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Entwickler-Praxis
09/01/2011

"Europa ist bei Spielen sehr gut aufgestellt"

Es gibt kaum jemanden, der die europäische Computerspielbranche besser kennt als Frank Sliwka. Der Deutsche ist Mitveranstalter der Game Developers Conference Europe, dem Branchentreff für Designer und Entwickler. Heute, Donnerstag, hält er um 1900 Uhr im Museumsquartier in Wien den Eröffnungsvortrag zu „Subotron Pro Games“. Im futurezone-Gespräch spricht Sliwka über österreichische Studios, eine gute Ausbildung und Chancen für Nachwuchs-Designer.

von Benjamin Sterbenz

Vor knapp zwei Wochen fand in Deutschland zum dritten Mal die Game Developers Confernce Europe statt. Mit verantwortlich für den großen Erfolg der Veranstaltung ist Frank Sliwka, einer der Organisatoren der Messe. Seit knapp einer Dekade organisiert er Konferenzen innerhalb der Entwickler-Szene und hat über die Jahre tiefe Einblicke und weit reichende Kontakte gewonnen. Heute, Donnerstag, eröffnet Sliwka nun eine weitere Veranstaltung. Diesmal jedoch nicht als Manager hinter den Kulissen, sondern als Eröffnungssprecher einer neuen Vortragsreihe. Sliwka hält die Keynote bei „Subotron Pro Games“. Sein Thema: „Die Zukunft der Games-Industrie spielt… in Europa?“

Große Chance für Entwickler
„Europäische Entwickler haben gerade jetzt die große Chance ihre US-amerikanischen Kollegen zu überholen“, sagt Sliwka im Gespräch mit der futurezone. Durch die geänderten Marktverhältnisse und neue Geschäftsmodelle könne man wieder mithalten oder etablierte Studios überrunden. Während das klassische Geschäft mit physischen Medien zurückgeht oder zumindest stagniert, erleben App-Stores und Online-Portale einen Aufschwung. Durch Apple, Android und Facebook haben sich Vertriebskanäle entwickelt, die die Branche auf den Kopf stellen.

"Europa ist in den neuen Geschäftsfeldern sehr gut augestellt“, sagt Sliwka. In Deutschland hat man mit Bigpoint oder etwa Wooga große, internationale Player. Dies sei eine gute Basis und bringe für andere Unternehmen Vorteile und indirekt auch Erfahrung. Aus Sicht des GDC-Organisators sei Deutschland im europäischen Raum generell gut positioniert. Großbritannien etwa sei bis dato zu sehr auf große Konsolen-Produktionen fixiert gewesen, der Umschwung auf Online-Games falle dort schwerer.

Heimische Unternehmen haben guten Ruf
Österreich hingegen sei wie Deutschland gut im Geschäft. Man kennt die Kollegen und schätze ihre Arbeit. Rivalitäten wie man sie etwa aus dem Sport kennt, gäbe es keine. Wenn es Kritik gibt, dann nur jene, dass Österreich für keinen Trend steht. Das Land selbst hat in der Branche weder einen guten, schlechten oder bestimmten Ruf. Man sei für keine Strömung im speziellen bekannt. Das Land stehe nicht für eine Sache, stattdessen werden nur einzelne Firmen und deren Leistung wahrgenommen. Diese genießen aber einen sehr guten Ruf. „Sproing und Harald Riegler sind über die Grenzen bekannt. Auch weil die Firma sowohl bei Konsolen als auch im Online-Sektor schon viel geleistet hat“, sagt Sliwka.

Kleine Teams arbeiten effizienter
Für Nachwuchs-Designer und Jungunternehmer sei jedenfalls ein guter Zeitpunkt in die Branche einzusteigen. Es mag zwar auf den ersten Blick schwieriger sein, als kleines Team zu reüssieren, aber man behält sich Flexibilität und Kreativität. Laut Sliwka könne man als kleines Studio zudem einfacher überleben, da man kaum Stehzeiten und hohe Personalkosten habe. Neben dem internationalen Markt kann man als kleine Firma auch regional mit kleinen Spielen punkten.

Durch das Vorhandensein von Developer-Kits und diversen vorgefertigten Tools sei es grundsätzlich einfacher, Titel zu schaffen. Ähnlich wie in den 80er-Jahren mit dem Camcorder jeder zum Regisseur wurde, kann durch Kits und Engines jeder Spiele-Designer werden. Sliwka gibt aber zu bedenken: „Nur weil man die Werkzeuge zur Verfügung hat, ist man nicht automatisch ein Designer. Die Kunst ist, sie gekonnt und routiniert anzuwenden.“ Vergleiche mit den Anfängen der Spielebranche in den 70ern, als viele kleine Teams Spiele entwarfen, lässt er übrigens nicht zu. Damals gab es keine Distributionsinfrastruktur, keine Kits und einheitlichen Standards. Erst in den vergangenen Jahren hätte durch das Internet eine Demokratisierung stattgefunden.

Tipps für die Ausbildung
Was er dem Nachwuchs in Sachen Ausbildung raten würde? „Natürlich kann man es ohne Studium schaffen. Aber eine gute Ausbildung ist grundsätzlich immer wichtig“, sagt Sliwka. Er rät zu einem Studium an einer Technischen Universität oder einer Fachhochschule. Erfahrung und Praxis soll man so früh wie möglich nebenbei sammeln. Einen weiteren Tipp hat er noch auf Lager: „Man sollte immer im Team arbeiten. Es gibt keinen Programmierer, der nebenbei auch Kaufmännisches und Marketing gut erledigen kann“. Daher soll man sich mit dem Gedanken anfreunden, nicht alles selbst erledigen zu müssen. Teamwork sei zudem wichtig, da auch aktuelle Trendgebiete wie Social oder Mobile Games über kurz oder lang aufwendiger und komplexer in der Gestaltung und Programmierung werden.