B2B
03/07/2019

Erste 5G-Frequenzen wurden für 188 Millionen Euro versteigert

Sieben Bieter haben 5G-Frequenzen zwischen 3,4 und 3,8 Gigahertz ersteigert. Die geheime Auktion dauerte drei Wochen.

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) hat am Donnerstag das Ergebnis ihrer jüngsten Frequenzauktion bekanntgegeben. Versteigert wurden insgesamt wurde ein Spektrum im Umfang von 390 MHz im Bereich 3,4 bis 3,8 Gigahertz versteigert. Die Frequenzen werden für den neuen Mobilfunkstandard 5G verwendet. Insgesamt hat die RTR dabei exakt 187.689.576 Euro eingenommen.

Sieben erfolgreiche Bieter

A1 hat Frequenzen im Wert von 64,3 Millionen Euro ersteigert, T-Mobile hat 56,9 Millionen Euro ausgegeben, Drei 51,9 Millionen Euro. Die drei großen Mobilfunker sind in allen der 12 Zonen - in die das Bundesgebiet für die Auktion aufgeteilt wurde - präsent. Regionale Frequenzen wurden von Mass Response, Liwest, Salzburg AG und der Holding Graz ersteigert. Die bis heute geheim gehaltene Auktion hat laut RTR am 12.2. begonnen und dauerte insgesamt drei Wochen. Zur Geheimhaltung habe man sich entschieden, weil die Auktion online abgewickelt wurde und man Cyberangreifern kein Ziel bieten wollte.

"Österreich in 5G-Spitzengruppe"

RTR-Chef Johannes Gungl ist mit der Auktion sehr zufrieden. "Wir wollten möglichst rasch ideale Bedingungen für Bevölkerung und Wirtschaftsstandort sicherstellen. Wir haben sehr viel Spektrum zur Verfügung gehabt - mehr als viele andere Länder. Wir haben ein niedriges Mindestgebot von 30 Millionen Euro festgelegt, um Investitionen zu fördern. Aus unserer Sicht haben wir diese Ziele erreicht. Österreich ist damit in der 5G-Spitzengruppe."

A1-CEO Marcus Grausam kommentiert den Abschluss der Auktion so: "Mit dem Ergebnis dieser Spektrumauktion ist der Startschuss für 5G in Österreich gefallen. Wir entwickeln bereits jetzt gemeinsam mit Partnern und Experten Dienste, die die Technologie von 5G nutzen."

T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth zeigt sich aufgrund der Möglichkeiten des neuen Standards begeistert: "5G ist wie eine 40-spurige Autobahn im Vergleich zum zweispurigen LTE." Der Mobilfunker will sein 5G-Netz bereits bald nach Zustellung des Frequenzbescheides der RTR starten. 25 Masten mit 5G-Sendern stünden dafür bereit. Kunden will man zunächst 5G-fähige Router zur Verfügung stellen. Mit 5G-fähigen Smartphones am Massenmarkt rechnet Bierwirth erst ab 2020 bis 2021. T-Mobile will die Versorgungsauflagen der RTR auf jeden Fall übertreffen. Bierwirth: "Bis 2020 wird es weltweit 50 Milliarden vernetzte Geräte geben. Unser Ziel ist es, den 5G-Ausbau in Österreich schnellstmöglich durchzusetzen."

Spusu baut eigenes Netz auf

Das Unternehmen Mass Response hat im ländlichen Niederösterreich und Burgenland (ohne den Raum St. Pölten) einen Frequenzblock von 30 MHz - den kleinsten in der Auktion - erworben. Damit soll die eigene Mobilfunkmarke Spusu, die bisher als virtueller Mobilfunkprovider (MVNO) ausschließlich das Netz von Drei benutzte, ein zusätzliches eigenes 5G-Mobilfunknetz aufbauen.

Spusu-Geschäftsführer Franz Pichler meint in einer Presseaussendung: "Seit unserem Marktstart vor knapp 4 Jahren sind wir rasant und konstant gewachsen und freuen uns, auf sehr treue Kunden zählen zu können. Gemessen am Kundenzuwachs sind wir der Spitzenreiter in Österreich. Dieser Erfolg ermöglicht uns, spusu als vierten Netzbetreiber Österreichs zu etablieren."

Flächenversorgung kommt erst

Die aktuell versteigerten 5G-Frequenzen bezeichnet Gungl als "5G-Pionierband". 2020 soll die nächste Frequenzversteigerung folgen. Dabei werden die Frequenzen 700, 1500 und 2100 MHz vergeben werden. Gemeinsam bilden sie das "Multiband 2020". Gungl: "Dabei geht es um Flächenversorgung. Die Versorgungsauflagen werden dabei mehr als jetzt im Vordergrund stehen."

Für die aktuell versteigerten 5G-Frequenzen gibt es relativ milde Versorgungsauflagen. Bis 31.12.2020 müssen alle sieben Bieter zusammen österreichweit 1000 Stationen errichten. Auf die drei großen Mobilfunker entfallen dabei jeweils 303 Stationen. Ab dem 30.6.2022 muss jeder der drei Mobilfunker jeweils 1000 Stationen betreiben. Gungl: "Das Spektrum, das wir jetzt vergeben haben, eignet sich nicht zur Flächenversorgung. Da geht es um Kapazität, um Bandbreite."

Kleiner Rest

Bei der aktuellen 5G-Auktion wurden am Ende 94 Prozent des angebotenen Frequenzspektrums versteigert. Der Rest, der übrig geblieben ist, könnte zukünftig noch vergeben werden, meint RTR-Chef Gungl. Einfach verkauft wird das restliche Spektrum aber nicht. Ein weiteres Vergabeverfahren müsste eingeleitet werden. Gungl: "Eventuell wird das bei der nächsten Auktion mitversteigert."

Auktionsdesign

Die letzte große Frequenzauktion der RTR wurde mit weniger Einvernehmen abgewickelt. Bei der Vergabe der Frequenzen für den LTE-Standard (4G) im Jahr 2013 nahm die RTR über zwei Milliarden Euro ein. Mobilfunkanbieter kritisierten den hohen finanziellen Aufwand und das komplexe Bieterverfahren. Für die Vergabe der 5G-Frequenzen wurde deshalb ein anderes, etwas einfacheres Auktionsdesign gewählt. In mehreren Konsultationsrunden und Workshops hat die RTR die Bieter auf das neue Verfahren vorbereitet.

Bei der Auktion für das "Multiband 2020" wird es laut RTR wahrscheinlich wieder ein anderes Auktionsverfahren geben. Gungl: "Jede Auktion ist sehr unterschiedlich. Das aktuelle Design hat sich ganz massiv von der LTE-Auktion unterschieden. Das kommende Design wird auch auch sehr von dem jetzigen unterscheiden, weil es um unterschiedliche Ziele geht."