Science

Noise-O-Meter: App misst Langzeitgefahr durch Lärm

Mit der Smartphone-App “Noise-O-Meter” soll erstmals einschätzbar werden, ob durch den Lärm, dem man täglich ausgesetzt ist, langfristig Gefahr für die eigene Gesundheit besteht. Zu Lärm zählt im Grunde jedes Geräusch, das man nicht hören will, egal ob laute Musik vom Nachbarn oder das Gehämmere von einer Baustelle. Um Gefahren, die durch Lärm entstehen, zu erkennen, reichen kurze Momentaufnahme jedoch nicht aus. Mit der App, die gemeinsam von TU Wien und der Firma Sophisystems entwickelt wurde, kann man Umgebungslärm mitverfolgen und so letztlich feststellen, ob die Lärmbelastung im Alltag ein gefährliches Level erreicht.

Der Wissenschaftler Horst Eidenberger von der TU Wien befasst sich unter anderem mit dem Gebiet der Psychoakustik und führt als Gutachter auch Lärmpegelmessungen durch. Dazu benötige man geeichte Instrumente, räumt Eidenberger ein. “Eine verlässliche, exakte Messung kann ein simples Handy natürlich nicht leisten.” Der Vorteil der Smartphones sei aber, dass die Menschen sie ständig bei sich hätten. Somit seien die Geräte perfekt geeignet, den Lärmverlauf über eine längere Zeit hinweg aufzuzeichnen bzw. zu beobachten.

Langzeit

Apps, die den aktuellen Lärmpegel messen, sind nicht wirklich neu. Was an Noise-O-Meter neu ist, ist die Funktion der Langzeitmessung. Denn die App misst den Lärmpegel ununterbrochen und kann auf Grundlage dieser Messungen dann abschätzen, ob es in der Umgebung gefährlich laut war oder nicht.

“Oft bemerkt man die Lärmbelästigung gar nicht - etwa im Straßenverkehr, auf dem Weg zur Arbeit”, so Eidenberger. Mit der App soll daher vor allem Bewusstsein geschaffen werden. Die Nutzer sollen dazu gebracht werden, im Zweifelsfall schädliche Angewohnheiten zu ändern.

Umstellung gefragt

Sich von eingefahrenen Abläufen im Alltag zu trennen, ist naturgemäß nicht ganz einfach. Doch wenn tatsächlich eine Gefährdung im Raum steht, müssten die Menschen sich eben umstellen, meint Florian Aigner, Sprecher der TU Wien zur futurezone. “Vielleicht zeigt sich eine besonders hohe Belastung auf dem Weg zur Arbeit, dann kann man überlegen, andere Verkehrsmittel zu wählen. Vielleicht hat man durch die App ein gutes Argument für die Verhandlung mit dem Chef, um vom Großraumbüro lieber doch in ein eigenes Zimmer zu übersiedeln.” Maßnahmen gebe es viele, die App solle “einfach bewusstseinsbildend” wirken.

Test auf zwölf Modellen

Vorerst ist Noise-O-Meter nur als Androidversion verfügbar. Die App kann im Google Play Store kostenlos heruntergeladen werden. Zuvor wurde die Software auf zwölf verschiedenen Smartphonemodellen getestet. Die Resultate sollen laut den Entwicklern ziemlich präzise gewesen sein. „Insgesamt sind die Abweichungen zwischen den Handy-Messungen und dem tatsächlichen Lärmpegel bei allen Handy-Modellen erstaunlich gering“, sagt Horst Eidenberger. Auch wenn das Handy keine medizinisch verlässlichen Aussagen liefern könne: “Für eine grobe Einschätzung, ob der eigene Alltag ausreichend ruhig oder gefährlich lärmbelastet ist, reichen handelsübliche Smartphones allemal.”

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Claudia Zettel

ClaudiaZettel

futurezone-Chefredakteurin, Feministin, Musik-Liebhaberin und Katzen-Verehrerin. Im Zweifel für den Zweifel.

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