B2B
05.09.2013

78 Prozent boykottieren Produkte aus moralischen Gründen

Verantwortliches Handeln ist den Österreichern bei Unternehmen laut einer aktuellen Studie wichtig. 78 Prozent haben bereits Produkte aus moralischen Gründen boykottiert.

Gute Arbeitsbedingungen, Umweltbewusstsein und Kundenorientierung ist Österreichern bei Unternehmen weit wichtiger als hohe Gewinne. Dies geht aus einer Studie hervor, die das Sozialforschungsunternehmen SORA im Auftrag der Telekom Austria durchgeführt hat. "Es geht um wesentlich mehr als die reine Ökonomie", sagte Christoph Hofinger, wissenschaftlicher Leiter des Sozialforschungsunternehmens bei der Präsentation der Studie am Donnerstag in Wien.

78 Prozent gaben an, schon einmal Produkte aus moralischen Gründen boykottiert zu haben. Unter den Gründen für den Nicht-Kauf liegt die Kinderarbeit (91 Prozent) vor der Schädigung der Umwelt (84 Prozent) und schlechten Arbeitsbedingungen (82 Prozent).

Informationsdefizite

Dass sich Produkte von Apple und Samsung oder Textildiskontern, die wegen den Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern immer wieder ins Gerede kommen, dennoch gut verkaufen, erklärt sich Hofinger unter anderem damit, dass Konsumenten nicht ausreichend informiert würden. "Wenn Themen aufkochen, hat das Konsequenzen", sagte der Sozialforscher unter Verweis auf Zuwächse bei Buchhändlern nach Berichten über die Arbeitsbedingungen in den deutschen Logistikzentren des Online-Einzelhändlers Amazon.

"Es gibt das Bedürfnis nach Information", sagte Hofinger. Dieses werde allerdings nicht ausreichend gestillt. Die Mehrheit fühle sich über Arbeits- und Produktionsbedingungen und den Umgang von Unternehmen mit der Umwelt zu wenig informiert.

Skepsis

Dass heimische Unternehmen sozial verantwortungsvoll handeln, meinen lediglich 60 Prozent der Befragten. Im Branchenvergleich liegen Lebensmittelhandel (61 Prozent) und Getränkeerzeuger (58 Prozent) an der Spitze. 42 Prozent attestieren der Telekombranche verantwortliches Handeln. Im internationalen Vergleich schneiden österreichische Firmen dennoch gut ab. 77 Prozent glauben, dass österreichische Unternehmen verantwortungsvoller handeln als internationale Firmen.

81 Prozent der Befragten bezeichneten die faire Behandlung von Beschäftigten als wesentlichen Faktor für den Erfolg eines Unternehmens. 75 Prozent sehen die Rücksicht auf die Umwelt, 65 Prozent die klare Informationen als Erfolgskriterium. Hohe Gewinne betrachten lediglich 45 Prozent der Befragten als entscheidend für den Unternehmenserfolg. Wichtiger als günstige Produkte (45 Prozent) sind den Österreichen die Qualität (86 Prozent) und der Kundenservice (81 Prozent).

Unternehmen werden von den Österreichern in punkto gesellschaftlicher Verantwortung laut der Studie jedenfalls in die Pflicht genommen. 81 Prozent sind der Meinung, dass sie ebenso wie der Staat Verantwortung für soziale Anliegen tragen.

Unternehmen im Umbruch

Das Internet fördert nach Meinung der Befragten neue Formen und Finanzierungen von Unternehmen. 83 Prozent glauben, dass gute Ideen durch die weltweite Vernetzung bessere Chancen haben. 53 Prozent denken, dass neue Finanzierungsmöglichkeiten - wie etwa Crowdfunding - bei der Umsetzung neuer Ideen helfen.

Als Erfolgskriterien für Gründer nennen 78 Prozent Kreativität und Erfindungsreichtum, gefolgt von Kommunikationsfähigkeit (52 Prozent) und der Fähigkeit zu kalkulieren (49 Prozent). Bei Start-ups sei vor allem letzteres häufig ein Problem, sagte Sozialforscher Hofinger. 80 Prozent meinen, dass es noch zu wenig Leute gibt, die aus ihren Ideen ein Unternehmen aufbauen. Mit 44 Prozent überraschend hoch ist die Anzahl derjenigen, die selbst gerne eine Unternehmen gegründet und eigene Ideen umgesetzt hätten.

future.talk

Gründer, Pioniere und die soziale Verantwortung von Unternehmen sind auch Thema beim future.talk der Telekom Austria am 8. Oktober in Wien. Heuer steht die Veranstaltung, bei der in den vergangenen Jahren unter anderem WWW-Erfinder Tim Berners-Lee und Apple-Mitgründer Steve Wozniak zu Gast waren, unter dem Titel "The Pioneer Effect". Der diesjährige Stargast der Diskussionsreihe soll kommende Woche bekannt gegeben werden.