Air France Airbus A318 airplane at Split Airport in Croatia

Kleiner A318 vor dem Aus: Air France läutet das Ende des "Baby Bus" ein

© Getty Images/Boarding1Now/istockphoto
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Digital Life

Kleiner Airbus A318 vor dem Aus: Warum der "Baby Bus" scheiterte

Der Airbus A318 war schon immer ein Sonderling unter den Kurzstreckenjets: zu klein für ein wirtschaftliches Erfolgsmodell, aber zu groß für eine Nische. Er stellt das kleinste Modell der A320-Familie dar. Insgesamt wurden lediglich 80 Stück des "Baby Bus" gebaut. 

Damit macht er nur einen verschwindend geringen Anteil an der A320-Familie aus, von der mehr als 12.000 Maschinen ausgeliefert wurden. Nur wenige A318-Maschinen sind noch im kommerziellen Einsatz. Und deren Ende steht nun unmittelbar bevor. 

Air France ist die einzige Fluggesellschaft, die den "Baby Bus" noch im Linienbetrieb fliegt. Im Februar hat die Airline einen der letzten 4 verbleibenden A318 an FTAI Aviation verkauft. Die letzten 3 Modelle sollen spätestens im kommenden Jahr ausscheiden.

➤ Mehr lesen: Das zweite Leben der Giganten: Was passiert mit alten A380?

Der Grund für das Scheitern

Ersetzt werden die A318 schrittweise durch die moderneren und spezialisierteren Airbus A220-Maschinen, die als Bombardier CSeries entwickelt und von Airbus zugekauft wurden. Der Grund, warum die Zeit der A318 vorbei ist, ist wenig überraschend: die Wirtschaftlichkeit.

Der A318 ist wie der A319 eine verkürzte Variante der A320. Obwohl der Jet deutlich kleiner ist, verbraucht er fast genauso viel Treibstoff wie größere A320-Varianten. Dadurch steigen die Kosten pro Passagier deutlich und die Maschinen lassen sich nur schwer gewinnbringend einsetzen.

Rückblickend waren sowohl der A318 als auch der A319 zu nahe an der A320 gebaut. Die kleineren Maschinen bieten deutlich weniger Sitzplätze, haben aber ähnlich hohe Betriebskosten. Viele Airlines entschieden sich daher einfach für das größere Modell.

➤ Mehr lesen: Diese A380-Varianten hat Airbus nie gebaut

Gleichzeitig wurden die verkürzten Varianten der A320 bald von der Konkurrenz unter Druck gesetzt. Die Mit seiner E-Reihe hat beispielsweise Embraer kleine und günstig zu betreibende Maschinen im Angebot - ebenso Bombardier mit seiner CSeries, die dann eben von Airbus gekauft und auf A220 umgetauft wurde.

➤ Mehr lesen: Größtes Passagierflugzeug seit dem A380 hat einzigartiges Feature

Der A318 als Concorde-Nachfolger

Vor einigen Jahren hatte auch British Airways den A318 im Einsatz - und zwar auf einer ikonischen Route. Bis 2003 stand die prestigeträchtigste Flugnummer British Airways Flight 1 (BA1) für den Concorde-Flug von London nach New York.

2009 reaktivierte die britische Fluggesellschaft die Flugnummer für einen ganz speziellen Service: eine reine Business-Class-Verbindung vom Stadtflughafen London City (LCY) nach New York (JFK) mit einem Airbus A318. Bis zur Pandemie 2020 war der "Business Baby Bus" im Einsatz. Dann wurde die Verbindung eingestellt. 

➤ Mehr lesen: MD-12: Der Airbus A380 Konkurrent, der nie geflogen ist

Ein spezieller Linienflug

BA1 mit dem A318 war ein ganz besonderer Linienflug. Da das vollgetankte Flugzeug für die kurze Startbahn in London City zu schwer gewesen wäre, musste in Shannon in Irland ein Zwischenstopp eingelegt werden. Eine Besonderheit auf diesem Flughafen ist, dass dort die Passagiere bereits die US-Einreiseformalitäten erledigen können und in New York wie Inlandsreisende ankommen.

Nicht nur die Pandemie war der Sargnagel für die Verbindung. Die Business Class des A318 war beispielsweise veraltet. Die Sitze waren nicht auf dem neuesten Stand und es gab kein eingebautes Entertainment-System. Außerdem gab es in London City keine richtige Lounge. Passagiere erhielten lediglich Gutscheine für Flughafenrestaurants, wie Head for Points berichtete

Und nicht zuletzt: British Airways belegte am extrem überlasteten Flughafen New York (JFK) einen wertvollen Slot für nur 32 Passagiere, was nicht gerade wirtschaftlich ist. Mit einem größeren Flugzeug lässt sich an einem so teuren Slot deutlich mehr Geld verdienen.

➤ Mehr lesen: Warum der Airbus A380 keine Frontscheibe für Passagiere hat

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Florian Christof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

mehr lesen
Florian Christof

Kommentare