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Umbau HP besiegelt den Untergang des PCs.

Foto: Joerg Carstensen, apa
Dienstleistung für Firmen statt Laptops und Handys für Private. Der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett Packard beschließt den Ausstieg aus dem Tablet- und Smartphone-Geschäft und überlegt sein PC-Geschäft abzuspalten. HP überlässt Apple das Feld.

"Der Tablet-Effekt ist  Realität“, so begründete Hewlett-Packard-Chef Leo Apotheker seine Pläne für einen radikalen Konzernumbau . PC-Verkäufe leiden unter dem Tablet-Boom, mit Notebooks  sei bald kein Geschäft mehr zu machen. Der Weltmarktführer bei Computern überlegt, die PC-, Tablet- und Handy-Sparte abzustoßen.

Selbst wenn der Ausstieg noch nicht besiegelt ist und das Geschäft bis auf Weiteres wie gehabt weiterläuft, ist es das offizielle Ende einer Ära.Der Personal Computer der vergangenen 20 Jahre ist tot, ein banaler, austauschbarer Alltagsgegenstand geworden.Internet-Dienste, Tablet und Smartphone sind die Zukunft.

Diese Ansicht vertrat HP – unter einem anderen Chef – bereits vor einem Jahr, als der  Handy-Hersteller Palm für 1,2 Milliarden US-Dollar übernommen wurde. Mit dem  Betriebssystem WebOS, zwei dafür maßgenscheiderten Handys und einem Tablet wollte man Apple und Google Paroli bieten und sich  Marktanteile sichern. Schlechtes  Management und Marketing machten das Konzept  zunichte. Aktuell sitzt HP auf über 250.000 unverkauften Touchpad-Tablets, die Handys „Veer“ und „Pre3“ wurden drastisch verbilligt.

Reißleine gezogen
Nun zieht der 57-jährige Deutsche mit  Unterstützung des Vorstands  die Reißleine. Am Tablet- und Smartphone-Markt hat man die Chance vertan und überlässt Apple das Feld. Ob WebOS verkauft oder lizenziert wird – HTC und Samsung werden ob der Google-Motorola-Ehe, Amazon wegen enger persönlicher Kontakte als Kandidaten gehandelt – ist noch nicht entschieden. Realistisch scheint aktuell beides nicht.

Am PC-Markt wiederum sind – trotz des Outsourcing an taiwanesische Auftragshersteller - die Preismargen zu gering. Und am chinesischen Wachstumsmarkt hat man keine Chance beziehungsweise wäre ein Auftritt mit zuviel Investitionen und Risiken verbunden.

Wie das große Vorbild IBM, das vor sechs Jahren die PC-Sparte an Lenovo abstieß, wird sich Apotheker, der zuvor den Software-Dienstleister SAP leitete, auf jene Marktsegmente fokussieren, die hohe Gewinnspannen garantieren: Software, Dienstleistungen und Server. Das lukrative Drucker-Geschäft wird bis auf Weiteres auch gehalten.

Britische Software-Firma im Visier
Der Richtungswechsel wird durch ein Kaufangebot an die britische Software-Firma Autonomy unterstrichen. Apotheker will das auf Datenbanken spezialisierte Unternehmen für 10,2 Milliarden US-Dollar kaufen.

Börsen- und Branchen-Experten reagieren auf den Wechsel tendenziell negativ. Einer der Hauptgründe: Das PC-Geschäft, das 2002 mit dem umstrittenen Kauf von  Compaq an Gewicht gewann, trägt ein Drittel zum Umsatz bei.

HP will sich jedenfalls innerhalb der nächsten 18 Monate entscheiden, ob die Computer-Sparte zur Gänze oder in Teilen verkauft wird.  So besitzt der Konzern durch den Kauf von PDA-Erfinder Palm allein über 1500 Patente, die in der Smartphone-Ära ein lukratives Nebengeschäft bieten könnten.

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(futurezone) Erstellt am 19.08.2011, 14:00

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