B2B
25.02.2016

Amazon und ProSiebenSat.1 Puls  4 schmieden Werbeallianz

Die Amazon Media Group und ProSiebenSat.1 Puls 4 starten eine gemeinsame Vermarktungspartnerschaft in Österreich.

„Der Markteintritt von Amazon Media in Österreich ist offiziell. ProSiebenSat.1 Puls 4 ist ab sofort der exklusive Vermarkter des 'Amazon-Universums' für sämtliche Display- und Videowerbeformen in Österreich“, teilte das Medienunternehmen am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Es ist das erste Mal, dass Amazon mit einem externen Partner zusammenarbeitet, um Werbeplatzierungen zu verkaufen. Der US-Internet-Konzern positioniert sich im Werbebereich zunehmend als Alternative zu Google. „Bisher haben wir uns in der D-A-CH-Region vor allem auf den Aufbau unseres Werbegeschäfts in Deutschland konzentriert - aber wir haben auch Bedarf und Potenzial bei österreichischen Agenturen und Werbekunden gesehen. Wir bewerten ständig neue Geschäftsgelegenheiten, und diese schien es wert zu sein, genauer anzusehen“, begründet Philip Missler, Direktor der Amazon Media Group in Deutschland, in der aktuellen Ausgabe des Branchenmagazins „Horizont“ den Schritt nach Österreich. „Wir haben uns schließlich für die Zusammenarbeit mit ProSiebenSat.1 PULS 4 entschieden, da wir glauben, dass wir hier genau dieses Unternehmen gefunden haben“, so Missler weiter.

ProSiebenSat.1 Puls 4-Co-Geschäftsführer Michael Stix sprach von einer „proaktiven“ Kontaktaufnahme mit Amazon. „Unsere Vision ist, von Anfang an die Vermarktung von TV/Bewegtbild-Werbung und Werbung auf Amazon miteinander zu verbinden: Der Zuschauer sieht die Produkte im TV-Spot und sucht diese parallel auf dem Smartphone/Laptop im Internet, meistens auf Amazon. Erstmalig bekommt der Werbekunde diese Verbindung beider 'Welten' als Angebot exklusiv aus einer Hand“, erklärte Stix in einer Aussendung. Gemeinsam mit Amazon werden werde man bereits in Kürze Workshops für interessierte Kunden anbieten.

Vom Feind zum Freund

Die Kooperation der Puls 4-Gruppe mit Amazon kommt überraschend. Erst im Vorjahr hatte Geschäftsführer Markus Breitenecker, der auch Vorstand im Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) ist, einen Schulterschluss österreichischer Medienunternehmen und „Kampfeslust“ gegen die „Big Five“ Facebook, Google, YouTube, Amazon und Apple gefordert. Breitenecker sprach den Internetfirmen „Bedrohungspotenzial“ für den österreichischen Medienmarkt zu. Die Politik müsse schnell eine konvergente Medienregulierung beschließen, um dem Angriff der „Big Five“ standzuhalten. „Wollen wir in Zukunft verhindern, dass Google und Amazon ihre Marktdominanz missbrauchen, YouTube unsere teuer produzierten Inhalte stiehlt und der Facebook-Newsfeed ein Informationsmonopol bekommt, dann müssen wir spätestens jetzt handeln statt zu resignieren“, so Breitenecker damals.

„Frenemy“-Strategie

Am Donnerstag wollte der ProSiebenSat.1 Puls 4-Geschäftsführer Breitenecker die Partnerschaft mit der Amazon Media Group nicht weiter kommentieren. Inoffiziell hieß es aus der Sendergruppe, dass man wie schon bei der Zusammenarbeit mit YouTube eine „Frenemy“-Strategie verfolge. Die englische Wortschöpfung aus den beiden Begriffen Freund (friend) und Feind (enemy) meint die Kooperation mit Konkurrenten, auf die man geschäftlich angewiesen ist.

„Wir sehen ein stark wachsendes Interesse an E-Commerce-Advertising bei österreichischen Werbekunden. Wir wollen nun gemeinsam mit Agenturen und Kunden diesen Bereich entwickeln. Auch für uns heißt es hier 'lernen, lernen, lernen', denn bei E-Commerce-Advertising kommen neben Marketingbudgets vor allem zusätzliche Vertriebsbudgets auf Kundenseite ins Spiel - für uns eine extrem spannende Symbiose“, so Co-Geschäftsführer Stix gegenüber der APA.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, im Vorjahr einer der Adressanten von Breiteneckers Schulterschluss-Appell, meinte zur Puls 4-Amazon-Kooperation am Rande einer Sitzung des ORF-Publikumsrats nur knapp: „Ich habe immer gesagt, wir lassen uns nicht von Glasperlen beeindrucken, ob das andere machen, kommentiere ich nicht.“