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Realme GT2 Pro im Test: Papier-Smartphone mit Mikroskop-Kamera

Das Realme GT2 Pro kommt mit einer Flaggschiff-ähnlichen Ausstattung. Reicht das, um mit den Spitzengeräten mithalten zu können?

Ein Smartphone, das sich wie Papier anfühlt - so wurde das neue Flaggschiff-Handy von Realme angekündigt. Davon abgesehen soll das Realme GT2 Pro mit seiner Top-Ausstattung und einer hochwertigen Kamera als neuer Flagship-Killer herhalten.

Nun ist das Spitzengerät des aufstrebenden Herstellers auch in Österreich verfügbar. Ich habe mir angesehen, ob das Realme GT2 Pro mit anderen Top-Smartphones mithalten kann und ob es sich tatsächlich wie Papier anfühlt.

Pro & Contra

Pro

  • Ausgezeichnetes Display
  • Hervorragende Foto-Qualität bei der Hauptkamera
  • Guter Nachtmodus
  • Mikroskop-Kamera lädt zum Ausprobieren ein
  • Hohe Ladeleistung
  • Ausdauernder Akku
  • Vergleichsweise niedriger Preis

Contra

  • Weitwinkel und Porträt-Modus mit Schwächen
  • Kein Teleobjektiv für optischen Zoom
  • Kein IP-Rating für Wasserschutz
  • Kein kabelloses Laden
  • Keine eSIM

Realme GT2 Pro

Ungewöhnliche Rückseite

Mit der aufgerauten Textur auf Rückseite unterscheidet sich das Realme GT2 Pro deutlich von anderen Smartphones. Das verwendete Material ist laut Herstellerangaben ein biobasiertes Polymer, das auf Papierzellstoff basiert und sich deswegen wie Papier anfühlen soll.

Tatsächlich fühlt sich die Rückseite des Realme GT2 Pro gänzlich anders an, als Konkurrenzprodukte, die zumeist aus Glas oder klassischen Kunststoff bestehen. Das Realme-Flaggschiff erinnert eher an eine Fantasie-Mischung aus Naturkautschuk, Gummi, Latex und Kunststoff - oder so ähnlich. Ohne dem Marketing-Schmäh mit dem Papier, wäre ich nicht darauf gekommen, dass es sich wie Papier anfühlen soll.

Abgesehen von der ungewöhnlichen Materialwahl sticht noch das Kameramodul hervor, das auf einen transparenten Aufbau setzt. Außerdem hat sich der japanische Star-Designer Naoto Fukasawa mit seiner Unterschrift auf der Rückseite des Realme GT2 Pro verewigt.

Realme GT2 Pro

Technische Spezifikationen

  • Maße und Gewicht: 163,2 x 74,7 x 8,2 Millimeter; 199 Gramm
  • Display: 6,7 AMOLED, LTPO2, 120 Hz, HDR10+, 1.400 nits (peak), 1.440 x 3.216 Pixel Gorilla Glass Victus
  • Kamera:
    • 50 MP Hauptkamera, f/1.8, 1/1.56", 1.0µm, PDAF, OIS
    • 50 MP Weitwinkel, f/2.2,
    • 3 MP Microskop-Kamera, f/3.0, AF
    • Video: 8K / 4K mit maximal 60 fps / 1080p mit maximal 240 fps
  • Selfie-Kamera: 32 MP, f/2.4, 1/2.74", 0.8µm / Videos mit 1080p bei maximal 30 fps
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 8 Gen1 (4 nm)
  • Speicher: 8/128 GB, 8/256 GB, 12/256 GB, 12/512 GB UFS 3.1
  • Akku: 5.000 mAh, 65 Watt Charging, kein Wireless Charging
  • Software: Android 12, Realme UI 3.0
  • Sonstiges: NFC, Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac/6, Bluetooth 5.2, kein Kopfhöreranschluss, kein microSD-Karten-Einschub, Dual-SIM
  • Preis: 696 Euro (128 GB); 699 Euro (256 GB)

Realme GT2 Pro

Top-Display

Das OLED-Display des Realme GT2 Pro spielt in der absoluten Oberklasse mit: Es ist extrem hell, farbstark und hat eine adaptive Refresh-Rate von bis zu 120 Hz. Auch wenn es im direkten Vergleich mit der hochpreisigen Konkurrenz nicht ganz so brillant aussieht, gibt es am Display absolut nichts auszusetzen.

Das Display ragt nicht über die Ränder hinaus und schließt flach an den Kanten ab. Der Fingerprintsensor, der im Display integriert ist, funktioniert rasch und zuverlässig. Dass der Sensor einen Finger nicht korrekt erkannt hat, ist im Testzeitraum eigentlich nicht vorgekommen.

Realme GT2 Pro

Kamera mit unterschiedlicher Fotoqualität

Die Kamera des Realme GT2 Pro liefert solide und hervorragende Bilder - allerdings nicht immer. Die Fotoqualität der 50-MP-Hauptkamera kann im Standardmodus - vor allem bei guten Lichtverhältnissen - durchaus überzeugen.

Die besten Ergebnisse sind im Standardmodus möglich. Schaltet man die KI-Kamera hinzu, übertreibt es die Software meist bei der Farbdarstellung, sodass die Bilder etwas zu poppig wirken.

Weitwinkel geht in Ordnung

Fotografiert man in die Ferne und achtet nicht allzu sehr auf die Details im Vordergrund, kann auch das 50-MP-Weitwinkelobjektiv zufriedenstellende Fotos liefern. Bei der Schärfe gibt es hier allerdings kleinere Abstriche - vor allem im Nahbereich.

Realme GT2 Pro: Beispielbilder

Porträt-Modus mit deutlichen Schwächen

Die Fotoqualität des Porträt-Modus kann nicht überzeugen: Meist wird das Gesicht zu stark weichgezeichnet - auch dann, wenn man alle Verschönerungsfilter deaktiviert. Außerdem kann man die Blendenzahl, also die Stärke der Tiefenunschärfe, nicht im Nachhinein im Editor anpassen. 

Der Standardmodus liefert bei Porträts durchwegs besser Ergebnisse. Zumal in diesem Modus die Hintergrundunschärfe natürlicher und insofern deutlich schöner dargestellt wird.

links: © Florian Christof

rechts: © Florian Christof

Hauptkamera im Standardmodus (links) vs. Hauptkamera im Portraitmodus (rechts)

Passable Selfie-Kamera

Ähnliches gilt für die Selfie-Kamera, die mit 32 MP auflöst. Hier ist der Unterschied zwischen Standard- und Porträt-Modus jedoch nicht allzu stark ausgeprägt. Es empfiehlt sich also sowohl den einen als auch den anderen Modus auszuprobieren. Grundsätzlich sind mit der Selfie-Kamera des Realme GT2 Pro durch und durch herzeigbare Bilder möglich.

Selfie-Kamera im Standardmodus (links) vs. Selfie-Kamera im Porträtmodus (rechts)

Mikroskop-Kamera sorgt für Abwechslung

Auf eine Makro-Kamera verzichtet Realme beim GT2 Pro. Stattdessen gibt es eine Mikroskop-Kamera, die auf jeden Fall zum Ausprobieren einlädt. Hat man einmal herausgefunden, wie man derartige Mikroskop-Bilder am besten aufnimmt, findet man sich wieder, beim Abfotografieren aller möglichen Oberflächen.

Diese extremen Nahaufnahmen sorgen für Überraschungen und können die Details von alltäglichen Dingen spektakulär in Szene setzen.

Realme GT2 Pro: Mikroskop-Kamera

Kein optischer Zoom

Gegenüber den meisten anderen Flaggschiff-Smartphones muss man bei der Kamera des Realme GT2 Pro einen großen Abstrich in Kauf nehmen. Es gibt nämlich kein Teleobjektiv für einen optischen Zoom. Der digitale Zoom funktioniert zwar in den meisten Situationen ziemlich gut, ist aber mit einem optischen Zoom nicht vergleichbar.

Hervorragender Nachtmodus

Der Nachtmodus ermöglicht hochwertige Fotos bei Dunkelheit. Positiv ist etwa, dass sich die Software bei HDR zurückhält: Dadurch behalten die Bilder eine gewisse Natürlichkeit. Die Farben und die Atmosphäre werden entsprechend eingefangen und in einer hohen Qualität wiedergegeben.

Die Fotoqualität mit dem Weitwinkelobjektiv im Nachtmodus ist niedriger als bei der Hauptkamera. Dennoch können die Weitwinkelbilder bei Dunkelheit im Vergleich mit Konkurrenzmodellen durch und durch überzeugen, da immer noch brauchbare Bilder möglich sind.

Vom Porträt-Modus bei Nacht sollte man eher die Finger lassen. Für einen Schnappschuss oder ein Erinnerungsfoto reicht die Qualität, wirklich hochwertige Bilder sind damit aber nicht drin.

Realme GT2 Pro: Night-Mode

Fazit der Kamera

Alles in allem sind mit der Kamera des Realme GT2 Pro eindrucksvolle und zum Teil ausgezeichnete Bilder möglich. Vor allem die Bilder mit der Hauptkamera lassen kaum Wünsche offen. Der Weitwinkel ist ideal für Landschaftsaufnahmen, allerdings weniger gut für Fotos im Nahbereich geeignet. Der Porträt-Modus kommt mit einigen Schwächen und kann leider nicht wirklich überzeugen.

An der Selfie-Kamera gibt es nicht viel auszusetzen. Die Mikroskop-Kamera sorgt für Abwechslung und bringt immer wieder faszinierende Ergebnisse. Die Videoqualität ist halbwegs in Ordnung, hat allerdings mit Bildrauschen und dem nicht optimal abgestimmten Bildstabilisator zu kämpfen.

Hochwertige Ergebnisse liefert wiederum der Nachtmodus. Hier kann das Realme GT2 Pro im Grunde vollends überzeugen.

Unterm Strich könnte man sich von einem Flaggschiff-Smartphone eine Foto- und Videoqualität erwarten, die eine Spur besser und konstanter ist - vor allem beim Porträt-Modus. Im Preisbereich bis 700 Euro ist die Kamera des Realme GT2 Pro aber durch und durch konkurrenzfähig.

Realme GT2 Pro

Leistung und Software

Angetrieben wird das Realme GT2 Pro vom neuesten und stärksten Snapdragon-Prozessor. Dem stehen - je nach Modell - 8 oder 12 GB Arbeitsspeicher zur Seite. Diese Hardware in Kombination mit dem schnellen Speicherstandard UFS 3.1 machen das Gerät zu einem Smartphone, bei dem man sich über die Leistungsstärke keine Sorgen machen muss.

Als Software dient Android 12, darüber liegt die Benutzeroberfläche Realme UI 3.0, an der es nicht viel auszusetzen gibt. Vor allem die Kamera-App bietet einige Funktionen, die praktisch und bei anderen Herstellern nicht vorhanden sind.

Bezüglich Software- und Betriebssystem-Updates heißt es von Realme: "Die Smartphones der GT2-Reihe werden mit 3 Android-Versionen und 4 Jahre lang mit Sicherheitspatches bedacht."

Solider Akku

Der Akku ist mit einer Kapazität von 5.000 mAh ziemlich groß und hält dementsprechend lange durch. Eineinhalb Tage sollten drin sein. Wer ein wenig an der Refresh-Rate des Displays schraubt und die Screen-Time nicht an die Spitze treibt, wird mit einer Akkuladung auch 2 Tage durchkommen.

Beim Aufladen ist das Realme GT2 Pro schnell unterwegs, da es mit maximal 65 Watt geladen werden kann. Im Test hat es das Handy in 10 Minuten von 0 auf 33 Prozent geschafft. Die beworbenen 33 Minuten für eine Vollladung entsprechen tatsächlich der Realität.

Lieferumfang

Das 65-Watt-Ladegerät samt passendem USB-C-Kabel sind im Lieferumfang enthalten. Ebenso mit dabei ist eine Schützhülle, die vergleichsweise hochwertig wirkt und sich von den transparenten Silikon-Cases anderer Hersteller abhebt.

Realme GT2 Pro

Fazit

Nachdem der chinesische Hersteller vergangenes Jahr mit dem Realme GT noch am Anspruch eines Flagship-Killers gescheitert ist, hat sich der Nachfolger dieses Prädikat nun redlich verdient. Das Realme GT2 Pro bietet eine solide Spitzenklasse-Ausstattung, die der Konkurrenz von Samsung, Xiaomi und Google nur im Detail nachsteht, aber zu einem deutlich niedrigeren Preis zu haben ist.

Mit dem ungewöhnlichen Rückseiten-Design und der Mikroskop-Kamera hat das GT2 Pro sogar einige Features zu bieten, mit denen die Flaggschiff-Geräte der Mitbewerber nicht aufwarten können. Die Kamera ist hochwertig und kann weitgehend überzeugen, hat aber im Porträt-Modus mit kleineren Schwächen zu kämpfen.

Die Konkurrenz

Mit einem Preis von 700 Euro ist das Realme GT2 Pro wesentlich günstiger als die aktuellen Spitzengeräte von Xiaomi, Samsung, Google und Apple. Für diesen Preis gibt es jedoch so manche Flaggschiffe aus dem Vorjahr: etwa das Samsung Galaxy S21, Google Pixel 6, Vivo X60 Pro oder Xiaomi Mi 11. Auch das iPhone 12, Samsung S21 FE und Xiaomi 12X fallen in diesen Preisbereich.

Trotz kleiner Abstriche und manchen Schwächen bei der Kamera, braucht sich das Realme GT2 Pro vor diesen Mitbewerbern nicht verstecken. Die Konkurrenz ist aber trotzdem ziemlich hart und sollte ebenso in Betracht gezogen werden.  

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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