B2B
02/04/2012

Datenschützer fürchten Facebook-Börsengang

Entscheidungen könnten zulasten des Datenschutzes beeinflusst werden

Der anstehende Börsengang von Facebook macht Datenschützern Angst. „Es steht zu befürchten, dass der Fokus in Zukunft auf Gewinnmaximierung gerichtet wird“, sagte Johannes Caspar, der als Datenschutzbeauftragter von Hamburg für das Online-Netzwerk zuständig ist. Der Druck der Aktionäre werde wachsen und die Entscheidungen des Unternehmens möglicherweise zulasten des Datenschutzes beeinflussen, sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Facebook hatte am späten Mittwoch seinen Börsenprospekt vorgelegt und damit den ersten Schritt zum Gang aufs Parkett getan. Der Jubel an der Wall Street war riesig, locken doch gigantische Gewinne. In der allgemeinen Euphorie stiegen selbst die Aktien anderer Internetfirmen deutlich.

"Sich an Recht und Gesetz halten"
Experten taxieren Facebooks Wert auf 100 Milliarden Dollar und sogar noch darüber hinaus. Das Unternehmen werde so hoch bewertet, weil es der Werbeindustrie die Chance gebe, Konsumenten sehr gezielt anzusprechen, sagte Datenschützer Caspar und warnte: „Das Geschäftsmodell lebt von den Daten der Nutzer.“ Neuerungen wie die jüngst eingeführte Chronik stünden in diesem Kontext: Sie sollten Mitglieder dazu anregen, noch mehr von sich preiszugeben.

Schon seit längerem sieht sich Facebook der Kritik der Datenschützer ausgesetzt. Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht Facebook beim Datenschutz stärker in der Pflicht. Als börsennotiertes Unternehmen müsse das Online-Netzwerk „umso mehr den Anspruch erfüllen, sich an Recht und Gesetz zu halten - und zwar nicht nur in den USA, sondern auch auf wichtigen Auslandsmärkten wie Deutschland“, erklärte sie am Donnerstag.

Steht im Börsenprospekt
Facebook ist die große Bedeutung des Datenschutzes für sein Geschäftsmodell bewusst: Im Börsenprospekt verweist das Unternehmen darauf, dass die Umsetzung von Gesetzen und Regulierungsbeschlüssen zu hohen Kosten führen und neue Produkte verzögern oder verhindern könnte. Zudem bestehe das Risiko, das Negativ-Berichterstattung über den Umgang mit der Privatsphäre der Nutzer dem Ruf schade.

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