichkeiten, dieser Übertreibung zu entkommen, indem man etwa die Helligkeit nach unten schraubt, auf einen helleren Bereich fokussiert oder überhaupt zum Standardmodus wechselt.

Weitwinkel und Zoom bei Nacht

Hat man die passenden Einstellungen gefunden, können die Nachtaufnahmen mit dem X80 Pro mit einem hohen Maß an Detailtreue überzeugen. Auch das nächtliche Ambiente und die entsprechende Lichtstimmung wird von den Fotos besonders gut übersetzt und dargestellt.

Wechselt man auf das Weitwinkel- oder Zoom-Objektiv, geht die Qualität der Nachtaufnahmen sichtbar zurück: Die Bilder sind nicht mehr so scharf und Details gehen verloren. Die Lichtstimmung kommt aber auch beim Weitwinkel und beim optischen Zoom sehr gut rüber.

Videoqualität

Bei der Videoqualität stellt sich recht schnell ein wenig Enttäuschung ein. Nicht weil die Clips eine so schlechte Qualität haben, vielmehr deswegen, weil ich mir mehr erwartet habe.

Gemessen an anderen Android-Phones bietet das Vivo X80 Pro immer noch eine Videoqualität, die zu den besten überhaupt zählt. An die Videoqualität der iPhones kommt sie allerdings nicht heran. 

Auch wenn die optische Bildstabilisierung einen recht guten Job macht, fehlt der Hauptkamera die Gimbal-Stabilisierung. Beim X60 Pro waren damit exzellente Video mit Kameraschwenks im Gimbal-Style möglich. Zwar wird das Objektiv mit 2-fach optischen Zoom nun von einem Gimbal ruhig gehalten, bei der Videoqualität kann die Zoom-Linse allerdings nur begrenzt überzeugen.

Hilfreiche Tools für Videos

Bei guten Lichtverhältnissen liefert die Hauptkamera immer noch hochwertige Videoclips. Das Bildrauschen hält sich weitgehend in Grenzen, die Farben kommen gut rüber und die entsprechende Schärfe ist auch gegeben.

Nimmt das Umgebungslicht ab, wird die Videoqualität parallel dazu immer schlechter. In Innenräumen bei herkömmlichen Kunstlicht sind noch halbwegs gute Clips möglich. Nachtaufnahmen - etwa mit Straßenbeleuchtung - sind noch passabel, können das Bildrauschen, matte Farben und eine mäßige Bildqualität nicht verstecken.

Die Kamera-App bietet für Video zahlreiche verschiedene Aufnahmemodi, Filter und Hilfsmittel - etwa ein Teleprompter-Tool, verschiedene Stabilisierungsmöglichkeiten und das so genannte Horizontal-Line-Feature. Dabei bleiben Videos stets in der Horizontalen - auch wenn man das Handy dreht, bleibt das Bild horizontal ausgepegelt.

Kamera-Fazit

Die hohen Erwartungen an die Kamera, die Vivo im Vorfeld aufgebaut hat, können weitgehend erfüllt werden: Die Hauptkamera liefert hervorragende Bilder bei allen Lichtverhältnissen über alle Szenarien und Modi hinweg. Auch an den Fotos mit der Weitwinkel- und Zoom-Linse gibt es kaum etwas auszusetzen.

Bei der Videoqualität habe ich mir etwas mehr erwartet. Schade ist vor allem, dass das vormalige Killer-Feature durch die Gimbal-Stabilisierung nicht länger in der Hauptkamera verfügbar ist.

Unterm Strich kann das Vivo X80 Pro mit einer der besten Handykameras aufwarten. Die meisten Flaggschiff-Smartphones können damit getoppt werden, anderen Spitzengeräten ist die Kamera zumindest ebenbürtig.

Spitzen-Display

Am Display gibt es wenig auszusetzen. Mit einer Peak-Helligkeit von 1.500 nits spielt das X80 Pro auch in diesem Bereich in einer Liga mit anderen Flaggschiff-Geräten. Die Darstellung ist kristallklar und die Refresh-Rate von 120 Hz gewährleistet eine flüssige User-Experience.

Die Farben werden kontrastreich wiedergegeben, Farbton beziehungsweise Farbtemperatur können in den Einstellungen angepasst werden. Ebenso kann man sich bei der Refresh-Rate zwischen 120 Hz, 60 Hz und "Adaptiv" entscheiden.

Das heimliche Killer-Feature

Schon beim Vivo X60 Pro ist der Fingerprint-Sensor durch seine Schnelligkeit und Zuverlässigkeit positiv aufgefallen. Beim X80 Pro setzt Vivo noch ordentlich eines drauf, sodass sich der Ultraschall-Fingerabdrucksensor zum heimlichen Star des neuen Spitzengerätes entwickelt hat.

So wurde beispielsweise der Erkennungsbereich des Sensors deutlich vergrößert, die Zuverlässigkeit ist noch besser geworden, das Einrichten des Fingerabdruckes wurde grundlegend überarbeitet und der Sensor hat ein neues, praktisches Feature erhalten.

Vivo X80 Pro

Shortcuts im Fingerprintsensor

Während das Einrichten bei allen anderen Smartphones zahlreiche Scan-Vorgänge erfordert, legt man beim Vivo X80 Pro seinen Finger für nur etwa 2 Sekunden auf den Sensor und schon ist der Fingerprint eingerichtet.

Durch den riesigen Erkennungsbereich gibt es nun ein so genanntes Quick-Action-Feature. Dabei können bis zu 2 Shortcuts zu beliebigen Apps auf den Fingerprintsensor gelegt werden. Drückt man beim Fingerabdruckscan auf das Quick-Action-App-Symbol, gelangt man umgehend nach der Entsperrung zur jeweiligen Anwendung.

In Sachen Schnelligkeit und Zuverlässigkeit kommt kein anderes Smartphone an den Fingerprintsensor des Vivo X80 Pro heran: Das Entsperren funktioniert quasi in Echtzeit beziehungsweise in Bruchteilen einer Sekunde. Fehlerkennungen stellen die absolute Ausnahme dar.

Vivo X80 Pro - Fingerprint-Einstellungen

Leistung, Lautsprecher und sonstiges

Bei der Leistung braucht man sich beim Vivo X80 Pro keine Sorgen machen. Der leistungsstarke Flaggschiff-Prozessor von Qualcomm - der Snapdragon 8 Gen 1 (4 nm) - liefert für alle Nutzungsszenarien ausreichend Power.

Gegenüber den Vorgängergeräten hat das X80 Pro nun Stereo-Lautsprecher, die gar nicht mal so schlecht klingen und relativ laut aufgedreht werden können. 3,5mm-Kopfhöreranschluss gibt es keinen, ebenso wenig die Möglichkeit eine microSD-Karte zu verwenden.

Was die allermeisten User*innen wohl ganz leicht verschmerzen können, mir aber beim Vivo X80 Pro abgegangen ist, ist die eSIM. Eine solche gibt es nämlich nicht, dafür den üblichen Einschub für 2 SIM-Karten.

Vivo X80 Pro

Software und Updates

Auf dem X80 Pro läuft Android 12, darüber hat Vivo die Benutzeroberfläche Funtouch 12 gelegt. Durch Funtouch wird das Android-Betriebssystem schon ziemlich abgeändert, aber nicht gänzlich entstellt.

Im Gegenzug kann die Vivo-Oberfläche mit einer Vielzahl an individualisierbaren Einstellungsmöglichkeiten punkten, sodass sich Anzeigen, Animationen und Darstellungen oft bis ins kleinste Detail anpassen, aber auch reduzieren lassen.

Wie Vivo gegenüber der futurezone bestätigt hat, wird das X80 Pro insgesamt 3 Jahre lang - ab Erscheinungsdatum - mit regelmäßigen (meist monatlichen) Sicherheitsupdates versorgt. Ebenso wird es die nächsten 2 Android-Versionen erhalten.

Vivo X80 Pro

Akku und Aufladen

Bei dem Durchhaltevermögen des Akkus fällt das X80 Pro weder besonders positiv noch besonders negativ auf und liegt somit im Durchschnitt: Ein voller Tag geht sich ganz bestimmt aus; 2 Tage werden sich eher nur bei reduzierter Screen-Time und entsprechenden Einstellungen (reduzierte Refresh-Rate, etc) ausgehen.

Geladen ist das Vivo-Flaggschiff besonders schnell: mit bis zu 80 Watt kabelgebunden, bis zu 50 Watt kabellos. Das passende Netzteil und USB-C-Kabel sind im Lieferumfang enthalten, die 50-Watt-Wireless-Charging-Station ist optional erhältlich.

Kabelgebunden ist das Vivo X80 in 5 Minuten von 4 auf 15 Prozent aufgeladen. Nach insgesamt 15 Minuten an der Steckdose zeigt der Akku 46 Prozent an.

Kabelloses Ladestation und Lieferumfang

Kabellos geht es merklich langsamer, dafür bietet die FlashCharge-Station gleichzeitig einen praktische Handyhalterung für den Schreibtisch. Auffallend und gleichzeitig etwas nervig ist der Lüfter, der in die Wireless-Charging-Station eingebaut ist.

Im Lieferumfang sind übrigens sogar noch passende Kopfhörer enthalten - eine absolute Seltenheit mittlerweile. Die kabelgebunden In-Ear-Kopfhörer können mittels USB-C an das Smartphone angeschlossen werden. Auch verschieden große Silikon-Aufsätze sind mit dabei.

Vivo X80 Pro

Fazit

Das Vivo X80 Pro ist ein Gerät, an dem es fast nichts auszusetzen gibt. In jeglicher Hinsicht handelt es sich dabei um eines der besten derzeit erhältlichen Smartphones. Display, Leistung, Akku, Design und Verarbeitung lassen kaum Spielraum für Kritik.

Ebenso von hoher Qualität ist die Kamera: Sie liefert in nahezu allen Szenarien bei den unterschiedlichsten Lichtsituationen mit allen verschiedenen Modi und Linsen hervorragende Fotos. Ebenso ist Videoqualität im Vergleich zu anderen Android-Phones besonders hoch, hier wäre allerdings noch etwas mehr drin.

Wer das Vivo X80 Pro sein Eigen nennen will, muss allerdings ziemlich tief in die Tasche greifen: Der UVP liegt bei 1.099 Euro, gesehen wurde es bereits ab 973 Euro. Außerdem ist das Vivo-Handy bei den Mobilfunkern Drei und A1 in Kombination mit verschiedenen Handyverträgen erhältlich.

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    Florian Christof

    FlorianChristof

    Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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