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ELGA: Gesundheitssystem wird elektronisch

Bereits heute spielt die elektronische Übermittlung von Gesundheitsdaten eine wichtige Rolle. Über zehn Mio. Befunde im Jahr werden in Österreich mittlerweile auch in digitaler Form ausgefertigt und zugestellt, rechneten Experten auf einer von Conect veranstalteten E-Health-Tagung am Montag in Wien vor. Bislang wurden die genutzten Netzwerke verschiedener Gesundheitsträger wie Krankenhäuser, Unfallambulanzen, eCard-Rechenzentren, Sozialversicherungen und Arztpraxen quasi als Insellösungen betrieben. Der Transfer von Daten über Netzwerksgrenzen hinweg soll weiter vereinfacht werden.

Gesundheitsnetz HEALIX eingebunden
Die zentrale Schnittstelle der vorhandenen Gesundheitsinfrastruktur ist der Peering Point des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Ärztekammer. Wie Peering-Point-Betreiber A1 Telekom im Rahmen der Veranstaltung bekanntgab, wurde nun erstmals auch das von den Landeskrankenanstalten von Wien, Niederösterreich und Oberösterreich sowie Energieanbietern und Tele2 betriebene HEALIX-Netzwerk in das bundesweite Gesundheitsnetz eingebunden.

„Bislang bestehende Bruchstellen in der Kommunikation zwischen verschiedenen Krankenhausnetzen sind damit bereinigt“, meint E-Health-Experte Peter Uher von A1 Telekom gegenüber der futurezone. Neben dem geschlossenen HEALIX-Netz können Krankenanstalten auch das sogenannte eHI-Net zum sicheren Austausch von Krankendaten nutzen. Ein weiteres geschlossenes Netz ist das GIN (Gesundheitsinformationsnetz), das neben Krankenanstalten auch Ärzten und Apothekern zur Verfügung steht und die Infrastrukturbasis für die eCard bildet.

ELGA nutzt bestehende Infrastruktur
Neben dem Marktführer A1 Telekom, der eigenen Angaben zufolge eCard-Infrastruktur für 80 Prozent der österreichischen Kassenärzte bereitstellt, bieten auch Tele2 und UPC sichere GIN-Netzinfrastruktur an. Als viertes großes Gesundheits-Netzwerk existiert das Corporate Network der Sozialversicherungen (CNSV), welches die Sozialversicherungsträger verknüpft und ebenfalls über den zentralen Peering Point angebunden ist.

Die bestehende Netzwerkinfrastruktur soll auch bei der ELGA-Umsetzung helfen, die Kosten nicht explodieren zu lassen. „Für ELGA können und werden wir auf diese bestehenden Netze zurückgreifen. Wir brauchen kein neues Netz“, meint Susanne Herbek, Geschäftsführerin der ELGA GmbH, bei der gestrigen E-Health-Tagung. Die ELGA-Umsetzung sieht sie auf Kurs. „Ziel bleibt es, mithilfe sektorenübergreifend eingesetzter IT die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern. Neben den behandelnden Ärzten soll vor allem auch Patienten der Umgang mit medizinischen Unterlagen und Informationen erleichtert werden“, so Herbek.

Patient entscheidet autonom
Die Angst vor dem gläsernen Patienten sei verständlich. Daher habe man bereits im Vorfeld viel mit Datenschützern und Patientenanwälten diskutiert, was auch im nun vorliegenden Gesetzesentwurf des Gesundheitstelematikgesetzes Einklang gefunden habe. „ELGA ist eine Chance, Patientenrechte zu stärken. Über Opt-out-Prozesse garantieren wir, dass der Patient über die elektronische Bereitstellung von Gesundheitsdaten selbst entscheidet. Andererseits kann durch ELGA die bislang schwierige Einsicht in eigene Patientenakten entscheidend erleichtert werden“, meint Herbek im Gespräch mit der futurezone.

Die Begutachtungsfrist für den von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) vorgelegten Gesetzesentwurf, der die ELGA-Umsetzung regeln wird, endet am 23. März 2011. Heftige Kritik kam bereits von ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger sowie Ärztekammer-Vizepräsident Artur Wechselberger. Bereits im April soll mit einem Pilotversuch zum Thema E-Medikation gestartet werden.

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Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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