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06.08.2013

Mädchen berichtet von iPhone-Martyrium

Wie iPhones hergestellt werden, schildert Foxconn- Mitarbeiterin Nr. F9347140. Die Arbeiter in chinesischen Foxconn-Werken verdienen lediglich 165 Euro im Monat.

Nr. F9347140 ist heute 20 Jahre alt und nach einem Selbstmordversuch von der  Hüfte abwärts gelähmt. Sie heißt Tian Yu und sprang nach 37 Tagen Arbeit bei Foxconn aus dem vierten Stock eines Schlaftraktes für Mitarbeiter des Werkes  Longhua. Der Menschenrechtsorganisation Student and Scholars Against Corporate Misbehaviour (SACOM) in Hongkong schilderte sie jetzt, unter welchen Bedingungen iPhones & Co hergestellt werden.

Arbeitszeiten von 12 Stunden pro Tag, davon 20 Minuten unbezahlt und jede zweite Woche einen freien Tag waren strikt vorgegeben. „Es gab keine Möglichkeit, Nein zu Überstunden zu sagen. Toilettenpausen während der Arbeitszeit waren uns untersagt", sagt Yu. Die Arbeiter standen unter ständiger Überwachung. Neben Kameras wurden die Fabriken und ihre Angestellten von Tausenden Security-Mitarbeitern bewacht. „Ich musste in einer vorgeschriebenen Weise stehen und mein Sessel durfte eine Bodenmarkierung nicht überschreiten."

18 Suizid-Versuche
Unterhaltungen zwischen den Mitarbeitern waren nicht gerne gesehen, auch nicht während der Mittagspausen. Von öffentlichen Demütigungen der Mitarbeiter berichtet sie auch.
Im Jahr 2010 wurde eine Reihe von Selbstmorden beim Elektronik-Zulieferer Foxconn bekannt. Damals unternahmen insgesamt 18 Angestellte – im Alter von 16 bis 25 – Selbstmordversuche. Vierzehn davon starben, vier weitere überlebten mit schweren Verletzungen. Darunter war auch  Tian Yu.

Am 17. März 2010, nach nur 37 Tagen bei Foxconn, sprang die Angestellte aus dem vierten Stock ihres Schlaftraktes.  „Ich war so verzweifelt, dass ich nicht wusste, was ich tat", erzählt Yu.
Die Geschichte der aus bäuerlichen Verhältnissen stammenden Yu ist kein Einzelfall. Die Eltern bettelarm, die Lebensbedingungen eigentlich unzumutbar.  Die Jugend zieht es in die Großstädte.

Apple verspricht Besserung
„So ziemlich alle in meinem Alter, inklusive meiner Schulfreunde, sind in die Städte arbeiten gegangen... Ich entschloss mich, auch die Provinz zu verlassen, um nach  neuen Möglichkeiten zu suchen", so Yu. Sie  landete im Longhua-Werk, der Mutter aller Foxconn-Fabriken, wo  400.000 Mitarbeiter in Tages- und Nachtschichten am  Fließband beschäftigt sind, um Großkonzerne wie Apple, Sony, Amazon, IBM, HP, Microsoft oder Samsung mit angefertigten Produkten zu beliefern.

Das Areal ist so groß, dass man eine Stunde vom Nord- zum Süd-Tor braucht. Nach dem ersten Monat erhielt die Mitarbeiterin Nr. F9347140  kein Gehalt. Die umgerechnet 165 Euro konnten bis heute nicht ausbezahlt werden, da die Lohnkarte versehentlich an ein anderes Foxconn-Werk in Guanlan geschickt wurde. Tian Yu musste in ihrer kargen Freizeit mit dem Bus nach Guanlang fahren, wo sie jedoch ebenfalls abgewiesen wurde.
Apple reagierte 2011 mit strengen Arbeitsnormen und stärkeren Kontrollen bei seinen Zulieferern.

 

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