B2B
01.07.2011

MySpace ist verkauft - für 35 Mio. US-Dollar

Der Aufstieg von Facebook läutete den Abstieg von MySpace ein. Nun zieht der Medienkonzern News Corp. die Reißleine und verkauft das einst weltgrößte Online-Netzwerk an Specific Media aus Kalifornien - offenbar für einen Spottpreis von 35 Millionen US-Dollar. Murdoch hatte das Unternehmen ursprünglich für 580 Millionen gekauft.

Facebook war am Ende doch übermächtig: Die News Corp. von Medienmogul Rupert Murdoch trennt sich nach anhaltenden Verlusten vom einst weltgrößten Online-Netzwerk MySpace. Der neue Besitzer ist die weithin unbekannte Online-Werbefirma Specific Media aus Kalifornien. Sie gab den Kauf am Mittwoch bekannt, ohne allerdings einen Preis zu nennen.

Nach Angaben von US-Medien bekommt die News Corp. gerade noch 35 Millionen Dollar, von denen ein Teil nicht mal in bar, sondern in Specific-Media-Anteilen gezahlt wird. Damit hätte der eigentlich für seinen guten Riecher bekannte Murdoch dieses Mal daneben gegriffen: Er hatte MySpace 2005 für aufsehenerregende 580 Millionen Dollar geschluckt und investierte noch stark in die Weiterentwicklung der Website.

Nutzerzahlen stagnierten rasch
Am Anfang rechnete sich das Geschäft auch durch einen lukrativen Vertrag mit dem Internetkonzern Google. Unter der Regie von Murdochs News Corp. häufte das Netzwerk später aber immer höhere Verluste an. Die MySpace-Nutzerzahlen stagnierten, während der jüngere Rivale Facebook vorbeizog und mittlerweile rund 600 Millionen Mitglieder verzeichnet.

Während Facebook laufend neue Leute einstellt, haben die MySpace-Mitarbeiter schon einige Sparrunden mitmachen müssen. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ verlieren mit dem Verkauf noch einmal die Hälfte der zuletzt 500 Mitarbeiter ihren Job. Die Zeitung berief sich dabei auf eine eingeweihte Person. Vor zwei Jahren hatte MySpace noch 1400 Mitarbeiter. Kreisen zufolge wird News Corp einen Anteil von fünf Prozent an MySpace behalten.

Weit unterm Wert
Eigentlich hatte die News Corp. mit dem Verkauf von MySpace noch 100 Millionen Dollar erlösen wollen, allerdings sollen am Ende diverse Bieter abgesprungen sein. Besonders bitter: Für den Börsenkandidaten Facebook kursieren Firmenwerte von 50 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar. Die vielen Nutzer machen das Netzwerk für Werbepartner interessant.

Der MySpace-CEO Mike Jones kündigte nach dem Verkauf gegenüber dem "Wall Street Journal" an, seinen Posten sofort zu räumen. Er erwarte sich, bei News Corp. zu bleiben, werde aber dem neuen Besitzer während des Übergabeprozesses in einer beratenden Rolle zur Verfügung stehen.

Timberlake steigt ein
Mit an Bord bei der Übernahme ist jedoch Justin Timberlake, so Specific Media am Mittwoch. Mit Timberlake tritt bei MySpace ein Schauspieler auf den Plan, der in dem Facebook-Film „The Social Network“ den Berater und Investor Sean Parker dargestellt hat. MySpace wurde 2003 als eine Kontaktbörse und Fan-Webseite gegründet. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität 2008 hatte MySpace allein in den USA 80 Mio. Nutzer - fast doppelt so viele wie Facebook. Dem Online-Marktforscher comScore zufolge ist die Zahl der MySpace-Besucher aus den USA aber auf 40 Mio. zurückgegangen, während die Facebook-Seite mittlerweile rund 150 Mio. Besuche aus den USA verzeichnet.