B2B 03.12.2014

Ein österreichisches Unternehmen macht Druck

Harald Aichhorn ist CEO der Best High Pressure and Drilling Technology (BDHT) in Kapfenberg. Mit dem 340-Mitarbeiter-Unternehmen… © Bild: Gerald Reischl

Die steirische BHDT ist Weltmarktführer beim Bau von Hochdruck-Anlagen und Hochdruck-Komponenten. Nur wenige Unternehmen können Ventile erzeugen, die so hohen Druck aushalten.

Mit 10.000 Bar könnten die Hightech-Systeme Wasser in die Höhe katapultieren, 100 Kilometer wäre die entstehende Wassersäule hoch. Rein theoretisch, denn die Ventile, die das in Kapfenberg beheimatete Unternehmen BHDT erzeugt, werden in der petrochemischen und erdölfördernden Industrie verwendet, oft unter der Erd- oder Wasseroberfläche. BHDT (Best High Pressure & Drilling Technology) stellt Hochdruck-Anlagen und Hochdruck-Komponenten her, mit denen flüssige Stoffe unter Hochdruck von bis zu 10.000 Bar transportiert werden können.

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Hidden Champion

BHDT ist Weltmarktführer, einer der so genannten „Hidden Champions“ in Österreich, ein Unternehmen, das Know-how hat, das man sonst fast nicht auf dem Globus findet. „Viele wissen, wie man etwas macht. Aber es richtig zu machen, das ist das Entscheidende“, sagt Harald Aichhorn beim Rundgang durch seine Werkshallen in Kapfenberg: „Jeder weiß, wie ein Otto-Motor funktioniert, aber einen guten Motor bauen, das können nicht viele.“ Auf fast 23.000 Quadratmetern, aufgeteilt auf drei Werke (zwei in Kapfenberg, eines in Hönigsberg), produziert BHDT Hochdrucksysteme wie Pumpen, Wasserstrahlschneider und verschiedene Arten von Ventilen. Die größten Ventile können hunderte Kilogramm schwer sein. Die Kunden heißen Borealis, Exxon, Hyundai, Bosch oder BASF.

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BDHT - Werk in Kapfenberg © Bild: Gerald Reischl

Eingesetzt werden die Erzeugnisse etwa in Polyethylen-Anlagen, da man bei der Erzeugung dieses Kunststoffes hohen Druck benötigt. Getestet werden die Ventile gleich im Werk. Der große Ventilprüfstand befindet sich quasi im Keller der Hallen.

Rekorde bei Rohrsystemen

Die BHDT GmbH erzeugt auch Rohrsysteme. Die Rohre können eine Länge von bis zu 21 Meter haben. „Die Bohrungen haben auf diese Länge eine Abweichung von maximal einem Millimeter. Alle Rohre werden zur Qualitätssicherung ultraschallgeprüft“, erklärt Aichhorn.

Eine weitere Nische für BHDT sind Systeme für das Tieflochbohren in der erdölfördernden Industrie. „Je tiefer die Förderanlagen sind, desto besser für BHDT“, so Aichhorn: „Wenn der Druck zunimmt, kommen unsere Systeme ins Spiel.“ In der Arktis etwa sei man mit Bohrtiefen konfrontiert, die Öl aus 8000 Metern Tiefe zutage bringen.

2009 wurde auch die BHDT Service GmbH gegründet. „Wir lassen den Kunden nicht allein“, so Aichhorn. „Wenn wir ein Bauteil liefern, bieten wir auch Service- und Health-Checks an und während der Aufbauphase kann ein BHDT-Expertenteam dabei sei, das die Anlagen in Betrieb nimmt.“

Devise: Selbst entwickeln

„Unsere Philosophie ist, nicht alles zuzukaufen, sondern selbst zu entwickeln“, sagt Aichhorn. Und dazu benötige man gute Mitarbeiter, „und um die zu bekommen, braucht man gute Kontakte zu Hochschulen.“ Als Vorbild sieht sich Aichhorn nicht – „Vorbild hin, Vorbild her, man darf kein Vorbild brauchen, um erfolgreich zu sein.“

Für Jungunternehmer hat er auch Tipps parat: „Es ist wichtig, beharrlich zu sein, man darf nie den Blick für die Realität verlieren. Freak zu sein, reicht alleine nicht. Man muss eine Idee gemeinsam mit Menschen realisieren, denen man vertraut. Denn oft verstehen Menschen zwar etwas von der Sache, nicht aber vom Geschäft.“ Im Nachsatz: „Scheitern ist keine Schande. Ich glaube kaum, dass es einen Unternehmer gibt, der nicht sein Waterloo hatte.“ Sein Geld würde er nur in Startups und Bereiche investieren, mit denen er sich auskennt.

Volles Risiko

Aichhorn ist viel Risiko eingegangen, als er 1995 als Sanierer gekommen und nach einem halben Jahr das Unternehmen gekauft hat. „Jeder ist eitel, meine Eitelkeit ist nicht, dass ich in den Medien vorkommen will, meine ist, als Unternehmen gewachsen zu sein, ein tolles Betriebsergebnis und Erfolg zu haben. Freilich ist man stolz auf seine Produkte, aber primär zählt für einen Unternehmer das Ergebnis.“ Das setzte voraus, dass man als Firmenchef streng ist; aber nicht als Person, sondern in der Sache.

Kunden auf allen Kontinenten

Die Böhler Hochdruck Technik wurde 1958 gegründet, 1992 wurde das Unternehmen aus dem Böhler-Uddeholm Verbund ausgegliedert und zu einer eigenen GmbH. 1995 wurde Harald Aichhorn als Sanierer gerufen und hatte den Auftrag, das Unternehmen entweder zu schließen oder zu verkaufen. „Ich habe mich dann dazu entschieden, das Unternehmen zu kaufen“, erzählt Aichhorn. 2008 ließ er nach Ablauf der Namenslizenz den Namen ändern und da hatte der Manager einen genialen Einfall. Da die Webadresse bhdt.at/bhdt.com bereits eine installierte Domain und daher vorgegeben war, musste sich auch der neue Firmenname aus diesen Buchstaben zusammensetzen. Und so hatte Aichhorn die Idee zur Best High Pressure and Drilling Technology.

100 Millionen Euro Umsatz

Das Unternehmen hat 340 Mitarbeiter, der Jahresumsatz beträgt etwa 100 Millionen Euro, der Gewinn ist laut Aichhorn „zufriedenstellend“. Der Exportanteil liegt bei 95 Prozent, bei Lösungen für die Petrochemie sogar bei 100 Prozent. Beliefert werden alle Kontinente bis auf Australien.

Neben der BHDT ist die „Dr. Aichhorn Group“ auch Eigentümer der Hitzinger GmbH in Linz, die Aggregate, Generatoren und USV-Anlagen für Flughäfen erzeugt. Auch „Metall & Technik Völkl“ – das Unternehmen hat sich auf Stahlbau und Tunnelsicherheitstechnik spezialisiert – steht im Besitz der Aichhorn-Gruppe.

Erstellt am 03.12.2014