© Remy de la Mauviniere

B2B
10/17/2013

"Viele Spiele-Entwickler unterschätzen die Pressearbeit“

Donnerstagabend erklärt der Game-Journalist Mike Rose in Wien, wie man Spiele vermarktet, Journalisten auf sich aufmerksam macht und welche Fehler man dabei vermeiden sollte.

„Wenn man ein neues Spiel hat, muss man das so laut rausposaunen, dass es wirklich jeder hört. Vom Spiele-Portal bis hin zu Lifestyle-Magazin, man kann ruhig alle global in allen Ländern adressieren“, sagt Mike Rose zur futurezone. Der Brite ist seit vielen Jahren Journalist mit dem Schwerpunkt Computerspiele und schreibt für die renommierte Branchenseite Gamasutra sowie für PocketGamer. Solch eine groß angelegte Offensive hat auch statistische Gründe: „Oft werden sich nur zehn Prozent der Journalisten zurückmelden. Je mehr man also anschreibt, desto besser“. Laut Rose, der Donnerstagabend einen Vortrag im Zuge der Subotron Pro Games Reihe in Wien hält und Freitags einen Workshop anbietet, gibt es mittlerweile so viele gute Spiele, dass Pressearbeit richtig aufwändig und kompliziert geworden ist.

Herausstechen

„Als Journalist wird man mit Mails und Nachrichten überschüttet, vieles geht dabei unter“, so der Brite, der auch in der Jury des Independent Games Festivals sitzt. Viele Entwickler vernachlässigen oder unterschätzen dem Journalisten zufolge die Pressearbeit und seien dann verwundert, wenn ihr tolles Spiel auf kein Interesse stößt.

Unprofessionelle Aussendungen

Beispiele für schlechte Vermarktung gibt es laut Rose jeden Tag. „Ich bekommen immer noch Mails, in denen mein Name falsch geschrieben ist. Die landen sofort im Müll“, so Rose. Oft wird auch falsches Interesse an seiner Person vorgetäuscht, um eher wahrgenommen zu werden. „Ich wohne in Manchester. Nicht selten beginnen mir unbekannte Spieleentwickler Mails mit Fußball-Referenzen, weil sie glauben, dass ich Fan sein muss. Sie haben ein bisschen über mich gegoogelt und basteln sich daraus etwas zusammen. Das durchschaut man schnell“, erzählt Rose.

Persönliche Nachrichten

Um in der Masse an Games wahrgenommen zu werden, ist dem Briten zufolge einiges an Arbeit nötig. Wenn Game-Designer fremde Journalisten oder Plattformen blind anschreiben, müssen sie vorher genau recherchieren, wer für welche Themen zuständig ist und was der Journalist zuletzt geschrieben hat. Daraus kann man ableiten, wer der passende Adressat ist und wie man ihn anspricht. Ein Schreiber, der nur über Blockbuster schreibt, wird einen Indie-Titel eher ignorieren. Und: Persönliche Mails nehme Rose viel eher wahr als generell formulierte Copy&Paste-Nachrichten.

Kontaktpflege

Einfacher wird es, wenn man Journalisten persönlich kennenlernen kann. Ideal sind Roses Erfahrung nach Messen wie die GDC Europe oder ähnliche Branchen-Events. Hier kann man Beziehungen aufbauen und eine Kommunikationsebene herstellen. Neben Gesprächen und Mails spielt natürlich auch Social Media eine Rolle. „Twitter, Facebook, Twitch oder auch Reddit. Wir verfolgen alles und schauen, worüber man im Netz spricht. Hier können Entwickler auf sich aufmerksam machen oder mit Journalisten in Kontakt treten“, sagt der Brite.

Eigene Persönlichkeit

Trotz seiner langen Erfahrung in der Branche hat Rose keinen allgemeingültigen Tipp oder ein Erfolgsrezept. Grundsätzlich rät er aber, dass der Designer sich nicht verstellt und ehrlich bleibt. Man solle das, was einen interessant macht, in der Vordergrund stellen und seine Persönlichkeit unterstreichen. Menschlichkeit komme immer besser an als abgedroschenes Marketing-Gerede und maßlos überzogene Lobeshymen. Hilfreich ist es natürlich, wenn man Journalisten etwas Besonderes anbieten kann. „Grundsätzlich ist jeder von uns immer auf der Suche nach relevanten, exklusiven Infos. Jeder will immer der erste sein und über das nächste große Ding berichten“, sagt Rose, der als einer der ersten über Minecraft berichtet hat.

Keine Länderhürden

Dass man es als Entwickler aus einem kleinen Land wie etwa Österreich schwieriger hat, als etwa ein US-Game-Designer verneint Rose. „Ich schaue erst ganz am Schluss woher ein Spiel kommt. Es muss gut sein, das steht an erster Stelle“, so der Journalist. Auch Sprachbarrieren stellen ihm zufolge kein Hindernis dar. Als Beispiel nennt er Broken Rules aus Wien, das international mittlerweile ein Begriff sei.

Mike Roses Vortrag „Games Don’t Sell Themselves: How to Get the Press and Players Talking About Your Game” beginnt Donnerstag, den 17.10., um 19.00 Uhr im Wiener Museumsquartier. Die Teilnahme an der Veranstaltung, die von der WKW gefördert wird, ist kostenlos.