B2B
05.09.2016

Der Smartphone-Markt gerät ins Stocken

Jahrelang waren Smartphones der Umsatztreiber der Elektronikbranche. Doch dieser Motor scheint nun endgültig ins Stottern zu kommen.

Als im Jänner 2007 der damalige Apple-CEO Steve Jobs das erste iPhone der Weltöffentlichkeit präsentierte, hat der Siegeszug der Smartphones begonnen. Damit wurde nicht nur der Grundstein für einen milliardenschweren Weltmarkt gelegt. Durch ein völlig neuartiges Produkt wurde auch ein neues Bedürfnis geschaffen.

Gut zehn Jahre lang gingen die Smartphone-Verkäufe steil nach oben, Quartal für Quartal konnten immer mehr neue Geräte abgesetzt werden, die Gewinne der Hersteller sprudelten. Doch damit soll es vorerst vorbei sein. Wie Analysen des Marktforschungsunternehmens IDC zeigen, geraten die weltweiten Smartphone-Verkäufe nämlich ins Stocken. Demnach sollen 2016 nur mehr 1,6 Prozent mehr Smartphones verkauft werden als im vergangenen Jahr. 2015 lag das Wachstumsplus noch bei 10,6 Prozent.

Diese Prognosen kann Monika Rosen-Philipp, Chef-Analystin der Bank Austria, gut nachvollziehen: „Wie bei jedem neu geschaffenen Markt, tritt irgendwann eine gewisse Sättigung ein. Bei Smartphones scheint dies aktuell der Fall zu sein.“ Sollte es am Smartphone-Markt künftig keine großartigen Innovationen geben, wird an sinkenden Wachstumsraten kein Weg vorbeiführen, ist sich Rosen-Philipp sicher.

Ursachen

„Einerseits können die neuen Modelle nicht länger mit radikalen Neuerungen überzeugen“, erklärt Rosen-Philipp im Gespräch mit dem KURIER. Das führe dazu, dass der Lebenszyklus der Smartphones länger wird, weil Konsumenten nicht mehr sofort das neueste Gerät haben wollen. „Andererseits drängen auch neue Produkte, etwa Smartwatches, Virtual-Reality-Brillen, Fitnessbänder oder ähnliches auf den Markt. Das bedeutet, dass das Budget, das Nutzer für elektronische Geräte einplanen, zu Ungunsten der Smartphones belastet wird.“

Laut IDC sollen die diesjährigen Smartphone-Verkäufe in den Industrienationen sogar leicht zurückgehen. Das moderate Wachstum wird ausschließlich von Schwellenländern getragen. Ein Umstand, der wohl gerade bei Apple für Nervosität sorgt. Denn der Branchenprimus, der den Großteil seines Geldes mit dem iPhone verdient, spricht durch die Hochpreisstrategie eine kaufkräftige Kundschaft an.

Diese Taktik offenbart allerdings bereits ihre Schwachstellen: Während Apples-Marktanteile – derzeit 12,9 Prozent – leicht rückläufig sind, können Hersteller, die auf Googles Betriebssystem Android setzen und auch günstigere Modelle anbieten, vor allem in Schwellenländern punkten. Zuletzt konnte Android seine Marktführerschaft sogar ausbauen und kommt aktuell auf einen Marktanteil von 86,2 Prozent.

Apple unter Zugzwang

Im zweiten Quartal 2016 waren die iPhone-Verkäufe erstmals seit seiner Markteinführung 2007 rückläufig. Für Analysten ist das ein Zeichen, dass Apple die Ideen ausgehen. Am Mittwoch, dem 7. September, wird Apple die nächste Generation des iPhones vorstellen. Ob das kommende Apple-Handy das Zeug für eine Trendumkehr hat, darf bezweifelt werden. Denn Gerüchten zufolge werden bahnbrechende Innovationen auch diesmal ausbleiben.