B2B 23.12.2015

"Europa darf die Entwicklungen in der IT nicht verschlafen"

Joseph Reger, CTO für die EMEIA-Region bei Fujitsu © Bild: fujitsu

Beim Fujitsu Forum in München, hat die futurezone Joseph Reger, CTO bei Fujitsu für die EMEIA-Region getroffen. Im Interview erklärt er den Shift von Hardware zur Software.

Joseph Reger, CTO für die EMEIA-Region bei Fujitsu erklärt im Interview, warum die Wichtigkeit der Hardware in den Hintergrund tritt und auch die Relevanz der Software abnimmt. Denn im Enterprise-Umfeld trete man nun gegenüber den Kunden mit einer ganzheitlichen "Technology Solution" inklusive Service-Ansatz auf. Die futurezone hat Reger auf dem Fujitsu Forum in München getroffen.

Wie sieht es mit der Relevanz Europas in der globalen IT-Welt aus? Wie beurteilen Sie den Weg, den Europa gerade einschlägt?
Joseph Reger: Die aktuellen Entwicklung sind für uns in Europa eine große Chance. In den Zeiten, in denen es nur um pure IT ging, hat Europa insgesamt - mit wenigen Ausnahmen - nicht mehr viel zu melden gehabt. Jetzt aber kommt es nicht mehr nur auf die IT-Kenntnisse an. Denn jetzt geht es um die Anwendungen der IT und zwar auf eine innovative, kreative Art. Die Königsdisziplin ist eben die Anwendung der IT auf die zu lösenden Probleme. Genau das ist die Chance für Europa.

Spielen Sie damit auf den VW-Abgasskandal im Hinblick auf neue Player wie etwa Tesla an?
Die deutsche Autoindustrie bekommt gerade eine echte Chance, wenn sie die ganzen schnelllebigen Entwicklungen nicht verschläft. Zu sagen, es wäre ein Witz, wenn die Software-Unternehmen wie Google und Apple das Auto beherrschen würden, ist grob fahrlässig. Aber ich glaube, dass das mittlerweile alle erkannt haben und daran arbeiten. Also in den Bereichen, in denen Europa eine Bedeutung hat, ist die Digitalisierung tatsächlich eine Riesenchance für Europa, die ergriffen werden sollte.

Welche Geschäftsfelder sehen Sie denn beim digitalen Wandel am ehesten bedroht?
Alle gleichermaßen. Aber ich würde nicht "bedroht" sagen. Jemand dessen einzige Value-Proposition dem Kunden gegenüber ein Stück Hardware ist, ist in einer ziemlich eingeschränkten Situation. Denn das ist die Komponente, die ganz hinten dran kommt.

Meinen Sie damit das, was Sie im Enterprise-Geschäft als Verschiebung von der Hardware zur Software bezeichnen?
In der Tat. Die Vorgehensweise, dass man im B2B-Bereich Hardware durch Software ersetzt gibt es nicht. Die beiden liegen nämlich hinter einem Service-Ansatz. Noch lange bevor die Hardware durch Software ersetzt wird, wird das Produkt zu einem Service-Projekt. In diesem Projekt wird allerdings der Anteil der Hardware sinken und der Anteil der Software steigen. Der Kunde bezahlt dann den Service, also die gebündelte Leistung, die wir als "Technology Solution" bezeichnen.

Und welche Trends sind derzeit im Bereich Software zu beobachten?
Mobile läuft seit einiger Zeit schon. Durch die Mobile-Entwicklung kam eine Relativierung der Hardware, der Geräte und auch der Marke. Das ist völlig gegenläufig zum Consumer-Markt, denn dort ist die Marke alles und es gibt kaum Services. Im Enterprise-Umfeld ist das gänzlich anders, da zählt die Service-Komponente und die Leistung.

Wie steht es dabei um Open-Source-Software im Enterprise-Bereich?
Nehmen wir als Beispiel eine cloudbasierte Lösung im Umfeld des Internets der Dinge, die zahlreiche Sensoren mitverwaltet und Echtzeit-Daten aus mehreren Quellen von Drittanbietern auswertet. In so einer Konstellation entsteht eine Lage, bei der der IT-Stack derartig vielschichtig wird, dass man sich fragen muss, wer welche Teile entwickelt. Das, was die Community zu einem solchen Projekt beitragen kann und dafür produziert, ist recht robust und zuverlässig, sodass es auch verwendet werden kann. Aber für den Anwendungsfall ist es eben nicht perfekt. Bei Open-Source-Development sind viele sehr gut ausgebildete Experten am Werk, aber nicht unbedingt vielleicht diejenigen, die es für genau diese spezielle Anwendung braucht. Das soll aber bitte nicht negativ verstanden werden.

Es gibt also gewisse Anwendungsfälle, bei denen Open Source nicht zielführend ist?
Genau. Bei Fujitsu diskutieren wir immer, wo es Sinn macht und wo dabei die Grenzen sind. Bei Open-Source-Development muss man die Entwicklungen auch der Community wieder zurückgeben. Das tun wir auch und mittlerweile sind wir der elft-größte Contributor zu Open-Stack.

Würden Sie sagen, dass in Zukunft die Innovationen eher von der Software ausgehen werden, als von der Hardware?
Nein, das würde ich nicht sagen. Die Innovationen gehen von den Geschäftsmodellen aus und werden in die Software implementiert und dann wird die Hardware-Frage geklärt. Das ist die Reihenfolge. Sowohl Hardware als auch Software treten in den Hintergrund und im Vordergrund steht die Geschäftsinnovation.

Die futurezone ist Medienpartner beim Fujitsu Forum 2014.

( futurezone ) Erstellt am 23.12.2015