B2B
16.11.2018

Digitalisierung und KMU: Es gibt noch viel zu tun

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Österreichs Betriebe noch viel Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung haben.

Das Bewusstsein für das Thema Digitalisierung ist unter österreichischen KMU gestiegen, aber viele Unternehmen schätzen sich selbst noch nicht als reif genug für die entsprechenden Herausforderungen ein. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse aus der KMU Digitalisierungsstudie 2018, die von der Wirtschaftskammer, Hutchison Drei Austria, dem Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien und Arthur D. Little durchgeführt wurde.

Im Branchenvergleich sind vor allem Banken und Versicherungen sehr weit fortgeschritten: Sie generieren derzeit ein Drittel ihres Umsatzes über digitale Kanäle. Auch in der Transportbranche steigt die Bedeutung der Digitalisierung. „Im Finanzbereich ist zum Beispiel die automatisierte Verrechnung von Energietransaktionen von Bedeutung, in der Transport- und Verkehr-Branche werden automatisierte Prozesse immer wichtiger“, sagt Jan Trionow, CEO von Hutchison Drei Austria, in Bezug auf die beiden Branchen. Doch auch in anderen Branchen ist das Thema nicht wegzudenken: Der Tourismus profitiert laut Trionow unter anderem von Multimedia-Anwendungen, die Landwirtschaft kann auf Smart Agriculture und das Internet der Dinge setzen.

Problemfeld DSGVO

In Summe haben Österreichs KMU jedoch laut ihrer Selbsteinschätzung noch signifikanten Aufholbedarf bei der Thema Digitalisierung: Auf einer Digitalisierungsskala von 0 bis 100 Punkten geben sie sich selbst im Schnitt 27 Punkte. Sie sind sich der Herausforderungen also bewusst.

Woran liegt das? „Laut Studie ist die EU-Datenschutzgrundverordnung klar die größte Herausforderung für die heimischen KMU“, sagt Trionow: 54 Prozent der befragten Betriebe zerbrechen sich darüber den Kopf. Von 36 Prozent werden fehlende finanzielle Ressourcen als größte Herausforderung genannt – dies steht ebenfalls in Verbindung zur DSGVO, für deren innerbetriebliche Umsetzung Budget freigespielt werden musste. An dritter Stelle der größten Herausforderungen steht das fehlende Know-How: „Dementsprechend wünscht sich knapp die Hälfte der befragten Unternehmen eine Beratung zur Umsetzung der digitalen Transformation“, sagt Trionow: Daher verstehe sich sein Unternehmen inzwischen nicht nur als reiner Technologielieferant, sondern auch als Berater für Unternehmen.

Als Service für die Unternehmen gibt es unter anderem online einen „Digital-Check“ von Hutchison Drei, bei dem Unternehmen im Selbstscheck überprüfen können, wie fit sie im Bereich Digitalisierung schon sind. Zudem gibt es eine sog. „Digitalimpuls“-Veranstaltungsreihe für Unternehmen, bei der Know-How vermittelt und Best-Praxis-Beispiele präsentiert werden. Als eines dieser Beispiele nennt Trionow den Lebensmittel-Großhandel Köhldorfer aus Feldbach: „Hier wurden Logistikprozesse komplett digitalisiert“, sagt Trionow.

Neue Wege mit 5G

Den Anfang der digitalen Transformation macht dabei das Thema Infrastruktur, viel Potenzial sieht Trionow für KMU auch im kommenden Mobilfunkstandard 5G: Von der höheren Geschwindigkeit können Servicetechniker von Unternehmen zum Beispiel im Bereich der Fernwartung profitieren, die geringe Latenzzeit hilft Logistikbetrieben durch Lösungen im autonomen Fahren, die Industrie profitiert durch automatisierte Produktion in Echtzeit. „Die heutigen Netze werden nicht ausreichen, um die künftigen Anforderungen im Internet der Dinge zu erfüllen“, sagt Trionow.

Weitere Chancen sieht Trionow auch im Bereich Data Analytics, welches den Befragten der Studie ebenfalls stark nachgefragt wird: Hier könnten mit Hilfe von Big Data zum Beispiel Einzugsgebiete analysiert und Transportprozesse optimiert werden.

In Bezug auf die bevorzugten Kommunikationsform – Festnetz, Handy oder gar Videotelefonie – in Unternehmen sagt der Drei CEO, dass es in vielen Fällen wohl auf ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Technologien herauslaufen wird: Wichtig ist, dass die Lösung jeweils für das individuelle Unternehmen passt. Das Internet der Dinge wird eher auf mobile Lösungen setzen, in vielen Fällen ist das Festnetz als Rückgrat jedoch noch immer unverzichtbar. Und auch für Videotelefonie sieht Trionow viel Potenzial – Stichwort: Teleworking, mobiles Arbeiten, verteilte Standorte.

Und der Ausblick für 2019? „Nachdem 2018 die DSGVO im Fokus war, geht es im kommenden Jahr hoffentlich wieder um das Kerngeschäft“, sagt Trionow: Man solle besser die Chancen der Digitalisierung als die Risiken der Regulierung betonen.