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Österreich

Start-ups: Kaum alternative Finanzierungen

Kommende Woche geht in Wien mit dem Pioneers Festival der größte Tech-Event des Landes über die Bühne. Im Vorfeld wurde am Montag der "Austrian Start-up Report 2012" vorgestellt. Aus der Studie geht hervor, dass sich die heimische Gründerszene nach wie vor vielen Problemen stellen muss, vor allem Investitionsmöglichkeiten abseits von tradtioneller Finanzierung fehlen. Dennoch hat sich in den vergangenen drei bis fünf Jahren vieles zum Positiven entwickelt, was auch die befragten Studienteilnehmer bestätigten.

Untersucht wurden im Rahmen des Reports, der gemeinsam vom Business-Angel Fonds Speed Invest, STARTeurope und des Research Studio eSpark an der WU Wien durchgeführt wurde, Start-ups ebenso wie Investoren und öffentlich Stellen. Eines der auffallendsten Ergebnisse: Die österreichische Start-up-Szene befindet sich in überwiegend männlicher Hand, 93 Prozent der Unternehmensgründungen werden von Männern getätigt. Immerhin ist der Anteil der Frauen jedoch um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Software dominiert
Die meisten Firmengründungen gibt es im Bereich Software und der Kommunikation, hier investieren insgesamt über 91 Prozent der privaten Geldgeber. Die Gesamtzahl der Gründungen in Österreich ist seit dem Jahr 1993 von 14.361 auf 35.279 im Jahr 2011 gestiegen. Allerdings ist das im Vergleich zu anderen EU-Ländern im Schnitt noch immer wenig. Während der Anteil der Unternehmensgründungen hierzulande bei acht Prozent liegt, sind es im EU-Raum mehr als 13 Prozent.

Vor allem unter Nicht-Akademikern mangelt es auch noch am sogenannten "Entrepreneurial spirit". Doch auch unter Studenten zeigt sich ähnliche Zurückhaltung. Während 70 Prozent der Befragten angaben, über eine Firmengründung nachzudenken, gründen letztlich nur etwa fünf Prozent tatsächlich ein Unternehmen.

"App-Stadt Wien"
"Als positiv zu werten ist die Tatsache, dass sich Erstgründer und Seriengründer in Österreich bereits fast die Waage halten", sagt Studienleiter Thomas Funke von der Wirtschaftsuniversität Wien. Das Ökosystem habe sich in den vergangenen Jahren ganz massiv verbessert, vor allem in den Bereichen Web und Mobile floriere die Start-up-Szene in Österreich, so Funke, der Wien auch als "App-Stadt" bezeichnet.

Kaum alternatives Funding
Ganz deutlich zeigt die Studie, dass es in Österreich kaum Alternativen in Bezug auf Start-up-Funding gibt. So sind etwa Dinge wie Crowdfunding oder Corporate Venturing so gut wie kein Thema. Zudem werden wenig Zeit und wenig Ressourcen investiert, um den Unternehmergeist zu fördern und unternehmerische Bildung voranzutreiben.

In der Frühphase finden die Start-ups in Wien zwar bereits recht gute Unterstützung, wie Funke erläutert. Allerdings gibt es ein immenses Defizit, wenn man größere Finanzierungsrunden braucht. Es sei in Österreich noch kaum möglich, wirklich großes Kapital zu erhalten, wenn eine Firma die Frühphase erst einmal erfolgreich hinter sich gebracht habe. Hinzu kommt, dass das Steuer- und Beitragsniveau in der Frühpahse für Start-ups und Privatinvestoren sehr hoch ist.

Die Förderlandschaft in Österreich ist stark ausgebildet und bietet durchaus gute Möglichkeiten für die Jungunternehmer. Dabei gibt es allerdings große bürokratische Hürden, die von vielen gescheut werden. Daher werden auch die Förderungen nicht immer voll ausgenutzt.

Risikoscheu
Die Kultur innerhalb der Start-up-Community ist in den vergangenen Jahren weitaus aufgeschlossener geworden, wie die Studie besagt. Auch die Risikofreude sei gestiegen. Auf der andere Seite fehlt es aber gerade daran noch, wenn man sich außerhalb der Szene in der Bevölkerung, aber auch bei der Politik umhört. "Es gibt noch immer viel zu tun in Österreich, um die Szene weiter zu beleben", so Andreas Tschas, Geschäftsführer von STARTeurope und Veranstalter des Pioneers Festival. Daher wolle man auch die Studie ab sofort jährlich durchführen.

Immerhin konnte der Report auch einen vielbeschworenen Mythos ausräumen: Es sei nicht wahr, dass es ein massives Abwanderungsproblem von heimischen Start-ups ins Ausland gebe. Davon sei zwar häufig die Rede, laut der Studie gehen aber die wenigsten Jungunternehmen wirklich aus Österreich weg.

Lösungsvorschläge
Für die herrschenden Problemen haben die Studienautoren auch einige Lösungsansätze. So sei es vor allem wichtig, alternative Investitionsmöglichkeiten in Österreich zu etablieren, ebenso müssten Steuervorteile für private Risikoinvestments umgesetzt werden. In punkto Förderung müssten die Prozesse vor allem transparenter und besser nachvollziehbar werden. "Den Start-ups sollte Feedback gegeben werden, etwa dann, wenn sie keine Gelder zugesprochen bekommen", meint Funke.

Auch der unternehmerische Geist müsse in allen Fachrichtungen verstärkt werden, um das große innovative Potenzial voll auszuschöpfen. So spricht sich die Studie auch für eine Liberalisierung der Unternehmens- und Arbeitsgesetzgebung aus. Zurzeit mangelt es ift an Fachkräften und junge Firmen finden kaum Talente vor, die bereit sind, für ein Start-up zu arbeiten. Wenn allerdings die Rahmenbedingungen stimmen und die Ideen der Jungunternehmen überzeugend sind, so "gibt es auch ein großes Potenzial auf Seiten der Privatinvestoren, die bereit sind, in die Start-ups zu investieren", sagt Oliver Holle von Speed Invest.

Info: Die 10 Tickets für das Pioneers Festival, die von der futurezone verlost wurden, sind bereits vergeben. Die Gewinner wurden verständigt.

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