Der Panamakanal öffnet am Sonntag erstmals seine neuen Schleusen

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Ausbau
06/26/2016

Riesenschleusen am Panamakanal öffnen ihre Tore

Nach neun Jahren Bauzeit wird der um 5 Milliarden Dollar erweiterte Panamakanal am Sonntag offiziell eröffnet. Schiffe mit bis zu 14.000 Containern können nun passieren.

Der Ausbau der nach dem Suezkanal zweitwichtigsten Wasserstraße der Welt, die den Atlantik mit dem Pazifik in Mittelamerika verbindet, dauerte neun Jahre und kostete mindestens 5,25 Milliarden US-Dollar. Insgesamt waren rund 40 000 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Sie räumten 150 Millionen Kubikmeter Erde und Geröll ab und verbauten zwölf Millionen Tonnen Zement sowie 192 000 Tonnen Stahl. Der Ausbau war nötig geworden, weil immer größere Schiffe gebaut werden.

Schiff mit 14.000 Containern

Künftig können auch Frachter der sogenannten Postpanamax-Klasse mit bis zu 14.000 Containern den Kanal befahren. Bislang wurden nur Schiffe mit maximal 4400 Containern geschleust. Auch Tanker beispielsweise für Flüssiggas können nun die kosten- und zeitsparende Route durch den mittelamerikanischen Isthmus wählen. Nach der Erweiterung können wieder 96 Prozent aller Schiffe, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, durch den Panamakanal geschleust werden. Die Kanalverwaltung rechnet mit einer Verdoppelung des Frachtdurchsatz von derzeit 300 Millionen Tonnen pro Jahr auf 600 Millionen Tonnen.

Das Projekt hatte mit einer Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen. Nur ein Jahr nach der Entscheidung, mit dem Bau zu beginnen, traf die Finanzkrise die Weltwirtschaft vehement. In den vergangenen Jahren hat der Wettbewerb mit chinesischen Frachtunternehmen zudem zu einem Preisverfall beim Schiffstransport von Containerfracht geführt. Sorgen bereitet auch der durch die Erweiterung erhöhte Wasserverbrauch.

Wasserverbrauch verdoppelt sich

Zwar sind die neuen Schleusen so gestaltet, dass 60 Prozent des aus dem aufgestauten Gatún-See entnommenen Wassers wiederverwendet werden kann. Der Wasserverbrauch wird sich durch die neuen Schleusen aber dennoch fast verdoppeln, da auch die alten Schleusen in Betrieb bleiben. Panama gilt als Region mit viel Niederschlag, im vergangenen Jahr fiel die Regenzeit aber ausgesprochen trocken aus. Auch heuer begann diese mit Verspätung.

Als erster Frachter soll am Sonntag die "Cosco Shipping Panama" den Kanal passieren. Sie wird auf der Atlantikseite die Schleusen von Agua Clara passieren, dann durch den Gatún-See und den engen Culebra Cut fahren und am Nachmittag an den Schleusen von Cocolí nahe Panama-Stadt auf der pazifischen Seite erwartet. Zu der Zeremonie haben sich 62 internationale Delegationen, mehrere Präsidenten und zahlreiche Wirtschaftvertreter angekündigt.