B2B
13.09.2018

Heimische Industrie hat Aufholbedarf bei Digitalisierung

Betriebe zeigen laut dem Trendbarometer des Automatisierungsspezialisten Festo wenig Bereitschaft, sich dem digitalen Wandel zu stellen.

Österreichs Industrie droht bei der Digitalisierung ins Hintertreffen zu geraten. Das Bewusstsein für neue Technologien und der Nutzen ist gering und auch die für die Digitalisierung der Produktion notwendigen Fachkräfte fehlen. Das ist das Ergebnis des Trendbarometers der Österreich-Tochter des deutschen Festo-Konzerns für den heimische Industriebetriebe im Frühjahr 2018 zur Digitalisierung befragt wurden.

"Die Ergebnisse sind alarmierend", sagt Rainer Ostermann, der die Österreich-Niederlassung des auf Automation spezialisierten deutschen Konzerns leitet: "Neue Technologien und damit verbundene Veränderungen im Unternehmensalltag sind noch Fremdworte."

Auftragslage gut

Dabei ist die Auftraglage laut der Erhebung gut. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen spricht von Zuwächsen gegenüber dem Vorjahr. Knapp drei Viertel streben weiteres Wachstum an. Potenzial dafür sieht man hauptsächlich in neuen Produkten und Märkten. Durch neue Technologien verspricht sich knapp die Hälfte der Betriebe Einsparungspotenziale. Das Interesse an den neuen technischen Möglichkeiten fehlt aber vielerorts. 56 Prozent glauben nicht, dass die Zusammenarbeit mit Robotern in Zukunft für ihr Unternehmen relevant sein wird. Vom Einsatz künstlicher Intelligenz und Datenanalysen mit Big Data wollen 63 Prozent der befragten Unternehmen nichts wissen.

Veränderungen

Veränderungen durch die Digitalisierung spüren 77 Prozent der Unternehmen noch nicht. Bei 23 Prozent machen sich die Auswirkungen des digitalen Wandels aber bereits bemerkbar. Dort kam es bereits zu Veränderungen von Funktionen und Berufsbildern. Zwei von drei Unternehmen gaben an, dass sich der Qualifizierungsbedarf durch die Digitalisierung erhöhen werde. Betroffen davon sind vor allem Installation/Inbetriebnahme (73 Prozent), Wartung/Instandhaltung (77 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (68 Prozent).  

Knapp ein Viertel der Befragten beklagt in diesem Zusammenhang auch einen Technikermangel. Die Digitalisierung der Industrie verlange nach neuen Kompetenzen, sagt Ostermann. Berufsbilder, in denen heute ausgebildet werde, würden sich rasant weiterentwickeln. Festo stellte am Donnerstag auch sein MotionLab im 14. Wiener Gemeindebezirk vor. Dort können Industriebetriebe neue technische Lösungen gemeinsam mit Experten ausprobieren und testen.

Wettbewerbsnachteile

"Während hierzulande noch über Robotik oder künstliche Intelligenz nachgedacht wird, befinden sich Märkte wie die USA oder China schon lange in der Umsetzungsphase", mahnt Ostermann: Das sei ein Vorteil, der nur mehr schwer eingeholt werden könne.