B2B
26.04.2011

Visitenkarte 2.0 aus Österreich

Ein österreichisches Start-up will mit einer neuen Systematik Visitenkarten attraktiver machen - bei Cardolution stehen die Informationen nicht nur auf der Karte, sondern sind im Inneren auch auf einem Chip gespeichert; die Daten lassen sich so drahtlos an Smartphones und Computer übertragen.

Im Geschäftsleben gehört es zum guten Ton, eine Visitenkarte zu überreichen. Vor allem in Japan war die Meishi, die dem Gegenüber ganz korrekt mit zwei Händen übergeben wird, ein Muss. Im IT-Zeitalter sind die kleinen Karten aus Papier ja fast ein Widerspruch, müssen die Informationen wie Adressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern in die digitale Welt transferiert werden.

Visitenkarten-Scanner
In den vergangenen Jahren gab es mehrere Versuche, die analogen Daten in digitale zu verwandeln. So gibt es seit Jahren schon Visitenkartenscanner, in denen, wie der Name schon erahnen lässt, die kleinen Kärtchen gescannt und die Informationen in ein eigenes Menü im Computer übertragen werden. Geräte, ob sie nun „IRISCard“ oder „IRISCan“ (Hersteller Iris), PocketScan (Kensington) oder Opticard (Plustek) heißen, helfen dabei, die Daten von einer Welt in die andere zu übertragen. Allerdings muss man zum einen die eingescannten Informationen meist überarbeiten, zum anderen sind die Miniscanner mit 80 Euro aufwärts auch recht teuer.

Scanner als App
Mit dem Beginn des App-Zeitalters haben diese Scanner Konkurrenz erhalten, da die Funktion auch von Smartphones übernommen werden kann. Die integrierten Kameras fungieren dabei als Scanner – man fotografiert eine Visitenkarte, die Daten werden vom Programm ins Adressbuch eingespielt. Aber auch hier kommt es zu Einlesefehlern, Probleme bereiten mitunter nicht nur Umlaute, sondern auch bei Telefonnummern, und bei der Zuordnung von bestimmten Informationen in die entsprechenden Felder sind Korrekturen notwendig. Apps wie etwa WorldCard Mobile Lite (4,99 Euro), BizCard (7,99 Euro) oder MobiReader Pro (10,49 Euro) funktionieren ganz gut, haben aber auch hier so ihre Macken.

NFC-Visitenkarten
Genau hier setzt ein junges Start-up aus Österreich an. „Wir haben uns gefragt, warum man die Informationen auf Visitenkarten so umständlich einlesen muss“, sagt der Chef von Cardolution, Michael List. „Also haben wir eine Visitenkarte entwickelt, mit der die Daten drahtlos auf einen Rechner übertragen werden können.“ Die Cardolution-Karten  - der Firmenname leitet sich aus Card und Evolution ab - haben einen dünnen Funkchip integriert, auf dem die abgedruckten Visitenkarten-Informationen auch digital gespeichert sind. Mit dem entsprechenden Programm bzw. mit der entsprechenden App können die Daten von der Karte auf einen Computer oder auf ein Smartphone übertragen werden.

NFC-Visitenkarte Cardolution

NFC-Visitenkarte Cardolution

Cardolution Gregor Novak und Michael List digitale Visitenkarte

Cardolution Gregor Novak und Michael List digitale Visitenkarte

NFC-Systematik
Die Systematik basiert auf NFC, also Near Field Communication. Eine Funklösung, die im neuen Google-Phone Nexus S von Samsung oder im Nokia C7 integriert ist und künftig nicht nur im iPhone 5, sondern in vielen Smartphones Standard sein wird.  Für Computer gibt es einen „Business Card Reader Stick“, der an einen USB-Steckplatz angesteckt wird. „Die Daten werden nicht in irgendeinem Format gespeichert, sondern im standardisierten mobilen vCard-Format“, sagt Gregor Novak, Chef des Wiener Unternehmens Bluetechnix und gleichzeitig Eigentümer der NG Holding, die 100 Prozent an Cardolution besitzt. vCard ist der Standard für elektronische Visitenkarten - wer heute von einem Smartphone zum anderen per SMS einen Kontakt verschickt, tut dies im vCard-Format. Novak: „Zudem bietet der vCard-Standard den Vorteil, dass man die Felder selbst definieren kann und dass er auf fast allen Geräten funktioniert.“ Und NFC sei ohnehin ein Standard, an den niemand mehr vorbei kommen.

50 Cent pro Visitenkarte
Ein kleines Problem stellt noch die Produktion der Visitenkarten dar: Derzeit befindet sich der Chip in einer PET-Schicht zwischen zwei Lagen Papier, die mit einem Xerox-Drucker bedruckt werden. Heute kostet eine Visitenkarte 50 Cent, „aber wir gehen davon aus, dass wir den Preis in den kommenden ein bis zwei Jahren auf 15 Cent senken können“, so List. Das hänge natürlich davon ab, wie sich die Karten verbreiten. „In gewisser Weise stehen wir vor einem Henne-Ei-Problem“, so Novak. Da NFC-Handys derzeit noch Mangelware sind, stellt sich für viele noch nicht die Frage, sich eine NFC-Visitenkarte zuzulegen.  Aber dass die digitale Visitenkarten kommt, davon sind Novak und List überzeugt. Zwar wäre es theoretisch möglich, das Daten automatisch von einem Handy zum anderen übertragen werden, wie es etwa die App "Bump" macht oder mit dem verspielten Funk-Schlüsselanhänger "Poken" versucht wurde, „allerdings sind wir überzeugt, dass man noch lange dem Gegenüber etwas zum Angreifen übergibt“, so List. Und das sei die Visitenkarte.

Augmented Reality
Ein ähnliches Konzept verfolgen übrigens auch die Toxin Labs mit ihrer „Augmented Business Card“. Hier kann man sich eine Karte ordern, auf der ein QR-Code ("Quick Response") abgedruckt ist. Hält man diesen 2-D-Code vor eine Webcam, wird er gescannt und übermittelt – vorausgesetzt, der andere Computerteilnehmer hat die entsprechende Software installiert – die Kontaktinformationen via Web; auch ein digitaler Avatar des Visitenkarteninhabers, der mit dem Gegenüber spricht. kann so zum Leben erweckt werden.