B2B 27.07.2017

Wenn der Chatbot den Kredit bewilligt

Dietmar Böckmann, Geschäftsführer s IT Solutions © Bild: Erste Bank/Schedl

Moderne Interfaces und künstliche Intelligenz verändern auch die klassische Banken-IT von Grund auf. Die Erste-Tochter s IT Solutions Austria arbeitet etwa an einem Chatbot.

Konzernintern waren die vergangenen Jahre für s IT Solutions Austria, dem IT-Tochterunternehmen der Erste Bank, von Umbruch geprägt. Zeichnete das IT-Unternehmen über viele Jahre praktisch allein für das Netbanking der Bank verantwortlich, wurde die Neukonzeption und das Redesign der aktuellen Banking-Plattform George in den neu gegründeten Erste Hub mit dem hauseigenen Fintech BeeOne ausgelagert.

Großteil unsichtbar

"Ganz so ist es natürlich nicht. Wir waren von Anfang an maßgeblich in die Umsetzung eingebunden. Dem Kunden wird ja mit dem Frontend nur ein kleiner Einblick in das komplexe System von George gewährt. Dahinter sorgen wir dafür, dass die Transaktionen funktionieren, alle Daten gespeichert werden und überhaupt alles stabil läuft", erklärt Dietmar Böckmann, Geschäftsführer s IT Solutions Austria, im futurezone-Interview.

Start-up-Mentalität mit schnellen Entwicklungszyklen und intuitiven Interfaces auf der einen Seite - klassische Banken-IT, bei der hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und Stabilität oberste Priorität haben, auf der anderen Seite. "Das war anfangs sicher nicht immer ganz leicht - in Wahrheit haben beide Welten aber sehr schnell zueinander gefunden und auch von den Stärken des jeweils anderen Teams gelernt. Für uns war es jedenfalls ein Weckruf", sagt Böckmann.

Nicht mehr im Kämmerlein

So habe der Informatiker von heute mit dem "EDVler, der im stillen Kämmerlein sitzt und wochenlang vor sich hinarbeitet" tatsächlich nichts mehr zu tun. "Da sich Technologien so rasant verändern, muss man bereit sein, ständig dazuzulernen.

Auch das Arbeiten in interdisziplinären Teams sowie der starke User-Fokus beim Entwickeln von Lösungen sind wichtiger denn je. Das war traditionell in der klassischen Banken-IT sicher nicht so stark ausgeprägt", erklärt Böckmann.

Intelligenter Chatbot

Ein Prototyp aus dem Bereich künstliche Intelligenz, an dem gerade gearbeitet wird, könnte die Kommunikation von Bankkunden mit der Bank nachhaltig verändern. Dabei handelt es sich um einen Chatbot, der Kunden künftig rund um die Uhr bei einem anvisierten Kredit weiterhilft. In der kurzen Demonstration, welche die futurezone zu Gesicht bekam, verstand der Bot selbst einige umgangssprachliche Fragen und Antworten und adaptierte den Kreditrechner aufgrund der getätigten Informationen in puncto Kreditrahmen und Laufzeit.

Ob der Bot in absehbarer Zeit zum Einsatz kommt, steht laut dem Geschäftsführer von s IT Solutions noch nicht fest. Neben Spracherkennung ist die Software so konzipiert, dass sie aufgrund von Mitarbeiter- und Kundenfeedback ständig dazulernt und zuverlässiger wird. "Es klingt trivial, aber besonders wichtig ist, dass der Bot lernt zu erkennen, wenn er nicht mehr weiter weiß. Dann übergibt er an einen menschlichen Betreuer, der dem Kunden gezielt weiterhelfen kann", so Böckmann.

Mitarbeiter gesucht

Um bei der Transformation vom Banken-IT-Dienstleister zum modernen IT-Unternehmen gut aufgestellt zu sein, wird auch Geld in die Hand genommen. Seit Anfang des Jahres wurden bereits 80 neue Stellen besetzt und genau so viele sollen noch ausgeschrieben werden. Neben einschlägigen IT-Experten für Software-Entwicklung oder Sicherheit sind auch Quereinsteiger aus technischen Disziplinen wie Mathematik und Statistik mit Interesse an Big-Data-Technologien und Machine Learning besonders gefragt.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Erste Bank und Sparkassen. Die redaktionelle Verantwortung obliegt allein der futurezone-Redaktion.

( futurezone ) Erstellt am 27.07.2017