© Orange, Drei, Montage

Österreich
02/05/2012

Mobilfunk-Hochzeit: Drei kauft Orange

Die Mobilfunker Drei und Orange haben sich geeinigt: Orange wird für 1,3 Milliarden Euro übernommen: Drei zahlt 910 Millionen Euro, die Telekom Austria Group wiederum übernimmt für 390 Millionen Euro Orange-Frequenzen, die Diskontmarke Yesss! und den Markennamen "One".

Hutchison 3G Austria, die Tochtergesellschaft des Hongkonger Konzerns "Hutchison Whampoa Limited", hat am Donnerstag einen verbindlichen Kaufvertrag über die 100-prozentige Übernahme von Orange Austria von den derzeitigen Eigentümern Mid Europa Partners (MEP) und France Telecom unterzeichnet. Im Zuge der Verkaufs werden bestimmte Frequenzen, Senderstandorte, Urheberrechte sowie der Mobil-Discounter Yesss! umgehend nach Verkaufsabschluss an die Telekom Austria Group (TA) verkauft. Die futurezone hatte bereits Ende November über die Einzelheiten des Deals berichtet. Dieser muss nun noch von der EU-Wettbewerbsbehörde genehmigt werden, womit frühestens im Sommer 2012 zu rechnen ist. Realistischerweise wird das so genannte "Closing" erst im Herbst über die Bühne gehen. Bis dahin werden die Geschäfte sowohl bei Drei als auch Orange weiter geführt wie bisher.

Der 1,37-Milliarden-Euro-Deal
Insgesamt zahlt Drei für Orange Austria 1,3 Milliarden Euro. 910 Millionen Euro zahlt Drei aus eigener Tasche, 390 Millionen Euro steuert die Telekom Austria Group bei. Drei ist überzeugt, dass durch den Zusammenschluss langfristig Kosten- und Investitionssynergien im Wert von mindestens 500 Millionen Euro zu erzielen sind. Abhängig vom Erfolg des Integrationsprozesses hat Drei bis 2014 eine Zahlung von bis zu 70 Millionen Euro an den derzeitigen Mehrheitseigentümer von Orange, MEP, zu leisten. Unter "Erfolg des Integrationsprozesses" versteht Trionow die Kunden-Entwicklung. Schafft es Drei, bis zu einem gewissen Zeitpunkt eine bestimmte Kundenanzahl zu erreichen, wird Geld an MEP überwiesen.

Verhandlungen seit Sommer 2011
An dem Deal wird bereits seit Sommer getüftelt, während  Übernahme-Gerüchte T-Mobile/Orange gewälzt wurden, wurde hinter den Kulissen bereits alles in Richtung Verkauf an Drei vorbereitet. Anfang September hat der Hongkonger Milliardär und Hutchison Whampoa Limited- und somit Drei-Eigentümer Li-Ka-Shing grünes Licht für den Orange-Kauf gegeben. Seine rechte Hand, Canning Fok, war Anfang September in Wien, um den Deal mit A1-Chef Hannes Ametsreiter zu besprechen. Fix war der Deal eigentlich bereits seit Dezember, die Vertragserstellung gestaltete sich aber schwieriger als geplant, da in den Kauf insgesamt drei Anwaltskanzleien involviert waren, die, so ein Insider zur futurezone, "bei jedem Beistrich diskutiert haben".

Dritter Player mit 2,8 Millionen Kunden
Mit rund 2,8 Millionen Kunden, einem Marktanteil von 22 Prozent und gemeinsamen Erlösen von über 700 Millionen Euro im Jahr 2011, wird Drei nun der drittgrößte Betreiber am heimischen Mobilfunkmarkt, den A1 mit etwa 5,1 Millionen Kunden anführt, gefolgt von T-Mobile mit 3,8 Millionen Kunden. Zwar gibt es zum Zweitplatzierten T-Mobile einen Abstand von 1 Million Kunden, allerdings will Drei weiter nach vorne. "Wir streben ein Drittel des hemischen Mobilfunkmarktes an", sagt Drei-Chef Trionow. "Der Wettbewerb wird weiter intensiv bleiben, jetzt haben wir eine bessere Bewaffnung." Erst im November hatte der Finanz-Chef der Hutchison Whampoa-Gruppe, Frank Sixt, betont, auf Märkten gerne die Nummer 1 oder Nummer 2 sein zu wollen. Drei wird in den kommenden Monaten und Jahren alles versuchen, um auf T-Mobile aufzuschließen. Nach dem Verkauf des Netzes an die staatliche China Development Bank (CDB) war der Kauf von Orange die einzige Chance für Drei, sich am immer schwieriger werdenden Mobilfunkmarkt in Österreich zu behaupten und profitabel zu werden.

Krammer: "Genug Zeit zum Nachdenken"
"Von der bevorstehende Marktbereinigung werden die Kunden profitieren", ist Orange-Chef Michael Krammer überzeugt, der noch bis zur Genehmigung des Deals durch die EU-Wettbewerbsbehörde die Geschäfte führt. "Es wird weiterhin günstige Preise bei den Tarifen und auch bei den Geräten geben." Wie seine Zukunft nach der Übernahme Zeit hat, weiß er noch nicht. "Bis zum Closing bin ich Orange-CEO, danach gibt’s genug Zeit zum Nachdenken."

Yesss! wird A1
Yesss!, das zu A1 wandert, wird als Diskontmarke weiter bestehen bleiben und nicht in bob aufgehen. Yesss! ist deshalb eine wertvolle Marke, da Yesss erstens zu 90 Prozent ein echtes Prepaid-Produkt ist, zweitens mit dem Exklusiv-Vertrag mit den 450 Hofer-Filialen einen sehr starken Vertriebskanal und drittens viele Prepaid-Breitbandkunden hat. Hofer hat im Cash&Carry-Bereich einen 20-Prozent-Anteil in Österreich. bob im Vergleich wird zum einen nicht bei Hofer verkauft, zum anderen haben 90 Prozent der bob-Kunden haben einen Postpaid-Vertrag, sprich, werden monatlich abgerechnet. Yesss würde das Mobilfunk-Angebot von A1 ergänzen, ähnlich wie auch bei Red Bull Mobile A1 dahinter steht. Interessant ist auch, dass sich die Telekom Austria Group die Markenrecht an One gesichert hat - man kann davon ausgehen, dass es unter dieser Marke demnächst ein weiteres mobiles Angebot aus dem Hause von A1 geben wird.

3MegaNetz-Offensive
Die Kunden von Orange Austria sollen künftig „das superschnelle 3MegaNetz sowie hohe Netzabdeckung und Netzqualität“ nutzen können. Bei Drei erhofft man sich durch den Zusammenschluss, die Netzqualität sowie Innovation und Service infolge des vergrößerten Frequenzspektrums, des erweiterten Vertriebsnetzes und der Effizienzgewinne, die der Zusammenschluss möglich macht, steigern zu können. Mit dem Orange-Netz hat Drei nun 9000 Basisstationen, etwa 600 davon gibt Drei an die TA ab, bleiben noch etwa 8400. Diese Anzahl wird dann um etwa 1000 bis 2000 Standorte weiter reduziert.

Bleiben überhaupt noch genügend Frequenzen für eine gute Netzqualität über?

Ja, obwohl nach dem Deal insgesamt 13,2 MHz an so genannten gepaarten Frequenzen von Orange an die Telekom Austria Group wandern:

2 x 3,2 MHz im 900 MHz Spektrum - das 900er-Spektrum geht also komplett zur TA.

2 x 5 MHz im 2100 MHz Spektrum - da verbleiben noch zwei Frequenzblöcke im 2100er-Spektrum bei Drei. Da kann man aber davon ausgehen, dass es eine Auflage geben wird, an T-Mobile einen Block abzugeben: damit würden dann alle heimischen Mobilfunkbetreiber vier Frequenzblöcke besitzen.

2 x 5 MHz im 2.600 MHz Spektrum (für LTE) - da bleibt ebenfalls noch ein Frequenzblock mit 5 MHz bei Drei.

Der gesamte 1800er-Block (29 MHz) wandert von Orange zu Drei.

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Die Hutchison 3G Austria GmbH ist ein 100%iges Tochterunternehmen von Hutchison Whampoa Limited in Hongkong und startete im Mai 2003 unter der Marke 3 als einziger reiner UMTS-Anbieter. Aktuell hat Drei 1,3 Mio, weltweit zählt die 3Gruppe rund 30,2 Mio. Kunden.

Von One zu Drei:
One wurde im Juni 2007 zu Orange, als France Telecom (35 Prozent) und das Private Equity Unternehmen Mid Europe Partners (65 Prozent) One für 1,4 Milliarden Euro von E.ON kauften. In den vier Jahren hat Orange Österreich sowohl Mid Europe als auch France Telecom nicht nur zig Millionen Euro Gewinn beschert, die France Telecom bekam für den Namen „Orange“ auch 50 Millionen Euro Lizenzgebühren. Basis des Verkaufs ist eine Kaufoption, die im Oktober 2011 schlagend geworden ist. France Telecom hätte den 65 Prozent-Anteil von Mid Europe Partners übernehmen können, wollte dies aber nicht.

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