Digital Life
08.11.2012

Angry Birds: “Wir brauchen Hollywood nicht”

Heute startet Rovio mit einer neuen Version seines Vogel-Erfolgspiels, Angry Birds Star Wars. Durch die Verschmelzung der beiden populären Marken wird neuerlich mit Rekord-Downloadzahlen gerechnet. Die futurezone hat sich im Rahmen des Pioneers Festival mit Rovio-Marketingchef Peter Vesterbacka zum Interview getroffen. Dabei spricht er über die Zusammenarbeit mit Lucas Film, die Strategie hinter der Marke Angry Birds und wie es mit Filmplänen aussieht.

futurezone: Welche Erwartungen haben Sie an die neue Ausgabe, Angry Birds Star Wars? Wird das Game alle Rekorde brechen?
Peter Vesterbacka: Wir haben wirklich große Erwartungen. Denn die Reaktionen waren schon im Vorfeld überwältigend. Wir hatten unsere offizielle Ankündigung zum Spiel am Time Square in New York, die Leute - sowohl Angry-Birds- als auch Star-Wars-Fans - haben sich schon stundenlang vorher dafür angestellt. Es ist unser bislang größter Games-Launch.

Wie wurde die Idee für Angry Birds Star Wars und für die Zusammenarbeit mit Lucas Film überhaupt geboren?
Nunja, wir hatten zunächst schon mal Angry Birds Space. Als wir damals an der Ausgabe gearbeitet haben, haben wir uns auch schon generell in alle Richtungen in diesem Genre umgeschaut, welche Franchises gibt es in dem Bereich, etc. Und Star Wars ist defintiv das Größte. Also haben wir uns für dieses entschieden und sind dann auf Lucas Film zugegangen und haben Gespräche geführt. Sie haben sich als Angry-Birds-Fans deklariert, wir sind Star-Wars-Fans - es gab also recht zielgerichtete Diskussionsrunden und letztlich wurde der Vertrag mit Lucas Film unterzeichnet. Die Zusammenarbeit verlief wirklich gut, wir haben das Spiel sehr schnell umsetzen können. Gleichzeitig lief es auch bei unseren Merchandise-Produkten hervorragend, wir hatten schon Spielzeug in mehr als 20 verschiedenen Ländern auf dem Markt, bevor das Game überhaupt erschienen ist.

Hat Rovio für die Zukunft auch schon Pläne für weitere Kooperationen in diesem Stil?
Natürlich, wir schauen uns ständig nach neuen Sachen bzw. auch nach neuen Partnerschaften um. Im Grunde wollen wir Angry Birds zu einem fixen Teil der Popkultur machen. Wir hatten zum Beispiel eine sehr gute Zusammenarbeit mit 20th Century Fox bei Angry Birds Rio. Der daraus entstandene Animationsfilm war der erfolgreichste im vergangenen Jahr. Wir arbeiten auch jetzt schon wieder an neuen Dingen, die dann 2013 herauskommen werden, wir sind ständig auf der Suche nach guten Partnerschaften. Nächstes Jahr soll jedenfalls nochmal mehr passieren als dieses.

Die Marke Angry Birds besteht längst nicht nur aus dem Game selbst, wie schon angesprochen gibt es auch einen riesigen Merchandise-Aparat. Sind bei Rovio die Entwickler mittlerweile das kleinere Team als die Marketingabteilung?
Nein, nein, so ist das nicht. Tatsächlich haben wir ein recht kleines Marketingteam. Eigentlich sind all unsere Teams recht klein. Insgesamt sind wir bei Rovio jetzt 500 Leute, für uns ist es wichtig die Beweglichkeit zu erhalten, um Sachen wirklich schnell umsetzen zu können. Unsere größten Teams sind das Game-Studio und das Animationsteam. Unser Animationsstudio ist mittlerweile das größte in Nordeuropa.

Was passiert da gerade im Bereich Animation bei Angry Birds?
Nächstes Jahr wird eine neue Animationsserie mit wöchentlichen Folgen starten. Darauf freuen wir uns schon sehr. Wir sind auch jetzt schon mit unseren Animationen die größte Marke auf YouTube. Die neue Serie wird es dann online zu sehen geben, wir arbeiten aber auch mit Fernsehsendern zusammen. Wichtig ist für uns, das wir die Animationsserie weltweit starten werden und sie überall zur selben Zeit verfügbar machen. Wir werden sicher keine länderspezifischen Restriktionen einführen.

Wenn Sie nun einen weiten Blick in die Zukunft werfen müssten, gebe es einen Punkt, an dem man sich entscheidet, die Angry-Birds-Reihe zu beenden?
Nein. Man muss sich nur Mickey Mouse anschauen, 1928, und der Charakter lebt immer noch. Oder nehmen wir Hello Kitty, ein Charakter der uns seit den Siebzigern begleitet. Wir stehen mit Angry Birds im Vergleich noch ganz am Anfang, uns gibt es erst seit wenigen Jahren. Wir sehen uns auch nicht als Games-Firma, wir sind ein Unterhaltungsunternehmen und sind in vielen verschiedenen Bereichen aktiv - Games, Animationen, Spielzeug - bis hin zu Vergnügungsparks.

Werden wir irgendwann auch einen Angry-Birds-Kinofilm sehen? Schielen Sie nach Hollywood?
Sicher wäre das möglich. Aber wir brauchen Hollywood nicht. Wir können einen echten Film viel besser machen als Hollywood das jemals könnte. Wir müssen nicht mit einem dieser Studios zusammenarbeiten. Ich will es zwar nicht komplett ausschließen, aber derzeit haben wir kein Interesse. Hinzu kommt, dass wir ja einen anderen Zugang zu einem Film hätten. Anders als ein typisches Filmstudio müssen wir nicht erst einen Film machen, um eine Marke aufzubauen. Wir sind schon eine der am schnellsten wachsenden Marken der Welt. Aber grundsätzlich würde es uns natürlich reizen, auch irgendwann einen Film zu machen.

Was ist denn nun aus Ihrer Sicht das große Geheimnis von Angry Birds, was hat die bunten Vögel so populär gemacht?
Es ist eine Kombination von sehr, sehr vielen Dingen. Das Spiel selbst ist sehr zugänglich, man kommt sehr einfach rein. Gleichzeitig hat es - wie alle guten Spiele - dieses gewisse "Süchtigmachende". Und dann sind da natürlich die Charaktere, die Vögel, die extrem einnehmend sind.

Haben Sie im Vorfeld während der Entwicklung von Angry Birds auch Markt- und Meinungsforschung betrieben und die Vögel bzw. das ganze Spiel zum Teil auch danach designt?
Nein, sowas machen wir prinzipiell nicht. Da sind wir eher wie Apple: Wir machen Zeug, das uns gefällt und das wir selber spielen möchten.

Gibt es irgendein Merchandise-Produkt, das sich bis lang als absoluter Bestseller herausgestellt hat, das besonders gut ankommt?
Das könnte ich so gar nicht sagen, wir sind eigentlich in allen Bereichen erfolgreich unterwegs. Angefangen hat ja alles mit unseren Spielsachen bzw. mit den Plüschtieren und die haben sich wirklich sensationell gut verkauft. Wir sind mittlerweile mit unseren Produkten unter den Top 20 der lizenzierten Marken. Im vergangenen Jahr haben wir Batman und Barbie geschlagen, das war schon ein schöner Erfolg. Für dieses Jahr erwarten wir uns einen weiteren Aufstieg.

Sie haben bestimmt davon gehört, dass sich die Tierschutzorganisation PETA kürzlich öffentlich über Pokémon beschwert hat, weil das Spiel Tierquälerei verherrliche. Hat PETA bei Rovio auch schon einmal angeklopft?
Nein, also bisher haben sie uns nicht angerufen. Ich verstehe auch, dass sie so etwas machen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber gleichzeitig bin ich kein großer Fan von dieser Art des Marketing, wo andere stark attackiert werden. Man kann auch anders Aufmerksamkeit erzeugen. Ich denke, dass Kampagnen und Marketing positiv sein sollten. Es ist natürlich sehr einfach, beachtet zu werden, wenn man negatives Marketing betreibt, aber das ist etwas, das wir niemals tun würden.

Unlängst kam mit dem Game Bad Piggies auch erstmals ein Spin-Off von Angry Birds auf den Markt. Wie entwickelt sich das Spiel, stößt es auf denselben Enthusiasmus wie sein großer Bruder?
Es kommt mindestens so gut an. Tatsächlich wächst Bad Piggies zurzeit sogar schneller, als das bei Angry Birds der Fall war. In den USA sind wir seit dem Launch Ende September die Nummer eins bei den Downloadzahlen. Wir freuen uns sehr über das Game, und auch das Franchise wird stark wachsen und wir bauen hier eine komplett neue Marke auf. Es gibt sogar schon ein Bad-Piggies-Kochbuch als App. Da kommt in Zukunft aber noch einiges mehr.

Zum Abschluss noch eine sehr wichtige Frage: Was ist Ihr persönlicher Lieblingsvogel?
Der "Mighty Eagle" natürlich. Das ist gleichzeitig auch mein persönlicher Spitzname.

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