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Privatsphäre

MyPermissions: "Wir sperren Apps digital die Haustür auf"

Plötzlich beginnt eine App auf Twitter und Facebook im Namen von Markus F. zu posten. F. hat dies der App, die lange Zeit einfach nur still vor sich hin existiert hat, offiziell erlaubt. Seine Facebook-Freunde sind genervt, F. ebenfalls, weil er sich jetzt rechtfertigen muss. Er findet den Button, mit dem man die Funktion wieder abdrehen kann, allerdings nicht. Hier kommt MyPermissions ins Spiel. Das Start-up hat sich zum Ziel gesetzt, dass Nutzer ihre Hoheit über Zugriffsberechtigungen wieder zurückerlangen.

Statt dass sich Nutzer erst umständlich durch die Privatsphäre-Einstellungen bei den sozialen Netzwerken wühlen müssen, können sie dies bequem in der App MyPermissions, die es für iOS, Android und als Browser-Version gibt, erledigen und Apps wieder verbieten, in ihrem Namen zu posten oder auf ihre Fotos zuzugreifen. Aktuell kann MyPermissions dazu auf mehr als 1,8 Millionen Apps zugreifen; darunter auch alle, die mit Facebook, Twitter, Google+, Dropbox, Instagram, Yahoo, Linkedin, Foursquare, Tumblr oder Flickr verknüpft sind.

Die Lösung existiert bereits seit Juni 2012, doch die deutsche Version der App gibt es erst seit Anfang 2015. Die futurezone sprach mit Olivier Amar, dem Gründer und Geschäftsführer.

Futurezone: Warum hat es so lange gedauert, bis eine deutsche Version der App rausgekommen ist?
Amar: Es lag an der lokalen Übersetzung in die deutsche Sprache. Da gibt es oft bestimmte Begriffe nicht, die es in anderen Sprachen sehr wohl gibt. Es war kompliziert.

Was war der Grund, warum Sie MyPermissions gegründet haben?
Ein konkreter Anlassfall bei uns im Team. Jemand von uns hatte eine App autorisiert, in seinem Namen zu posten. Die App hat daraus Vorteile gezogen, dass ihr das erlaubt wurde und hat gezielt Tweets abgesetzt im Namen unseres Kollegen. Dann haben wir begonnen, uns zu überlegen, wie man das verhindern könnte – und zwar nicht nur für diese eine App, sondern für alle.

Warum ist das aus Ihrer Sicht wichtig?
Viele Nutzer erteilen Apps Zugriff auf alles – auf ihre Fotos, auf den Standort und erlauben ihnen, in ihrem Namen zu posten. Wir öffnen ja auch nicht Fremden so einfach unsere Haustür oder erlauben Fremden, mal rasch unser Smartphone zu benutzen. Warum sperren wir als Apps die digitale Haustür auf?

In meinem persönlichen Umfeld ist das Bewusstsein für die Problematik schon sehr gestiegen, spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden.
Die Menschen klicken noch immer weiter, wenn sie einen Dienst oder eine App nutzen möchten. Sie sind zwar schon ein wenig vorsichtiger geworden, aber sie verbinden sich auf Facebook und Twitter noch immer mit extrem vielen Apps.

Bei mir waren es über 70 seit meiner Registrierung auf Facebook im Jahre 2007. Wie viele sind es im Schnitt?
30 bis 50 sind so die Regel, bei Android-Nutzern kann die Zahl aber auf 80 bis 120 hinaufgehen.

In Österreich ist die Nutzung von MyPermissions kostenlos. Wie finanziert sich Ihr Start-up?
In Japan ist unser Dienst kostenpflichtig. Dort zahlen die Menschen für den Erhalt ihrer Privatsphäre. In Deutschland erstellen wir für das Portal chip.de einen „Risiko Score“ der Apps, damit verdienen wir ebenfalls Geld.

Das heißt, Sie werten die Daten der Nutzer aus und erstellen daraus Risikoprofile?
Nein. Wir analysieren keine Nutzerdaten und sammeln auch keine Daten dazu, sondern wir sehen uns nur die Apps an, die die User installiert haben. Darauf erstellen wir dann ein Risiko-Profil.

Wie viele der Apps kann man dann aus Ihrer Sicht vertrauen, und wie viele sind böse?
Die meisten Apps sind sicher. Entwickler sind ehrliche Menschen, aber es gibt natürlich schwarze Schafe und problematische Bereiche. Das Problem ist, dass die Nutzer keine Wahl haben, welche Informationen sie den jeweiligen Apps zur Verfügung stellen. Derzeit gibt es nur „alles oder nichts“ – entweder die Nutzer stimmen zu, dass die App zugreifen darf, oder eben nicht.

Das wird schon seit längerem von vielen Seiten kritisiert, diese „alles oder nichts“-Philosophie. Geändert hat sich noch nichts.
Ja, es sollte definitiv nicht so sein. Die User sollten immer die Wahl haben.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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